Mein USA Blog – Teil 8: Goodbye Montana

Mit der aufregenden Rückfahrt vom Yellowstone endete zwar der Trip im Trip, aber Montana war noch nicht vorbei. Es gab noch einiges zu sehen und es gab ja noch die Rückfahrt von „Big Sky“ zurück in den Evergreenstate. Der kürzestes Fluss der Welt, eine Bar mit Meerjungfrauen und das widerlichste Motel, das ich je gesehen habe jetzt kommt’s.

Naturphänomene und einfach nur Menschen

Da wir ja unsere turbulente Rückreise vom Yellowstone Park schon Samstagnacht erledigt hatten, gab es noch einen ganzen Sonntag Zeit für ein paar kleine Erledigungen und auch einen kleinen Fluss! Ramon hatte sich viele Gedanken gemacht, was er mir so zeigen könnte und worüber auch Sammy sich freuen könnte und da fiel ihm ein Weltrekord ein, den Great Falls nämlich innehat: Hier fließt der kürzeste Fluss der Welt!

Der kürzeste Fluss der Welt…mündet in den längsten Fluss der USA

Der kürzeste Fluss der Welt, yeah, und ich stehe direkt daneben. Nicht nur das: Wir badeten auch unsere Füße darin, die aufgrund der Nähe zur Quelle innerhalb weniger Sekunden taub wurden. Also nix wie raus und noch einen Spaziergang durch den State Park gemacht, in dem kleine Mädchen mit Schlangen in der Hand herumliefen. Sachen gibt’s. Doch es kam noch besser, denn es zog ein Sturm auf:

…der später auch Sand mitführte. Ein echter Sandsturm fegte in die Stadt – es gibt ja in der Umgebung keinerlei Flora, die den Sand abfangen könnte – und…Naja, Fotos gibt’s von dem Sand leider nicht (obwohl Ramon mich dazu bringen wollte, welche zu machen). Ich war froh, dass wir im Auto heldenhaft vor dem Sandsturm flüchteten, und zwar in Richtung Walmart, einen dieser Super-Supermärkte. Aber nicht irgendeiner, sondern einer, der für sein zweifelhaftes Publikum berüchtigt ist, selbst unter den Einheimischen.

Es lebe der Sport

Nachdem wir tatsächlich einigen merkwürdigen Gestalten schon auf dem Weg zum Walmart über den Weg liefen, bzw. fuhren, lud Ramon mich in sein Fitnesscenter ein. Das war wirklich ein sehr eindrucksvolles, großes und äußerst vielseitiges Fitness-Center mit Basketball- und Schwimmhalle, Saunen und Handtuchservice. Von alle dem nutzte ich aber nichts, sondern tobte mich 90 Minuten auf dem Fahrrad und dem Crosstrainer aus. Das war sehr wohltuend nach all dem Sitzen im Auto zuletzt.

Klimakrank im Super 8?

Anschließend ging es für mich ins Super 8 Motel. Ich musste Ramons Trailer nach vier Übernachtungen verlassen, da ich für die Arbeit eine stetige Wifi-Verbindung brauchte, wie sie ja in allen Motels geboten werden. Das war aber auch der einzige Vorteil, für den ich Ramons begeisternde Gastfreundschaft eintauschte, denn im Motel 8 erwartete mich die Klimaanlagen-Seuche. Mein Zimmer lag nämlich in unmittelbarer Nähe zum großen Klimaautomaten auf dem Parkplatz des Motels. Da ich aber erst gegen 22 h vom Fitnesscenter „nach Hause“ kam, war da nicht mehr viel zu machen. Um die große Außenklimaanlage zu übertönen und auch weil es im Zimmer recht warm war, schaltete ich meine an…aber über die ganze Nacht…

Meine erste Bar mit Meerjungfrauen

…ich bin halt nicht so motel- und klimaanlagenerfahren, aber zunächst mal zeigten sich auch keinerlei Folgen meiner kühlen Nacht. Geweckt von den knallenden Türen der Nachbarzimmer und dem Gerumpel der Reinigungskräfte ging ich zur Rezeption und besorgte mir ein anderes Zimmer. Dann ging es an die Arbeit, für den Abend war ich mit Ramon verabredet, der noch arbeiten war. An dem geräumigen Schreibtisch konnte ich einen meiner Kunden glücklich machen, Rechnungen verschicken und die vorangegangenen beiden Blogbeiträge verfassen und ein köstliches Menü zu mir nehmen:

Hotpocket, Macaroni salad und Dr. Pepper 🙂

Und so langsam kamen Kopfschmerzen (vielleicht auch ein wenig von dem Nudelsalat). Die hielten auch an, sodass ich mich so langsam fragte, was los sein könnte. Als mir die Nacht mit dem Klimawind in den Sinn kam, hatte ich zusätzlich bereits leicht die Nase zu und etwas Übelkeit. Ich war schon kurz davor, unseren letzten gemeinsamen Abend in Great Falls zu canceln, aber auf Ramon war wie immer Verlass: Zwei Ibuprofen in seinem Trailer später ging es wieder bergauf mit mir und wir waren auf dem Weg nach „Downtown“. Dort erlebte ich eine Überraschung: Meine erste Bar mit Meerjungfrau:

Abschied und Rückfahrt

Am nächsten Morgen hieß es ein letztes Mal für uns breakfast at Denny’s:

Immerhin habe ich nur die untere Hälfte gegessen 😉 Aber Ramon hat einen Pancake von mir übernommen – Ein Erlebnis, ihm beim Baden dieser Dinger in Syrup zuzusehen 🙂

…und dann hieß es Abschied nehmen von Ramon und Great Falls. An dieser Stelle noch einmal vielen, vielen Dank an Ramon für seine aufmerksame und fürsorgliche Gastfreundschaft. Ich habe mich sehr willkommen gefühlt – auch bei Deinen Eltern (danke nochmal an die Mama fürs Wäschewaschen, -Trocknen UND -Falten!) und ich komme gern in einem der nächsten Sommer wieder!

Das schlechteste Motel der Welt (?)

Klar, dass es nach so viel Komfort und Gastfreundschaft eigentlich nur noch bergab gehen konnte…
Es ging wieder zurück. Wie auch auf dem Hinweg war die Fahrt in zwei Etappen aufgeteilt, einer Etappe am 17., von Great Falls nach Wallace, Idaho (ca. 4 1/2 Stunden Fahrt für ungefähr 285 Meilen) und der zweiten Etappe am 18.07. von Wallace nach Milton (5 3/4 Stunden für 366 Meilen). Auf Wallace hatte ich ja schon auf dem Hinweg ein Auge geworfen, aber ich wählte online ein anderes Motel als geplant, was ein großer Fehler war:

  • Auch hier war mein Nachbar eine gigantische Klimaanlage.
  • Die Fenster waren mit Panzertape repariert worden.
  • Alles war sehr schmutzig und miefig.
  • Das ganze Motel hätte vor mindestens 20 Jahren dringend renoviert werden müssen. Jetzt ist einfach nur noch abrissreif.
  • Die Rezeption stank nach Hund und was aus dem so rauskommt.

(Fotos veröffentliche ich hier mal nicht, fragt aber gerne nach, wenn Ihr diesen Horror mal gezeigt haben wollt. Ich habe das Grauen dokumentiert ;))

Shabby-Schick ist gut – Gammel aber nicht

Natürlich wollte ich auch hier ein anderes Zimmer, und ich hatte den Eindruck, dass ich mich nicht allzu beliebt mit meinem Wunsch nach einer ruhigen Nacht machte. Naja, trotzdem ging ich im Motelrestaurant etwas essen und versuchte danach, so schnell wie möglich einzuschlafen. Um 6h wurde ich wach und machte mich sofort bereit zur Abfahrt – schnell raus hier.

Klar, auf dem Hinweg war es dieser Shabby-Charme, den ich wollte und dieser Roadtrip-Mief, den ich gut fand. Aber dieses Motel war mindestens eine Nummer drüber – uiuiui. Naja, man muss auch wissen was nicht will im Leben 😉

Noch mehr zum Gucken

Und weil’s auch auf dem Rückweg mal wieder so viel zu gucken gab, hier noch einige Impressionen von Orten, die ich jetzt sozusagen auf der anderen Straßenseite fotografieren konnte:

Noch ein paar Fakten zur Fahrt:

  • Insgesamt mehr als 2100 Meilen gefahren
  • Teuerste Tankstelle: gestern, Rückfahrt, East Summit, Washington: 3,89 $ pro Gallone
  • Günstigste Tankstelle: auch gestern, Coeur D’Alene, Idaho: 2,56 $ pro Gallone (zur Erinnerung: Eine Gallone sind fast 3,79 Liter…Benzin!)
  • Kein einziger Stau!
  • 7 Mal vollgetankt
  • 4 Staaten
  • Kein Tier überfahren, auch wenn manche von ihnen es wirklich versucht haben 😀
  • Ca. 50 Pinkelpausen

Insgesamt ist es recht angenehm, hier rumzufahren, ähnlich wie in Holland. Es ist einfach so: Wo man nur langsam fahren darf, gibt’s auch kein Drängeln oder Nötigen. Hier gibt es offenkundig aber keine Regeln bezüglich der Spuren, wo man fährt, bzw. wo man überholen darf. Alles etwas durcheinander. Super sind die Schilder an den Ausfahrten, auf denen man immer die Restaurants, Tankstellen oder auch Übernachtungsmöglichkeiten zu sehen bekommt.

Trumpeteers sind sichtbar…

Dann noch ein Wort zu dem Thema, was nicht nur bei uns, sondern auch hierzulande viele umtreibt. Die Regierung ist hier ein Thema, das die Leute spaltet. Nun war ich ja bis zu 850 Meilen im Landesinneren, und ich habe schon hier und da offenkundige Ressentiments gegenüber Einwanderern gesehen. Sowohl auf Tshirts als auch auf Autos lesen sich Statements wie „Sorry, we’re full“ (geschrieben in USA-Umriss) oder man findet einfach nur Flaggen an Häusern à la „Trump 2020“. Die Botschaften sind eine Spur weniger radikal als die der ganz Rechten in Deutschland, aber sie werden wesentlich offener und weiter verbreitet kundgetan. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Menschen, die auf ähnliche Weise verdeutlichen, dass sie die Regierung klar ablehnen.

…Umweltschutz dagegen nicht

Angelehnt daran das Thema Umweltschutz: Ich kann nicht sehen, dass dieser hier stattfindet. Alle fahren Auto, viele Autos davon sind riesig. Als Fußgänger wirst Du hier angesehen wie ein Außerirdischer. Trucks und SUVs überall. Kleine Autos mit kleinem Verbrauch: Fehlanzeige. Autos werden immer angelassen ob man an der Ampel wartet, mal eben ‚was aus dem Haus holt oder auch 10 Minuten am Schalter des Fastfood-Restaurants aufs Essen wartet. Das Auto läuft, damit die Klimaanlage anbleibt. Apropos: Klimaanlagen sind überall, laufen auf vollen Touren, dagegen gibt es keine Mülltrennung, Flaschen- und Dosenpfand nur in einer Handvoll Staaten.
Da erwischt man sich manchmal bei dem Gedanken, wofür wir den ganzen Scheiß eigentlich machen.
Die Fridays for Future Bewegung ist hier weitestgehend unbekannt! In Zeiten von Social Media schwer nachzuvollziehen – muss was mit Verdrängung zu tun haben oder so…

So viel Kritik muss bei aller Begeisterung über die USA-Reise auch mal sein.

Zurück in der Zivilisation

Bei meiner Ankunft gestern im Großraum Seattle merkte man schon, dass das hier ein Unterschied ist zu allem, was ich unterwegs gesehen hatte. Die dünne Besiedlung Montanas (knapp eine Million Einwohner auf einer Fläche, fast so groß wie Deutschland) fällt schon auf. So war ich letztlich auch froh, wieder hier zu sein – Hier ist es auch wirklich wunderbar. Aber: Jetzt gleich (19.07.) geht’s schon wieder weiter, und zwar für 3 Tage nach Lopez Island. Davon dann beim nächsten Mal mehr 🙂

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Mein USA Blog – Teil 7: Yellowstone Nationalpark

Was macht man, wenn man gerade 10 Stunden und über 1.000 Kilometer von Bellevue nach Great Falls gefahren ist? Klar, man setzt sich zwei Tage später direkt wieder ins Auto und fährt weiter.
Ja, es sollte bald schon weitergehen, denn Ramon und ich hatten den Plan gefasst, zum Yellowstone Nationalpark zu fahren, und diesen Plan setzten wir am 13.07. in die Tat um. Es sollte ein sehr, sehr schöner und langer Tag werden…

On the road again

Da Ramons Auto ca. 20 Liter pro 100 km verbraucht, fiel uns die Wahl nicht schwer, mein edles Ross musste mal wieder ran. Gut, die 1450 Meilengrenze meines Mietwagens hätten wir damit irgendwo zwischen Great Falls und Seattle geknackt, aber die 17 Cent pro Extra-Meile sind immer noch günstiger als…naja, 20 Liter. Genug der Rechenbeispiele, das war die neue Route:

Wir wählten den Westeingang, den wir – alle Zwischenstopps eingerechnet – nach ca. fünf Stunden erreichten. Kurz vor dem eigentlichen Eingang erreicht man ein kleines Wildwest-Dorf mit ein paar Kneipen und Hotels, Tankstellen und natürlich einem McDonald’s – Das darf selbst hier natürlich nicht fehlen. Nach einer Linksabbiegung erreichten wir den recht unspektakulären Eingang – doch Halt, vorher noch ein Foto:

Nachdem ich ca. 8 Teilnehmer der chinesischen Reisegruppe abgewartet hatte, drängelte ich mich dann doch mal dazwischen 😀

Wir fuhren die restlichen 100 Meter vom Schild bis zum Eintrittsschalter, wo wir bei einer gut gelaunten Dame mit Mountie-Hut 35 $ Eintritt für 2 Personen und für 7 Tage bezahlten. Spitzenpreis, doch wir brauchten gar keine sieben Tage…

Viermal so groß wie das Saarland

Und dann ging’s auch direkt rein in den Yellowstone, den bekanntesten Nationalpark in den USA neben dem Yosemite Park in Kalifornien. Übrigens: Mit dem Eintritt in den Park erreichte ich mit Wyoming meinen mittlerweile vierten US-Bundesstaat nach Washington, Idaho und Montana.
Der Yellowstone ist mit einer Fläche von knapp 9.000 Quadratkilometern fast so groß wie der Kosovo oder – wenn Ihr so wollt – fast viermal so groß wie das Saarland! Da ist dann auch nix mit zu Fuß oder mit der Bimmelbahn. Nix, die Amis haben hier einen schönen Highway durch den Park gebaut. Aber sonst braucht man auch wirklich die sieben Tage, um die Sehenswürdigkeiten zu sehen.

Hier stinkt’s nach Eiern

Und die findet man auf der Karte des Parks, bzw. immer entlang der kleinen Autobahn, die in Form einer riesigen 8 durch den Park verläuft.

Yellowstone National Park Map.png
 Von Unbekannt - National Park Service, Gemeinfrei, Link

Wo Sehenswürdigkeiten sind, kann man einfach vom Highway abfahren, ähnlich wie an den Rastplätzen an unseren Autobahnen in Deutschland. So geschehen, als wir zwischen den Bäumen etwas dampfen sahen. Der erste Geysir war entdeckt und wir nutzten die Gelegenheit für ein paar erste Impressionen:

Wieder mal spielte das Wetter mit, wieder mal tolles Licht, doch diesmal war der Geruch nicht so toll wie sonst. Aber klar, hier ist Schwefel im Spiel, deswegen stinkt es im Umfeld dieser heißen Quellen gerne mal nach Eiern. Aber nicht unbedingt nach faulen, sondern eher ganz genau so, wie wenn man Eier kocht und dann an dem Dampf riecht.

Old Faithful – very eindrucksful

Doch mit diesem kleinen Geysir wollten wir uns freilich nicht zufrieden geben, denn hier im Yellowstone gibt es ja auch noch einen größeren, den Geysir, den Old Faithful. Er bricht ca. alle 90 Minuten aus und wie es der Zufall wollte, kamen wir glücklicherweise 10 Minuten vorher an diesem süd-westlichen Punkt der Park-Route an und parkten auf einem Parkplatz, der ungefähr die Größe hat wie der vom Phantasialand in Brühl – nur mal, um die Dimensionen hier zu verdeutlichen.
Dass wir relativ pünktlich waren, verriet uns auch schon die Menschenmenge, die am abgezäunten Areal des berühmten Geysirs bereits wartete. Wir suchten uns ein Plätzchen leicht abseits der Menge, etwas weiter hinten, denn wenn der Old Faithful ausbricht, sieht man das auch von weiter hinten:

Der weiteste Punkt meiner Reise

Nachdem wir diesem Naturschauspiel beigewohnt hatten, machten wir uns auf den Weg zum „West Thumb“, dem am weitesten entfernten Punkt auf meiner gesamten Reise von Bellevue aus gesehen:

Angekommen am weitesten Punkt meiner Reise: Der West Thumb, ca. 850 Meilen entfernt von Bellevue, WA

Erste Tiersichtungen

Ja, und neben heißen Quellen, zahllosen Bäumen und jährlich mehr als 4 Millionen Besuchern gibt es natürlich auch jede Menge Tiere im Yellowstone Park. Meiner Meinung nach zeigen die sich zwar nicht, wenn sie schlau sind, aber einige sahen wir dann doch, vielleicht auch dem Fakt geschuldet, dass es mittlerweile schon früher Abend und damit nicht mehr so heiß war. Zwar sahen wir keine Grizzlies oder Wölfe (vielleicht auch besser so), dafür aber Elchkühe und Bisons:

Yellowstone Lake und Yellowstone Canyon

Immer, wenn sich auf dem kleinen Highway kleine Staus entwickeln, gibt es meistens was zu sehen am Straßenrand. Die Leute steigen dann manchmal auch aus, um Fotos von den Tieren zu machen, manchmal aber auch, um in den zahlreichen Flussläufen baden zu gehen. Dafür hatten wir keine Zeit – auch, wenn wir es durchaus geplant hatten -, denn es wurde so langsam dunkel und wir hatten noch zwei weitere wichtige Sehenswürdigkeiten an unserer Route anzusteuern:

Den Yellowstone Lake:

See, wohin ich seh‘ – der größte Bergsee Nordamerikas mit 357 Quadratkilometern Fläche.

Und den Yellowstone Canyon:

…und weil’s einfach wirklich so schön war noch mehr Gegend:

Rückfahrt noch am selben Tag

Wie man auf einigen der letzten Bilder sehen kann, ging die Sonne schon so langsam unter, aber wir hatten beschlossen, uns auf den 5-stündigen Rückweg zu machen – noch heute. Ein Plan war gewesen, vielleicht in Bozeman (ca. eine Stunde entfernt) zu übernachten und dann am nächsten Tag noch einmal in den Park zu kommen. Doch ich war zufrieden mit dem, was wir gesehen hatten (Ramon war eh schon zum fünften Mal hier gewesen), sodass eine Rückfahrt eigentlich OK war – wenn auch etwas spät?

Tierisch was los, nachts in Montana

Erst einmal ging es raus aus dem Park, und, um noch einmal die Dimensionen hier zu verdeutlichen, allein das waren vom Canyon bis zum Ausgang in West Yellowstone noch 40 Meilen und über eine Stunde Fahrt!
Als wir draußen und damit wieder in Montana waren, tankten wir zum zweiten Mal am heutigen Tage voll und freuten uns auf das Gewitter, das von Südwesten her aufzog und den Himmel endgültig schwärzte. Doch während wir dem Gewitter entkommen konnten, trafen wir auf ganz andere und (für mich) unerwartete Hindernisse. Denn hier in der Gegend, so wusste mein Reiseführer Ramon zu berichten, ist nachts auf den Straßen tierisch ‚was los! Und noch während meiner Fahrschicht tauchte ein Stinktier direkt vor unserem Auto aus der Finsternis auf!

Leuchtende Augen am Straßenrand

Dank einer guten Reaktion und einer kontrolliert-starken Bremsung konnte ich das Stinktier umfahren, was das kleine Sackgesicht jedoch nicht davon abhielt, uns eine ordentliche Ladung ans Auto zu spritzen. „Oh, so riecht Stinktier“, meinte ich und fand den Gestank anfangs noch gar nicht so schlimm. Doch das änderte sich mit der Zeit und so steuerten wir eine Tankstelle an, um wenigstens schon mal provisorisch mit einem Scheibenwischer für Sauberkeit rund um den vorderen, linken Kotflügel zu sorgen. Ramon übernahm jetzt den Rest der Strecke, auf dem wir noch zwei Mini-Eulen trafen, die seelenruhig mitten auf der Straße hockten, und Ramon sichtete immer wieder leuchtende Augen in der Dunkelheit des Straßenrands. Ich konnte all diese Sichtungen allerdings nicht bestätigen, aber ich glaube ihm 😉

Als wir schließlich und nach fünfstündiger Nachfahrt müde, heile und etwas übelriechend in Dick’s RV Park in Montana ankamen, ließen wir den Tag noch bei einem kleinen Pläuschchen Revue passieren und fielen dann schließlich um 4  Uhr Ortszeit in die Betten. Ramon: Vielen Dank für diesen Mega-Trip!

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Mein USA Blog – Teil 6: Die große Reise nach Montana 2

Nach einer guten Nacht mit erfreulichen 9 Stunden Schlaf öffnete ich das stolze, silberne Streitross, das brav auf dem zimmereigenen Parkplatz Nummer 8 parkte und packte meine 7 Sachen ein – ja, diese Zahlen entsprechen so wirklich der Wahrheit!
Heute stand der zweite Teil des Roadtrips an, des Hinwegs von Seattle nach Montana, und zwar der wesentlich größere Teil der Reise:

Ein guter Roatrip beginnt in einem Highway Cafe

Doch bevor ich die ca. 400 Meilen in Angriff nahm, nahm ich erst einmal ein zünftiges amerikanisches Breakfast zu mir. Den Besuch im „Highway Cafe“ hatte ich bereits am Abend zuvor geplant – in meinem quietschenden Bett auf Rollen 😀
Das Highway Cafe war nur ein paar Meilen vom Davenport Motel entfernt und ein idealer Startpunkt für den heutigen Tag:

I like your accent

Zum ersten Mal wurde ich jetzt auf meinen Akzent angesprochen. Die Bedienung, Sarah, hatte wohl keine Schwierigkeiten, zu merken, dass ich ganz woanders herkomme, mochte meinen Akzent aber nach eigener Aussage. Kann natürlich auch sein, dass das Kompliment auch durch den Wunsch nach einem größeren Trinkgeld motiviert war, wovon man hier übrigens üblicherweise sehr viel gibt.

Hit the road again

Frisch gestärkt ging es los in Richtung Spokane, der letzten wirklich größeren Stadt in Washington, bevor man in östlicher Richtung die Staatsgrenze von Idaho erreicht…und das tat ich dann auch nach ca. 50 Minuten Fahrt:

In Idaho begann auf jeden Fall einer der schönsten Streckenabschnitte überhaupt von Coeur d’Alene bis Missoula:

Man fährt zwischen Bergen hindurch, Nadelwälder zu beiden Seiten an den Hängen, dazwischen immer wieder diese malerischen, verschlafenen Nester an Seen und Flüssen. Einfach hinreißend. Da wundert es auch nicht, dass in diesem Abschnitt auch der Ort liegt, in den ich mich sehr verguckt hatte und in dem ich auf der Rückfahrt Station machen werde: Wallace, Idaho. Auch das Motel habe ich schon ausgewählt, das Bitterroot Motel, ein ähnlich stimmungsvolles Plätzchen wie das Davenport Motel auf der ersten Etappe des Hinwegs 😉

In Idaho durfte ich auch ein paar Meilen pro Stunde schneller fahren (immer noch nicht viel mehr als 120 km/h) und es gab auch in den folgenden Meilen (inkl. Staatsgrenze nach Montana) jede Menge großartiger Dinge zu sehen und zu fotografieren:

Es ist schon manchmal nicht so leicht, wenn man sich auf die Straße konzentrieren muss, aber die Gegend drum herum einfach so aufsehenerregend ist! Auch an diesem zweiten Tag des Roadtrips hätte ich viel, viel häufiger anhalten und Aufnahmen machen können als ich es tatsächlich gemacht habe.

Welcome to the „Big Sky“

Die Landschaft hat sich von Bellevue bis Great Falls so oft verändert, von Hügelwäldern über Gebirge bis hin zu Hochebenen, aus denen weite Teile Montanas ja bestehen. Hier in Great Falls sind wir immerhin gut 1.000 Meter über Normalnull. Und der Staat hat seinen Namen zurecht, hier sind teilweise Gebirge so weit das Auge über die schier unendlichen Ebenen reicht. Montana wird auch „Big Sky“ genannt:

Und das gesamte Land nennen die Amerikaner ja unter anderem auch „God’s own Country“. Ich finde, sie sollten es tun, aber nicht aus patriotischen Gründen, sondern weil er sich hier einfach selbst übertroffen hat. Allein die drei Staaten, die ich bisher gesehen habe, bieten so viele atemberaubende Naturschauplätze – Hier hat der liebe Gott sich irgendwie einfach selbst übertroffen.

Ziel erreicht – Ende einer denkwürdigen Reise (aber die nächste folgt schon bald)

Doch irgendwann gelangte ich wieder in von Menschenhand geprägte Gefilde. Nachdem ich mein Frühstück in der Highway Bar gegen 10:40 Washington-Zeit bezahlt hatte, war ich um 18:25 Montana-Zeit bei meinem neuen Gastgeber auf Zeit und in Great Falls, Ramon (Bild), bzw. an meinem Ziel (eingebetteter Tweet) angekommen:

Ich darf vorstellen: Ramon aus Emmerich, bzw. jetzt Great Falls (rechts im Bild) 🙂

Und hier sind wir jetzt bis zum 18.07.:

…ja, und dieser eingebettete Tweet ist eigentlich auch die perfekte Überleitung zum darauf folgenden Tag, dem Tag, an dem ich nicht nur in meinen vierten US-Staat auf der Reise, sondern gleichzeitig auch in den legendären Yellowstone Nationalpark fahren sollte. Alles zu diesem neuerlichen Roadtrip, dem Old Faithful und einer unerwarteten Rückreise erfahrt Ihr im nächsten Beitrag  😎

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Mein USA Blog – Teil 5: Die große Reise nach Montana 1

Ein Mann und sein Auto…

So langsam aber sicher ist etwas Ruhe eingekehrt, ich habe den Jetlag überwunden, mich an die Sprachumstellung gewöhnt und bin jetzt auch „Teil des Rudels“, sprich auch die Kids haben sich jetzt daran gewöhnt, dass „Sebäschten“ jetzt dauerhaft da ist. Und was mache ich? Ich mache erstmal einen 9-tägigen Roadtrip nach Montana. Der war so auch von vorn herein geplant, aber es gab durchaus bis ganz kurz vor’m Start noch einige Unklarheiten. Impressionen von der ersten Etappe kommen jetzt.

Das Navigationsproblem…

Der Plan, nach Montana zu fahren, war schon lange vor der Anreise nach Seattle geschmiedet worden. Was ich dort all die Tage machen würde, war nicht von langer Hand geplant, und noch viel kurzfristiger wurde ein ganz anderes, vielleicht noch dringlicheres Problem angepackt. Denn auf welche Weise ich die insgesamt fast 650 Meilen nach Great Falls navigieren würde, war noch nicht so ganz durchdacht, und das machte mir jetzt doch – eine Stunde vor der Abfahrt – ein bisschen Kopfzerbrechen.

Die Ausgangsposition:

  1. Ich hatte keinen US-Handyvertrag, sodass Google Maps auf dem Handy wegfiel.
  2. Von meiner Gastfamilie habe ein ziemlich altes GPS-Gerät bekommen, bei dem ich aber kein so gutes Gefühl hatte.
  3. Doch vielleicht würde es ja reichen, nur das Handy-GPS einzuschalten und dann Google Maps laufen zu lassen? Nee, ging auch nicht wirklich ohne mobile Daten, und die kosten ne Menge Geld.
  4. Hm…vielleicht mal einen Handyshop in der Nähe anfahren? Vielleicht gibt’s ja irgendeine Prepaid-Variante.

…spontan und recht günstig gelöst

Na klaro! Zum Glück hat T-Mobile ja nicht nur das Stadion der Mariners übernommen, sondern auch ein paar Handy-Stores in der Gegend eröffnet. Zu unser beider Überraschung war das Problem schnell und einfach, 40 $ später und mit einer Mini-SIM-Card gelöst. 30 Tage Datennutzung, Telefonieren mit allem Drum und Dran – Die Navigation war gerettet, und ich konnte mit dem gewohnten Google Maps fahren. Das war sehr erleichternd, und da das erledigt war, gingen wir zufrieden über den OutletParkplatz rüber zu Starbucks, um zu frühstücken.

So einfach kann man hier ein Auto mitnehmen

Danach fuhren wir zu meinem Auto, das ich für den Zeitraum vom 10.-19.07. gemietet habe, meinem Subaru Forester. Leicht in die Jahre gekommen, aber mein edles Ross auf meiner Abenteuerreise. Da mein Vermieter nicht da war, hatte er das Auto einfach unabgeschlossen in der Einfahrt stehen und den Schlüssel stecken gelassen. Eine gute Nachbarschaft macht’s möglich, dachten wir uns.

Auf geht’s ins große Abenteuer

Ich machte ein paar Fotos vom Auto und einen Film, sagte in der App bescheid, dass ich das Auto jetzt abholte und legte der Rückwärtsgang ein und war ab jetzt unterwegs. Als ich aus der Einfahrt fuhr und das Wohngebiet in Richtung Interstate 90 verließ, war ich durchaus euphorisch: Endlich begann der Roadtrip, ich allein mit dem Auto, Hunderte von Meilen vor mir. Ich war sehr aufgeregt und voller Vorfreude.

Die große Freiheit

Es fühlte sich so an, wie ich es mir Wochen vorher auch ausgemalt hatte. Diese schier unendlich Weite dieses Landes, die weite Reise, die vielen Dinge, die es unterwegs zu sehen gibt – Ich liebe Roadtrips und dieser war ein ganz besonderer:

  • Jetzt war ich auch mal selbst am Steuer.
  • Die nahezu unendlichen Möglichkeiten vor mir.
  • Einfach mal die nächste Abfahrt nehmen, beim nächsten Wendy’s rein und einen Kaffee holen.
  • Oder Zwischenstopp im nächsten Ort, um einfach mal ein paar Fotos von der unfassbaren Landschaft zu machen.
  • In „Amiland“ rumfahren, Sonnenbrille auf, die Fenster auf, die besondere Luft schnuppern, die Städte und die Landschaften angucken, und dazu Aerosmith, AC/DC oder Guns ’n‘ Roses im Radio.

Wo ich hinguck, seh ich Gegend

Meine erste Etappe sah vor, von Bellevue bis Davenport zu fahren:

Schon nach kurzer Zeit ging es in die Berge. Viele Pässe durch bewaldete Berg- und Hügellandschaften – sehr schön. Alle US-Staaten haben ihre Sondernamen. Washington ist der „Evergreen State“, wie man sehen kann, aber es geht auch manchmal in Gelbe:

 

Das ist nur eine Auswahl von Aufnahmen von der Fahrt. Ich habe bestimmt 10x angehalten, um Fotos und Filme zu machen, doch ich hätte es auch 20 Mal machen können. Es ist einfach nur schön hier und ich war hingerissen. Und was war ich noch? Immer noch im selben Staat, genauer gesagt in Davenport, kurz vor dem letzten großen Ort in Washington, Spokane.

Welcome to Davenport

Hier bezog ich mein stimmungsvolles Zimmer im Davenport Motel. Ich fand es – sagen wir mal – rustikal und einfach, man könnte auch sagen recht schäbbig. Aber das war ehrlich gesagt nicht nur das, was ich erwartet hatte, sondern auch das, was ich wollte für meinen Roadtrip. America, wie es leibt und lebt, und gehören eben solche Motels am Highway mit dazu:

Miefig, kaputt, verkalkt – so muss das!

Es war schon ein wenig miefig und speckig, die Wandleuchte fiel fast herunter, als ich sie verdrehen wollte und am Wasserhahn im Bad war jede Menge Kalkstein zu sehen. Aber ich mochte es so. Es roch nach Roadtrip, es sah auch so aus. Dafür hatte das Zimmer freies WiFi, eine Klimaanlage, die ich sofort anschmiss und eine Art Möbelwand mit einer Schreibtischfläche (siehe Bild direkt hier drüber), an der ich arbeiten konnte.

…und teure Lebensmittel mal wieder

Und: Direkt auf der anderen Straßenseite war ein Safeway, wo ich Proviant für den Abend und den nächsten Morgen einkaufte:

Gegenüber an der anderen Straßenecke war zudem eine Tankstelle und dort begann ja schon am nächsten Morgen die zweite Etappe des großen Roadtrips von Davenport nach Great Falls. Damit geht’s dann ganz bald weiter!

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Mein USA Blog – Teil 4: 4th of July

Wie passend, dass der vierte Blogeintrag auch der zum 4th of July ist. Als hätte ich es so geplant…tststs 😉
Geplant war jedenfalls schon lange im Vorfeld meiner Anreise, dass wir ‚was Schönes an diesem besonderen amerikanischen Tag machen würden. Meine Gastgeberin Nicole schrieb sinngemäß, dass wenn ich die volle Dröhnung USA erleben wollte, wir am vierten Juli das Heimspiel der Seattle Mariners besuchen sollten. Und genau so ist es geschehen.

Kleiner Einwurf noch an dieser Stelle: Am 02.07. wurde Dave’s of Milton von der Essensliste gestrichen:

Der Blauschimmelkäse auf Nicoles Salat war mir sogar für ein Foto zu ekelig…wir wussten jetzt, warum die Gastfamilie in den vergangenen Jahren noch gezögert hatte, dieses Restaurant auszuprobieren 😀

Independence Day – Ein Ereignis wirft seine Schatten voraus

Während man sich offensichtlich in den deutschen Medien fragte, was der US-Präsident sich dabei dachte, eine Militärparade zu veranstalten, rauschten exerzierende Kampfjets über unsere Köpfe hinweg, als wir am 03.07. im Point Defiance Zoo nahe Seattle waren. Die armen Tiere mussten gedacht haben, der Herrgott höchstpersönlich würde sie donnernd zu sich holen, denn sie versteckten sich vor den lauten Jets unter Sträuchern und Felsen.
Auch sonst überall krachte es: Wie auch an den Abenden davor, probierten hier und da überall die Leute ihre Sylvester-…äh Independence Day Böller und Raketen aus.

Erstmal alles wie üblich

Am 4th of July selbst war erstmal alles wie es sonst auch war. Klar, es ist ein Feiertag, die Family war komplett zuhause, aber ich arbeitete und im Grunde gab es kein „Happy 4th of July“ oder irgendeinen Sommer-Tannenbaum in der Ecke. Eigentlich ein Tag wieder jeder andere. Dann fuhren wir aber los zum Baseballstadion, dem T-Mobile Park, wie das Stadion aufgrund seines neuen, deutschstämmigen Sponsors jetzt heißt.

Skyline, Stadion, Skyline – Eindrucksvoll, auch an jedem anderen Tag

Nach einer ca. halbstündigen Fahrt kam die Skyline von Seattle Downtown zum Vorschein, und das war schon ein sehr beeindruckender Anblick. Es ist schon ‚was anderes, ob man eine deutsche oder generell die meisten europäischen Innenstädte sieht oder eine amerikanische mit diesem typischen Wall aus zur Mitte hin stetig anwachsenden Hochhäusern. Ich beteiligte mich mal kurz an keinen Gesprächen mehr, sondern guckte mir so lange wie möglich die Skyline an. Kurz davor sind zwei Stadien gelegen, der T-Mobile Park und das Century Link Field direkt daneben – das Footballstadion der Seahawks.

Ich seh aus wie ein Ami 😉

Nachdem ich beim Warten auf unseren Platz im Parkhaus meiner Gastfamilie „In dieser Nacht“ von Neon vorgespielt hatte, ging es leicht beohrwurmt durch die Menschenmenge zu unseren Sitzen. Ich hatte einen Independence Day Hut bekommen, und mit meiner Sonnenbrille dazu war ich als Deutscher eigentlich kaum noch zu erkennen – Und im Stadion sah ich sie Skyline dann auch nochmal wieder, diesmal wollte ich uns beide auf Fotos festhalten:

Wie interessant ist Baseball eigentlich?

Ja, die Kulisse war schon sehr eindrucksvoll, das Licht war super, es wehte ein angenehmer Wind durchs Rund und – ach ja – da unten wurde ja auch noch Baseball gespielt. Tja, wie finde ich das? Also ich fasse es mal so zusammen:

  1. Das Spiel beginnt einfach so, ohne großes Tamtam und damit irgendwie untypisch für Amerikaner. Plötzlich fliegen da unten die Bälle, ohne Anpfiff oder eine Ansage.
  2. Auch die Amerikaner selbst gucken oft gar nicht wirklich hin, quatschen miteinander, gucken auf die Smartphones, gehen Essen holen oder zur Toilette und verpassen dann auch einfach mal ein oder zwei Innings. So habe ich zum Beispiel den ersten Homerun verpasst, weil ich auf dem Weg zum Klo war…
  3. Die gigantische Anzeigetafel (muss mindestens 1.000 qm groß gewesen sein), lenkt teilweise echt davon ab, das eigentliche Spiel zu beobachten.
  4. Auch wenn ich das Spiel nur zur Hälfte verstehe, habe ich damit nach Aussage meiner Gastfamilie vielen anderen Zuschauern damit immer noch einiges voraus.

Insgesamt ist die Atmosphäre sehr familiär. Man geht hier nicht hin, um sich großartig mit dem Sport an sich zu beschäftigen. Anders als in deutschen Fußballstadien, wo man sich wirklich 45 Minuten auf das Spiel konzentriert, ist Baseball eher so eine Art Familienevent: Zuckerwatte kaufen, Fotos machen, gemeinsam einen Nachmittag was Schönes machen und damit war das vielleicht für den 4. Juli das perfekte Event.

Und der Patriotusmus?

Dass die Amerikaner ihre Nation besonders lieben, habe ich hier und am 4. Juli gleich mehrmals bemerkt. So wollte ich im Souvernirladen eine Mariners-Kapuzenjacke kaufen, weil der Wind im Stadion doch unerwartet frisch war und eine Mütze, weil ich doch eine andere Kopfbedeckung brauchte. Als ich an der Kasse stand und bezahlen wollte, ertönte aber aus mehreren Fernsehern und Lautsprechern die Nationalhymne und ich musste warten, bis der Kassierer fertig mit Singen war. Übrigens verharrten auch alle anderen Kunden in dem Laden in derselben Pose, bis das Lied zuende war. Man hört und liest ja davon, dass das hier so sein soll, aber wenn man es so direkt mitbekommt, als einziger, der nicht die Hand auf die Brust gepresst hat…

Und nochmal Patriotismus

Aber habe ich es nicht genau so erwartet? Unerwartet aber eigentlich folgerichtig kam dann auch der Besuch eines Veteranen im Stadion. Er hatte im „WWII“ – also im Zweiten Weltkrieg – für sein Land gekämpft, kam nun mit einem Gehstock auf den Rasen und wurde mit einem Einspieler auf der Videowand geehrt. Ich kann es nicht alles wiedergeben, was in dem Film gesagt wurde, aber irgendwie war es so hollywood-mäßig aufgemacht, dass ich dachte ‚Mensch Alter, geile Sache, dass Du das damals mitgemacht hast‘ – Schließlich ist es ja wirklich mehr als ehrenwert, dass die Alliierten Europa damals von den Achsenmächten befreit haben, absolut keine Frage! Nur hatte ich dann nicht das Gefühl, aufstehen, klatschen und weinen zu müssen, wie viele um mich herum. Aber so ist das hier eben.

Ein Hauch von Sylvester – Feuerwerk gucken mit der Drohne

Auf dem Rückweg wurde dann noch Feuerwerk gekauft. Safeway hatte offen – die haben IMMER offen -, da kauften wir dann noch unser ID4-Diner, also fast alles, was die im ersten Teil des Blogs beschriebene Fertigspeisenvielfalt so zu bieten hat. Und dann warteten wir, bis es dunkel wurde. Während die Kids unter Moms wachsamen Augen ein paar Funken in die Dunkelheit malten, durfte ich mit der Drohne die „Bigger Ones“ aus 200 Metern Höhe angucken – War auch ganz nett, aber dann kamen die Mücken und ich ging.

Die Seahawks haben übrigens 4:5 gegen die Cardinals aus St. Louis verloren.

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Mein USA Blog – Teil 3: Sabatian, Gig Harbour und erster Arbeitstag

So, liebe Leute, ich hole auf, was die Blogeinträge angeht, denn ich fass jetzt ein paar Tage zusammen. Es kann ja nicht jeden Tag so Spektakuläres abgehen, wie das Minigolf-Match vom Samstag, dem 29.06. – Wir fahren fort mit den Problemen, die mein Name den Amerikanern anscheinend macht, unserer Exkursion zu einem echt wunderbaren Fleckchen Erde und mit dem finalen Überwinden des Jetlags!

Übrigens: Ich habe beschlossen, für viele weitere Details und Impressionen von unterwegs jetzt doch auch parallel auf Twitter zu posten. Guckt mal rein unter dem Hashtag #sebinusa

Gestatten, mein Name ist „Sabatian“

Schon die Kinder meiner Gastfamilie (5 und 3 Jahre jung) hatten so ihre Probleme mit meinem Namen. Sie waren sich auch ohnehin nicht ganz sicher, wie sie mich eigentlich jetzt nennen sollen. Wir hatten Geomez ganz am Anfang (das war der Spitzname, den ihre Mama damals in den späten 90ern für mich hatte), dann war es friend, guest oder auch einmal Dad 😀 Mittlerweile sind sie auf Sebastian umgestiegen, „because that is his name„, können es aber noch so ganz richtig aussprechen, weswegen wir uns jetzt bei „Sebäschtän“ eingependelt haben.

Viel leichter scheint es aber auch den erwachsenen Amerikanern nicht zu fallen, meinen Namen auszusprechen, wie man hier, auf der Quittung von Wendy’s, sehen kann:

„Sabatian“… Naja, das Eis war trotzdem lecker.

Wendy’s war übrigens ein Wunsch von mir, ich konnte mich erinnern, dass es da ganz lecker ist. Aber wir hatten noch mehr auf der Liste, wie zum Beispiel Denny’s, ein Hawaiianisches Diner oder auch Dave’s of Milton – dazu im nächsten Beitrag noch etwas mehr. Immer, wenn wir was Leckeres sehen oder über so ein Restaurant sprechen, heißt es „Put it on the list“ und dann versuchen wir, da bald mal essen zu gehen.

Gig Harbor – Och, lasst mich einfach hier

Wendy’s lag jedenfalls auf unserem Weg Richtung Gig Harbor. Wir kletterten also alle Fünf in den Subaru und fuhren zum beliebten Ausflugsziel. Gig Harbor ist ein wunderbarer Küstenort, der versteckt in einem der vielen Sounds hier liegt:

Es ist einfach n Träumchen dort:

…also ich würd‘ hier wohl wohnen können.

Mach’s gut, Jetlag!

Nach diesem wunderbaren Sonntagsausflug, den wir noch über das Umland ausgedehnt hatten, ging dann am darauffolgenden Montag der Ernst des Lebens wieder los. Alle mussten arbeiten, ich auch. Ich würde sagen, dass an diesem 01.07. der Jetlag endgültig und nach drei Nächten überwunden war. Und so war ich auch wieder fit zum Arbeiten. Das ist wohl das Gute an einem Mobile Office: Man nimmt es einfach mit in den Urlaub 😎

Und nun war es auch nicht mehr lange bis zu einem Highlight in eben jeden Urlaub und auch zu einem Jahr in Amerika: Der 4th of July, der wichtigste Nationalfeiertag in den USA, stand bevor. Mehr zur Stimmung am Indepenence Day und dem aufregenden Special, das wir uns für diesen ohnehin schon besonderen Tag überlegt hatten, gibt’s im nächsten Beitrag. Stay tuned!

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Mein USA Blog – Teil 2: Der Markt der Welt, Minigolfen, bare Dollars

So, liebe Reise-Fans, weiter geht’s auch schon mit dem Report: Der Sebastian geht auf große Reise. Nachdem ich im letzten Artikel, der ja gleichzeitig auch der erste war, erst einmal hier hinfliegen und ankommen musste, geht’s nun weiter ins erste Wochenende in den USA.

Immer noch so müde

Wie das wohl leider so ist, ist man immer noch ziemlich müde mit einem so dicken, fetten Zeitunterschied, selbst wenn man gute 9 Stunden geschlafen hat. So geschehen in meiner ersten Nacht in meinem wunderbaren Gästezimmer. Ich war so zwischen 5 und 6 Uhr wach und damit natürlich der erste, aber ich bin ja hier super versorgt mit Wi-Fi, einem gut gefüllten Kühlschrank und drei verschiedenen Arten von Kaffeemaschinen.

Geschenke für Oma kaufen

Natürlich soll sich meine – sagen wir Gastfamilie – in keinster Weise umstellen, so lange ich hier bin. Ich möchte miterleben, keine großen Sightseeing-Touren machen oder alle nach meiner Pfeife tanzen lassen. Oma und Opa der Kleinen hier hatten sich für heute Nachmittag angekündigt, und dafür mussten noch Geschenke organisiert werden. Also fuhren wir los, um entsprechende Erledigungen zu machen.

Mal wieder erstaunt von Sortimenten

Dazu fuhren wir ein Weilchen von Milton nach Tacoma und besuchten den selbsternannten World Market. Dort fand ich einige interessante Dinge:

Hier im World Market kauften wir übrigens auch das von mir gewünschte Vollkornbrot – Das gesunde Frühstück war also gerettet, wenn ich auch lieber Pumpernickel gehabt hätte oder wenigstens ein Vollkornbrot, bei dem man nicht schmeckt, dass es ein Ladenhüter war.

Wiedersehen nach 20 Jahren

Kurze Zeit später waren die Einkäufe gemacht und wir gingen zu einer Art Coffee-Shop, einem dieser Kaffees, in dem sich zum Beispiel in meinem ehemaligen „Kiez“ die Capucchino-Mütter gerne sehen lassen. Damit war dann auch ein Schmackofatz für Oma organisiert und es ging zurück nach Milton, wie immer begleitet von jeder Menge angewandtem Sprachtraining und interessanten Reiseinformationen all der Dinge, die man vom Auto sehen kann.

Dann halten wir meine Wunschliste bzgl. gesundes Essen (abermals bei Safeway, dem Supersupermarkt) ab und ich traf meine Gastgeber vom letzten Seattle-Aufenthalt in 1999 wieder. Das war schon sehr cool! Wie ich erfuhr, haben wir damals wohl die gesamten Vorräte an Oreos und Dr. Pepper wie Heuschrecken vernichtet  😀

Minigolf in USA

Nun aber zum Highlight des Tages: dem amerikanischen Minigolfplatz! Die Bahnen in Deutschland sind ja im Prinzip alle ziemlich gleich. Kennse einen, kennse alle. Aber hier war für mich alles neu:

  • Die Bahnen sind nicht aus Stein, sondern aus einem frisch-grünen Rasenteppich.
  • Das Betreten der Bahnen ist nicht nur erlaubt (während man hierfür in Deutschland fast schon eine saftige Vorstrafe riskiert), sondern nötig, um überhaupt weiterzukommen.
  • Total anderes Bahnen-Design als bei uns mit meterlangen Tunneln oder Wasserlauf-Schikanen.
  • Die Minigolfbälle sind sehr „bouncy“, nicht so hat wie unsere, sodass man viel weicher schlagen muss – Das hat mich wohl auch den Sieg gekostet…

Richtig fein essen gehen – oder?

Nach dem anstrengenden Sportprogramm mussten wir uns alle stärken und das Geburtstagskind hatte sich ein Diner in einem Restaurant gewünscht, auf das wir erst einmal eine Stunde warten mussten. Da fiel mir diese charmante Kreuzung auf, die für mich so typisch amerikanisch aussah:

 

…und gegenüber dieser 7 Eleven, ein günstiger Supermarkt, in dem auch ein ATM steht (also ein Geldautomat) und in dem ich somit endlich mein eigenes Bargeld abheben konnte. Meine ersten eigenen Dollars 🙂

Nachdem wir uns die Zeit in einem hübschen Park in diesem lustigen Ort namens Pullayup vertrieben hatten, gab’s dann auch endlich Happihappi:

Auch der zweite Tag war wieder voller Impressionen für mich, und das sollte in den nächsten Tagen natürlich auch noch so weitergehen. Lest demnächst: Wie zum Teufel spricht man eigentlich Sebastian aus, wo die beneidenswerten Menschen von Gig Harbour wohnen & die Aktivierung des Mobile Office. Schüssi!

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Mein USA Blog – Teil 1: Anreise, Jetlag, erste Eindrücke

Der Sebastian geht auf große Reise. Da musste ich erst über 8.000 km wegfliegen, um mal wieder an mein Blog zu denken. Aber jetzt gibt es auch wirklich und endlich mal wieder ‚was zu berichten, und zwar meine Reise nach Seattle. Die wird mehr als einen Monat andauern und einiges zu bieten haben – Aber erstmal musste ich sie antreten und hinkommen, und das hat eine ganze Weile gedauert.

Fast 20 Stunden auf Achse

Begonnen hat das Ganze in Düsseldorf, wo ich nicht nur meine Reisevorbereitungen treffen, sondern zu allem Überfluss auch noch zwei Tage vorher und bei Rekordhitze umziehen (lassen) musste. Von dort aus ging es nach Emmerich. Von da aus brachte mich meine Mutter liebenswürdigerweise am nächsten Morgen um 5 Uhr nach Amsterdam. Ich habe diesen Flughafen gewählt, weil ich unbedingt einen zeitraubenden Zwischenstopp vermeiden wollte. Gut, dass ansonsten alles so schnell ging:

  • 1 Stunde Fahrt von Düsseldorf nach Emmerich
  • 2 Stunden Fahrt nach Amsterdam
  • 3 Stunden Aufenthalt in Amsterdam – warum auch immer!?!
  • 10 Stunden Flug nach Seattle
  • 0,5 Stunden warten am Gateway
  • 1,5 Stunden Wartezeit auf die Passport-Kontrolle
  • 0,5 Stunden Fahrt von Tacoma nach Milton

Mein erster Flug seit 2006 war…

Gut, wenn man sich auf so eine Reise begibt, ist das ja alles relativ positiv aufregend, und bis wir ungefähr über Island waren, war das ja auch alles noch ganz witzig. Aber dann fiel mir auf, dass ich immer noch acht Stunden zu fliegen hatte. In der Kopflehne des Vordersitzes war ja zum Glück so eine Art Tablet mit so einer Art Streaming-Dienst. Folgende Filme habe ich gesehen:

  • Predator, das Original aus 1987 – in Englisch, Arnie ist einfach so drollig im Original.
  • The Meg – Riesenhai entdeckt die große, weite, leckere Welt.
  • Arctic – Hätte ich schlafen können, hätte mir dieses „Cast Away“ im Eis wahrlich dabei helfen können, gähn.

So müde

Doch leider musste ich feststellen, dass ich nicht im Flugzeug schlafen konnte. Nach einer nur ca. 4-stündigen Nacht in Emmerich musste ich also bis zu meiner Ankunft in Seattle durchhalten – und darüber hinaus. Als ich am Airport ankam, war ich bereits seit 15 Stunden wach – Was normalerweise so ca. mein Tagesende markiert. Aber es war ja irgendwie wieder erst Vormittag!! Die ca. zweistündige Warterei am Flughafen SEA-TAC war ja zum Glück sehr abwechslungsreich, sodass ich…nee, das war wirklich nicht hilfreich. Und während ich im Flugzeug alle 90 Minuten aufstehen musste, weil ich nicht mehr sitzen konnte, taten mir mittlerweile die Beine vom Stehen weh.

Die Schlange an der Passport-Kontrolle war mindestens 200 Leute stark (ich habe ein Foto, das ich aber wohl eigentlich nicht hätte machen dürfen, deswegen zeig ich’s hier mal lieber nicht). Das war mehr Anstehen als an der besten Achterbahn in Disneyland. Aber wie sagten die komischen Jungs aus Rumänien in der Schlange vor mir: „At least we are in America“ – yeah, right :/ …

24 Stunden wach

Nachdem mir der Police-Officer in der Passport-Kontrolle ein paar ziemlich verstörende Fragen gestellt hatte, durfte ich ENDLICH zur Gepäckausgabe, wo sich die Koffer von mindestens drei Flügen schon stapelten. Dann noch eben mit der flughafeneigenen U-Bahn eine Station gefahren und da waren sie endlich, am Ende eine Rolltreppe: drei Mitglieder meiner vierköpfigen Gastgeberfamilie! Die Freude war groß, die Müdigkeit aber auch.

Aber ich hatte beschlossen, bis mindestens 20:30 h deutscher Zeit wach zu bleiben. Das würde sicherlich helfen, den Jetlag möglichst schnell zu überwinden, das wären dann aber auch insgesamt 24 Stunden wach und es waren auch noch fast 6 Stunden bis dahin.

Och Mist, ich muss ja jetzt Englisch sprechen

Doch jetzt, frisch angekommen und die Koffer im Subaro SUV verstaut, war erstmal Englischsprechen angesagt. Meine Konzentration war jetzt freilich nicht mehr die beste, aber jetzt ging die eigentliche Denkarbeit erst so richtig los. Wie hieß nochmal das, was war nochmal die Vokabel für…? Aber mir wurde bereits im Stau auf der Rückfahrt ein tolles Vokabular attestiert. Von einer Muttersprachlerin! Alles gut.

Das erste Mal USA seit 1999

Alles Weitere war dann erstmal Impressionen aufsaugen: Im Urlaub und in manchen anderen Ländern ist es einfach so, ein anders Licht, ein anderer Geruch, eine ganz andere Atmosphäre. Ich fand es erstmal einfach nur cool, seit 20 Jahren mal wieder in Seattle zu sein. Was für’n cooler Highway, was für Riesen-Trucks, oh wow, guck mal, ein VW! Dann verließen wir den Highway und ich sah direkt so viele Unterschiede, wie zum Beispiel Ampeln, die an Kabeln und auf der anderen Seite der Kreuzungen hängen. Und ich sah die gigantische Anzahl von Fastfood-Restaurants und da wollte ich jetzt hin.

Make yourself at home

Es ging zu Taco Time (hier) und danach zu Starbucks, die im Prinzip denselben Parkplatz teilen. Erst aß ich einen Burrito und trank danach meinen geschätzt 10. Kaffee an diesem Tag, der eigentlich mittlerweile schon zwei Tage war. Das taten wir in meinem Zuhause für die nächsten knapp fünf Wochen, ein wunderschönes 7-Zimmer-Haus, in dem ich ein eigenes Gästezimmer mit Riesen-TV, Klimaanlage und natürlich einem Boxspringbett habe. Sehr cool, ich fühlte mich gleich vollkommen willkommen.

Ab in den Supermarkt: Puh, ist das alles teuer hier

Dann ging es zum Supermarkt, der wirklich ziemlich supergroß ist. Safeway, noch nie gehört, aber auch so schnell nicht mehr vergessen: Unglaubliches Sortiment. Von allem gibt es hier viel. Außer Vollkornbrot. Außerdem ist es sehr teuer. Eine Packung Walnüsse ca. 250 Gramm zum Beispiel 6$ usw. Dafür eine unfassbare Auswahl an Fertiggerichten von amerikanischen Gerichten wie Chicken Alfredo über Riesen-Sandwiches bis hin zur Theke mit eingebautem Chinarestaurant, mit allem, was man zuhause nur von KFC kennt, einem Dutzend verschiedener Salate und 20 Meter weiter rechts dasselbe nochmal mit Donuts, Torten, Pie und, und, und. Doof nur, dass ich meine Ernährung seit Februar umgestellt hatte und schon sehr fein abgenommen hatte…

Naja, aber das Thema gesundes Einkaufen, Essen und Bewegen haben wir dann in späteren Einträgen. Und verpassen solltet Ihr außerdem nicht: Minigolf in America, Kölsch aus Alaska und natürlich den 4th of July! In diesem Sinne, bis bald!

 

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Gedanken zur Digitalisierung

Viele Versuche der Definition des Begriffs Digitalisierung scheitern manchmal, weil sie nicht in die Breite gehen. Denn Digitalisierung ist nicht mit einer Erklärung, bzw. einem allein stehenden Aspekt dieses Wandels hin zum Digitalen erklärbar. Die Digitalisierung ist – soweit lässt sich das simpel und in einem Satz sagen – eine Entwicklung zu einem digitaleren Leben. Wie aber auch das Leben selbst ist dieser Wandel vielseitig und hält in viele Bereiche des Lebens Einzug, von der Arbeit über das Privatleben bis hin zu der Frage, ob es sich bei der Digitalisierung um eine plötzliche Umwälzung oder einen fast schon natürlichen Prozess handelt.

Digitalisierung elektronischer Geräte

Ein Aspekt der Digitalisierung, der eigentlich jedem auffällt, ist die Entwicklung elektronischer Geräte und ihrer Peripheriegeräte. Ein ganz einfaches und verständliches Beispiel ist der Computer. Er hat in seinen Anfängen noch ganze Räume gefüllt, ohne dabei eine herausragende Rechenleistung im heutigen Maßstab zu erzielen. Heute – so berichtet die Folklore – erbringt ein handelsüblicher Laptop mehr Leistung als die gesamte Nasa-Leitstelle bei der ersten Mondlandung.

Die Digitalisierung in unserer Hand

Hinzu kommen zahlreiche weitere Beispiele dafür, dass die Digitalisierung sich praktisch in unseren Händen abspielt: Vor allem mit dem Start von Handys und zu Beginn des Jahrtausends durch die Smartphones vollzog sich Digitalisierung sozusagen bei jedem von uns mit dem nächsten Vertragshandy. Aktuelle Telefone können, wozu man früher zehn verschiedene Einzelgeräte brauchte von Kamera über Organizer und Taschenrechner bis hin zum Internet-Browser hat die Digitalisierung alles ins Taschenformat komprimiert.

Digitalisierung im Privatleben

Damit seien auch schon zwei große, wichtige Beispiele für Digitalisierung im Privaten genannt. Doch die Geräte können nicht nur sehr viel, sie sind auch Antrieb der sozialen Netzwerke. Manchmal werden sie als Fluch, manchmal als Segen empfunden, soziale Netzwerke werden durch die Digitalisierung (nicht zuletzt auch der mobilen Endgeräte) erst ermöglicht; ebenso wie alles, was wiederum durch diese sozialen Medien möglich wird: Vom Teilen der Urlaubsfotos bis hin zur Manipulation von Präsidentschaftswahlen hat die Digitalisierung nachhaltig die Welt verändert.

Vernetzung von Geräten

Damit einher geht auf der technischen Ebene natürlich auch die Vernetzung von Elektronikgeräten. Auch hier spielen Smartphones eine Rolle, aber es geht mehr und mehr auch noch einen Schritt weiter, zum Beispiel bei den Smart Homes. Hier sind alle Geräte irgendwie smart, der Kühlschrank kann seinem Besitzer seinen aktuellen Kalorienverbrauch nennen oder auch schon mal im Hintergrund den nächsten Wocheneinkauf bestellen. Die Waschmaschine kann neues Waschmittel ordern und Smart Speaker wie zum Beispiel Amazon Echo (auch als „Alexa“ bekannt) sind sowieso allgegenwärtig, dimmen das Licht oder zählen die Minuten herunter, bis die Aufbackbrötchen fertig sind.

Digitalisierung im Job

Viele Errungenschaften der Digitalisierung sind natürlich auch im Berufsleben interessant. So verändern sich durch die Digitalisierung die Arbeitsmittel und Arbeitsplätze, aber auch die Arbeitsweise geht den Prozess der Digitalisierung mit. Traditionelle Arbeitsstrukturen sind im tertiären Sektor und vor allem im Quartärsektor nicht mehr gefragt, weswegen Ältere sich durchaus auch vor der Digitalisierung fürchten.
Letztlich ist die Digitalisierung durchaus mit der industriellen Revolution vergleichbar. Sie bringt tiefgreifende Veränderungen im gesamten Spektrum des menschlichen Lebens mit, die in ihrer Tragweite heute nicht vollkommen abzusehen sind.

Ein Text, der ursprünglich für einen Kunden gedacht war, der mir dann aber so gut gefallen hat, dass ich ihn lieber für mich behalte 🙂
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Korrekturlesen lohnt sich doch immer

Plakatives Bild mit leicht weit hergeholtem Bezug zum Beitrag – mein (c)

Hach, schön, der Text fertig, die Arbeit fertig und weg damit. Ja, so könnte es gehen in einer fehlerlosen, kinderleichten Texter-Welt. Wie singen die Fantas? „Es könnte alles, so einfach sein – isses aber nich“ Ja, und so grätscht dem Texter auch das Korrekturlesen in den wohlverdienten aber leider noch etwas zu früh eingeläuteten Feierabend. Aber wie ich immer wieder feststelle, lohnt sich das Korrekturlesen auf jeden Fall. Warum, wie lange es dauert und warum das Thema Korrekturen auch ganz schön empfindlich werden kann, hier steht’s – korrekturgelesen, selbstverständlich 😉

Guten Tag, ich bin die Wertschöpfungskette

Ja, so eine Wertschöpfungskette. Bei manchen Produkten besteht sie aus einem Netzwerk an globaler Logistik, vielen Produktionsschritten und Rohstoffen von mehreren Kontinenten. Ich als Texter bin eigentlich alles, was meine Produkte an Wertschöpfungskette brauchen. Ich bin die Wertschöpfungskette – Das wäre vielleicht eine Idee für das nächste Texter-Shirt.

Was mache ich so in meiner Funktion als Kette? Ich bekomme das Briefing vom Kunden, recherchiere inhaltlich und zu Keywords und erstelle den Text, ja und dann lese ich nochmal alles durch. Gerade im Text-Flow, wenn die Ideen nur so sprießen, will sich der Schreiber nicht mit so etwas Lästigem wie Fehlern auseinandersetzen und womöglich darüber einen wertvollen Gedanken verlieren.

Korrekturlesen – ein lästiges Muss?

Also sind Korrekturen nur lästiges aber eben leider unerlässliches Beiwerk wie die unumgängliche Werbung, wenn ich fernsehe oder ein Video online streame? Naja, man muss sich schon etwas aufraffen, um nach Fertigstellung des Texts noch einmal alles durchzulesen und nach Fehlern zu durchforsten. Jedenfalls geht das mir persönlich so. Vielleicht gibt es ja auch Texter, die gerade diesen Part an der Arbeit grandios finden – diese mögen sich bitte bei mir zwecks Kooperation melden 😀 Lästig ist es, aber vernachlässigbar leider nicht, das Korrekturlesen. Und warum?

Kunden wollen fehlerfreie Texte

Ist ja ganz klar, denn vor allem zahlende Kunden erwarten natürlich von ihrem Texter fehlerfreie Texte. Die Entwickler von Games haben es da etwas leichter: Die fangen mal mit einer Beta-Version an, wo Gamer sich schon mal angucken, wie schlimm es um den aktuellen Entwicklungsstatus eines Games bestellt ist und geben dann entsprechendes Feedback. Dann wird das Game irgendwann veröffentlicht und hat immer noch teilweise haarsträubende Fehler. Aber gut, dann wir halt nach-gepatcht. Ein Text ist natürlich viel weniger Komplex, sollte aber natürlich bei der Abgabe fehlerfrei sein, damit der Kunde ihn direkt verwenden kann. Fehler fallen sonst auf ihn zurück und der Kunde schmeißt sie dann dem Texter vor die Füße. Natürlich nicht zu Unrecht.

Korrekturlesen lohnt sich

Deshalb lieber nach dem Schreiben nochmal lesen und somit diese Negativentwicklung im Vorfeld vermeiden. Fehlerfreie Texte machen immer einen guten Eindruck beim Kunden und es lohnt sich eigentlich immer. Wie oben beschrieben, habe ich persönlich einfach manchmal keine Zeit oder Lust, während des Schreibens schon Fehler zu suchen, weil es mir eben in dem Moment wichtiger ist, den Text zu entfalten und die Ideen einzubringen. Fehler stören da wirklich den kreativen Schreibfluss. Aber ich finde doch eigentlich immer welche, wenn ich so eine Word-Seite geschrieben habe und sie mir nachträglich durchlese. Dann denke ich jedes Mal, dass der Aufwand des Korrekturlesens sich doch echt immer lohnt.

Achtung Korrekturschleifen

Ein Aufwand, den manche Kunden auch selbst leisten, indem sie die Texte auch noch einmal in Augenschein nehmen. Manche sind hier auch besonders emsig und dann hagelt es Korrekturwünsche. Passiert mir mittlerweile nicht mehr oft, weil ich im Rahmen von Vorabgesprächen und Briefings versuche, alle Wünsche und Sonderheiten schon als Aperitif vor dem textlichen Hauptgericht abzuklopfen. Aber es kann eben sein, dass man sich mit speziellen Kunden in nahezu endlosen Korrekturschleifen verliert. Davor kann ich nur warnen, wie hier auch zu lesen ist.

Und was ist mit externen Korrekturlesern?

Wieder andere Kunden holen sich aber auch noch einen externen, dritten Korrekturleser ins Boot. Lektoren sind für den Texter ja eigentlich eine Art doppelter Boden, denn schließlich könnte man ja einfach das eigene Korrekturlesen weglassen und sich auf den Lektoren verlassen. Könnte 😉

Sofern sich der Lektor rein auf unstrittige Fehler beschränkt, ist es ja auch nützlich, aber auch hier muss man aufpassen, sich nicht in endlosen Diskussionen über bestimmte Phrasen und Formulierungen zu verlieren.

Wie lange dauert Korrekturlesen?

Aber die meisten Kunden vertrauen darauf, dass sie von ihrem Texter korrekte Texte bekommen, und dieses Vertrauen will man natürlich nicht verletzen. Daher nehme ich mir nur zu gern die Zeit, meine Werke nach ihrer Erschaffung noch einmal durchzulesen und zu korrigieren. Und so viel Zeit nimmt das nun auch nicht in Anspruch, wenn man mal ehrlich ist. Für diesen Text habe ich vier Minuten korrekturgelesen und dabei auch ein paar Fehlerchen entdeckt. Das ist sicherlich ein absolut hinnehmbarer Wert im Verhältnis zu dem Preis, den ein Text mit derartiger Länge erwirtschaften würde. Vier Minuten, die sich also mehr als auszahlen, denn sie werden effektiv genutzt, um Fehler zu korrigieren und so dann die angesprochenen Negativfolgen mit dem Kunden zu vermeiden.

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