Willkommen zuhause – I love ME

ME als Kfz-Kennzeichen steht für Mettmann, aber es steht wohl auch für „mehr Einsamkeit“. Wer drauf steht, findet hier in Mettmann, im Speckgürtel Düsseldorfs, die Ruhe, die meine alte Heimat mir nie bieten konnte. Gestern war ich das erste Mal zu Fuß in der neuen Nachbarschaft unterwegs, aber nach 5 Minuten Fußweg war auch schon gar keine Nachbarschaft mehr da 😉

Warum Mettman?

Wenn man es doch schon mal geschafft hat, eine Wohnung in Düsseldorf und dann noch in Flingern und dann sogar auch noch in NORD!!! zu bekommen, wie zum Teufel kommt man dann auf die Idee, nach Mettmann zu ziehen? Ich überlasse die überteuerte Wohnung im Szeneviertel gerne jemandem, der es braucht. Mehr Einsamkeit war aber eigentlich genau das, was ich brauchte. Gleichzeitig genieße ich aber auch die Gesellschaft meines lieben Kleinen, der ja jetzt auch nicht so weit entfernt wohnt.

Verkehr von Mettmann nach Düsseldorf – Wie ist die Lage?

Es gab es bisher jede Woche regelmäßige Fahrten. Innerhalb einer halben Stunde bin ich bei unseren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen in Flingern. Auch zu den Stoßzeiten war es bisher erträglich. Nur das Zur-Schule-Bringen morgens zwischen 7 und 8 Uhr steht uns noch bevor. Lieblingsstrecke bisher ganz klar über Mettmann Zentrum und dann über das Neandertal. Da bin ich auch früher schon mal gerne rumgekurvt.

I love ME – Erste Erkundungstouren zeigen tollste Gegend

Ja, und nachdem ich vor ein paar Tagen schon die erste ausgedehnte Fahrradtour unternommen und mich einige sehr langgezogene Steigungen hier im Umfeld hochgequält habe, ging es gestern dann endlich auch mal wieder zu Fuß auf Erkundungstour. Schön war’s:

Ich bin hier aus der Siedlung keine 5 Minuten gelaufen und schon stand ich mitten auf dem Feld, „wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen“. Und frei nach guter USA-Blog-Tradition habe ich mal einige Impressionen aufgefangen 😉

Natur + dosiert Stadt bei Bedarf = passt soweit

Also man ist sowohl in ner knappen halben Stunde beim Kleinen, aber auch innerhalb weniger Minuten in einem großartigen Natur-Idyll – ich denke, nicht zuletzt auch deswegen Mettmann.

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Mein USA Blog – Teil 12: zurück in Deutschland, Jetlag und Fernweh

So, 12. und letzter regulärer Beitrag zum USA Blog…bis auf Weiteres. Denn ein nächster Besuch ist bereits in Planung. Aber zunächst einmal zum finalen – auch emotionalen – Ausklang der ersten Reise.

Rückreise-Blues mit Beinfreiheit

Ich steige mal direkt dort ein, wo ich beim 11. Beitrag aufgehört hatte: Beim Einstieg ins Flugzeug. Nachdem ich am Flughafen noch ein 9-Dollar-Sandwich gekauft hatte, ging es ohne große Verzögerungen rein in den Flieger. Ich saß am Notausgang, was mir und meinem indischen Sitznachbarn eine sehr ordentliche Beinfreiheit bescherte. Ansonsten fühlte ich mich nicht so frei, sondern schon etwas bleiern, als mir bewusst wurde, dass das Abenteuer jetzt vorbei war.

Schlechtes Wetter im Gepäck

Ja, es machte sich auf jeden Fall ein gewisser Blues in mir breit, aber die Vorfreude auf Sammy hellte meine Laune doch durchaus wieder auf. Nach 10 Stunden Flug (Filme: „Der Vorname“, „127 Hours“ und das erste Drittel der „Goonies“) und wiederum keinem Schlaf im Flieger kam ich in einem verregneten Amsterdam an. Entgegen der Hinreise gab es (für mich als EU-Bürger) keinerlei Wartezeit bei der Passport-Kontrolle. Nach kurzer Wartezeit auf den Koffer trat ich in den Ankunftsbereich und hatte dann den kleinen Mann im Arm – Das war wunderbar 🙂

Zusammen mit der etwas gestressten Oma ging’s ins Auto und dann rein in Nieselregen. Entgegen der letzten Wochen war es nicht heiß, ich hatte sozusagen Seattle-Wetter mitgebracht (obwohl ich ja wie gesagt nur einen winzigen Schauer in der eigentlich so regenreichen Stadt erlebt hatte).

Jetlag….JEEETLAAAG!

Wie auch auf dem Hinweg hatte ich geplant, dem Jetlag ein Schnippchen zu schlagen, indem ich den jetzigen, ersten Tag nach dem Flug einfach direkt komplett wachbleibe. Insgesamt sollte ich 28,5 Stunden seit dem letzten Aufwachen in Seattle wach geblieben sein – Dabei half mir die Präsentation der Fotos aus dem Urlaub:

785 Fotos und Filme habe ich auf den TV gezeigt – Die „Diashow“, wie man es früher mal nannte, dauerte insgesamt mehr als 3 Stunden. 3 Stunden, die ich sonst wohl nicht wachgeblieben wäre und wegen denen es jetzt auch schon ca. 22h Uhr gewesen war. Doch ich wurde im 2:30 h schon wieder wach. In der nächsten Nacht um 4:44 h und dann sogar wieder um 2:30! Erst in der Nacht drauf (in unserer Ferienwohnung in Eckenhagen) knallte ich gleich volle 12 Stunden Schlaf drauf – da war es dann eigentlich geschafft.

PHS – schon mal gehört?

Schon mal ein Problem weniger, aber trotz des überwundenen Schlafmangels umfing mich eine Art umgekehrtes Heimweh. Nennen wir es Fernweh oder auch Post-Holiday-Syndrom – wie man es online nachlesen kann. Sei mal dahingestellt, wie fachlich fundiert die Diagnose ist, aber dennoch fühlte ich mich irgendwie so. Der Urlaub war vorbei, aber er war doch auch so schön gewesen, hach Mensch. Aber ein Tipp, um das „PHS“ zu überwinden – so rieten die einschlägigen pseudo-wissenschaftlichen Internetseiten – ist, einfach schon mal den nächsten Urlaub zu buchen. Daher bin ich schon mitten in den Planungen für die nächste USA-Reise.

Dauerhaft bleiben? Wie geht Auswandern in die USA?

Manche Menschen begnügen sich nicht mit einem selbst fünf Wochen langen Aufenthalt in den USA, sondern wollen permanent bleiben. Wie geht das? Es gibt folgende Möglichkeiten:

  1. Der Klassiker: Eine/n US-Staatsbürger/in heiraten.
  2. Auch eine schnelle Möglichkeit: In den USA einen Job annehmen. Aber: Diese Alternative kann nur funktionieren, wenn das Unternehmen wirklich keine adäquate Alternative unter den verfügbaren US-Bürgern finden konnte – man also als Einwanderer die ultimative Besetzung für den Job ist. Hier kommen im Prinzip ohnehin nur Jobs in leitenden Positionen, für Akademiker und ähnlich hoch Qualifizierte in Frage.
  3. Die Greencard Lotterie: Auch irgendwie ein Klassiker, aber mit möglicherweise sehr langer Wartezeit. Jedes Jahr im Herbst können sich Einwanderungswillige aus aller Welt für eine Greencard bewerben, um damit Staatsbürger der USA zu werden. Ob und wann es klappt, ist allerdings nicht vorherzusagen.
  4. Bürgschaften: Wer einen Bürgen in den USA hat – das kann ein Unternehmen oder eine Privatperson sein -, kann auch Chancen auf eine Migration in die USA haben. Der Bürge muss den Migranten sozusagen mitfinanzieren, sponsern. Das Sponsoring muss auch im Falle einer möglichen Scheidung greifen oder wenn Bürge oder Immigrant die USA dauerhaft verlassen.

Schön hatten wir’s trotzdem 🙂

Aber natürlich habe ich die Zeit in den letzten zwei Wochen nicht nur genutzt, um Trübsaal zu blasen. Nein, nein, nein:

 

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Mein USA Blog – Teil 11: Letzte Tage & goodbye

Ja, alles hat ein Ende, auch fünf Wochen irgendwann mal, nach fünf Wochen eben. Und ja, sie sind heute rum, aber bevor es gleich zum Flughafen geht, lassen wir die letzten Tage noch einmal Revue passieren, denn wir waren noch einmal Downtown. Dort habe ich mein Fotoalbum mit den Wolkenkratzern vervollständigt, war aber auch viel weiter unten in der Stadt. Und als Kontrastprogramm gab’s gestern noch einmal volle Power Natur hier im schönen Washington.

Goin‘ Downtown again

Schon  im 10. Beitrag ging es ja nach Downtown Seattle – einmal dann doch Tourist sein. Doch Nicole war nicht zufrieden mit dem, was wir an diesem Tag bereits gesehen hatten. Deswegen „parkten“ wir die Kinder bei zwei Schulfreunden und machten uns alleine auf den Weg, um mehr zu entdecken.

Der schwarze Turm

Den Beginn machte natürlich ein Zwischenstopp bei Starbucks – Ohne ein Käffchen fahren wir nirgendwo hin. Dann ging es wieder mitten rein und zwischen die Hochhäuser. Rein ins Parkhaus, raus aus dem Parkhaus und die Sammlung von Hochhausbildern vervollständigen – dies mal war auch der ganz große schwarze Turm dabei:

Seattle Downtown eine Etage tiefer

Dann ging’s von den Hochhäusern runter in den Keller. Die Seattle Underground Tour ist eine Reise, die tief in die Katakomben und die frühe Geschichte der Stadt geht. Anders als ich dachte, geht’s aber bei Underground nicht um U-Bahnen, sondern tatsächlich um den Untergrund. So gingen wir mit einer großen Gruppe auf das Level der Straßen im 19. Jahrhundert – und das liegt ca. 4 Meter unter der heutigen Stadt. In 90 Minuten sind wir kreuz und quer unter dem Pioneer Square herumgewandert und haben in einer sehr witzigen Führung viel über die Gründerväter der Stadt, eines der „hässlichsten Parkhäuser der Welt“ und die großen Probleme mit großen Geschäften in der Stadt erfahren.

Einfach nur coole Aussicht

Danach ging’s einmal durch Downtown durch in Richtung Public Market Center, einem der größten Anziehungspunkte für Seattle-Besucher, wie man auch unschwer erkennen konnte:

Auf Richtung Berg und zum Northwest Trek

Apropos Mount Rainier: Nach diesem neuerlichen städtischen Erlebnis am Montag ging es gestern deutlich näher an den Berg ran, als wir in den Naturpark Northwest Trek fuhren. Das müsst Ihr Euch wie einen riesigen Zoo mit Nationalforest vorstellen. Viel Flora und Fauna, typisch Northwest, typisch Washington:

Würdiger und leckerer Abschluss

Am Abend nach dem großartigen Naturschauspiel ging es dann gestern Abend noch mit der gesamten Family zum Abschiedessen. Wir fuhren nach Tacoma Old Town, an die Commencement Bay, wo wir das beste Happihappi des gesamten Trips hatten, im C.I. Shenanigans. Sehr schickes Interieur, Live-Jazz-Band und ein sagenhafter Ausblick über die Bucht. Dazu das wie gesagt tolle Happi-Happi:

Ja, und dann – nach den hervorragenden Speisen (alle haben alle alles probieren lassen) ging’s nach dem Abschiedsessen wieder nach Hause, mein Zuhause in den letzten fünf Wochen, das sich auch wie eines angefühlt hat. Es wurden bereits diverse Geschenke ausgetauscht und gegenseitige Einladungen für die nächsten Besuche ausgesprochen. Und jetzt ist es langsam Zeit, sich zu verabschieden.

Den ersten Abschied hatten wir dann kurz vor dem Schlafen gehen, Brandon musste heute Morgen früh zur Arbeit. In ca. 3,5 Stunden fahren wir dann zum Flughafen, dann heißt es auch Abschied nehmen von den Kiddies und Nicole – Es wird sicher kein allzu leichter Abschied, aber auch keiner für lange Zeit, darin sind wir uns alle einig.

Mir ist es jetzt noch zu früh für eine komplette Restrospektive. Die ganzen Eindrücke der letzten Wochen müssen sich erstmal setzen – vielleicht wenn ich mich 10 Stunden im Flugzeug setze. Wenn ich nochmal zurückdenke, an das Baseballspiel, den 4th of July, Montana, Yellowstone, das Stinktier, Lopez Island, Downtown und die vielen kleinen Highlights dazwischen – Da ist schon einiges, was sich an Eindrücken setzen wird. Und dann setze ich mich nochmal hin und mache das Dutzend hier voll.

Ich habe jetzt noch eine Ladung Wäsche zu trocknen, packe jetzt alles schon mal soweit ein und in ca. 3 Stunden geht’s dann zurück nach Deutschland.

Ich freue mich sehr auf Sammy  🙂

 

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Mein USA Blog – Special: Drohnenfotos von Lopez Island

Ihr dachtet, meine Handy-Fotos waren schon atemberaubend? Nee, ich ja auch nicht wirklich immer, aber ich habe mir Mühe gegeben. Geld ausgeben geht aber auch, und das hat Brandon irgendwann scheinbar mal gemacht, denn er hat (wie ich schon in Teil 4 angeschnitten hatte) eine Drohne. Mit der kann er nicht nur Leute irritieren oder andere Daddys neidisch machen, sondern auch 1a-Bilder damit machen. So geschehen zum Beispiel auch während unseres Trips nach Lopez Island. Doch was lamentiere ich hier ‚rum? Seht einfach selbst diese wunderschönen Bilder:

Habt Ihr hier ein Lieblingsfoto? Ich auf jeden Fall!

Insgesamt hab ich 170 Drohnenfotos von Brandon bekommen. Mehr gibt’s dann demnächst zu Hause 😉

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Mein USA Blog – Teil 10: Downtown

Hallo Deutschland! Bei Euch ist es gleich 0:00 Uhr, Ihr habt immer noch 25 Grad, das hatten wir hier tagsüber  😈 Schönes Wetter auf jeden Fall, um mal nach Downtown zu fahren. Was es da so zu sehen gab, welche gastronomische Überraschung ich dort erlebte und wie teuer hier eine Strafe für zu langes Parken ist, lest Ihr (fast alles) hier und jetzt!

Schon die Luft raus?

Irgendwie ist es hier im Blog ja auch zu spüren: Montana und Lopez Island waren auf jeden Fall zwei fette Highlights in meinem Trip. Da hab ich mich schon gefragt, ob jetzt schon die Luft raus ist, ob ich noch ‚was machen und sehen möchte. Und Nicole fragte mich das am Montagabend auch. Spontan hatte ich noch folgende Ideen, zumindest, was weitere Trips angeht:

  • Vancouver
  • Portland
  • Downtown

Sieh mal die hohen Häuser

Als musikalische Begleitung zum Lesen ;)

Jedenfalls war es beschlossene Sache, übermorgen, bzw. gestern würden wir nach Downtown fahren / gefahren sein. Auf der Liste der Orte, die man sich noch in einem Trip anschauen könnte, ist Downtown Seattle auf jeden Fall der nächstgelegene, sodass nach gut 20 Minuten schon die Skyscrapers auftauchten, die mich schon auf dem Weg zum Baseball so begeistert hatten:

Wiedersehen nach 20 Jahren: Space Needle

Was ein Moloch 😀 Und dann, als wir tief im Großstadtdschungel drin waren, also wirklich mitten drin, im Seattle Center, suchten wir uns einen Parkplatz direkt unter der Sehenswürdigkeit Seattles: Und dann stand ich direkt neben dem Space Needle:

Natürlich wollte ich auch rauf auf den Needle, aber Nicole hat Höhenangst und die Kinder fanden’s langweilig und…nein, ehrlich gesagt habe ich auch Höhenangst und mit war auch schon der Düsseldorfer Fernsehturm zu viel 😉

Lass heute halt mal Touristen sein

Wie eine Touri-Familie taperten wir als erstes mal vom Parkplatz zum Spielplatz rüber, der direkt am Fuße des Space Needles gelegen und vollkommen überlaufen von Summer-Camp-Kindern war. Hier war tierisch was los und die Kiddies konnten sich erstmal etwas austoben. Danach gab’s was für die Erwachsenen: Kaffee bei Starbucks und dann rein in eine weitere Attraktion, die auch nur eine Minute Fußweg entfernt war:

Da ist sie also, die Seattle Monorail, hier gibt’s mehr Info, und nach einer nur zweiminüten Fahrt durch Downtown, die ich easy komplett mit dem Handy filmen konnte, waren wir direkt zwischen den Hochhäusern:

Auf in die Cheese Cake Factory

Kenner der Serie The Big Bang Theory werden sie kennen: Die Cheese Cake Factory, die es hier in Downtown auch gibt und die wir uns freilich nicht entgehen lassen wollten:

Strafzettel fürs Parken in München? Köln? Hamburg? Hahahaha, süß!

Anschließend waren wir auf dem Rückweg noch in einem entzückenden kleinen Shop namens Fuego, wo Nicole sich sehr begeistert über zwei Dinge zeigte. Die habe ich dann unter tatkräftiger Mitwirkung der beiden Verkäufer/innen heimlich, sozusagen um Nicole herum gekauft und die bekommt sie dann demnächst als Abschiedsgeschenk – Vielleicht komme ich ja dazu, die hier noch zu zeigen.
Jetzt ging’s mit der Monorail zurück zum Seattle Center. Unglücklicherweise hatte Nicole nur 3 Stunden Parkzeit einkalkuliert. Wir waren eine Stunde zu spät und das kostet hier in Seattle Downtown richtig viel Geld! Möchte jemand raten?

Live like the mountain is out

Was auch mit nur wenigen deutschen Städten vergleichbar ist, ist der Verkehr zur Feierabend-Rushour. Als wir die knapp 4 Meilen durch die City nach einer Stunde hinter uns hatten, ging es auf den schön freien Freeway. Und dort zeigte sich dann die heimliche Hauptsehenswürdigkeit Seattles und der ganzen Region in seiner ganzen Pracht:

Der Mount Rainier, einer der vielen großen, bekannten Berge hier in Washington und übrigens ein Vulkan. Letzter Ausbruch dieser Kette in der Gegend war Mount St. Helens 1980. Und der, vor dem hier alle wirklich Angst haben, ist die Super-Caldera in dem Ort, wo ich auch neulich schon mal war: Yellowstone Nationalpark, ein so genannter Global Killer.
Aber machen wir uns darüber jetzt mal keine Sorgen, sondern leben frei nach dem Motto, das nach diesem Anblick benannt wurde: Wenn Ihr vielleicht etwas ranzoomt, könnt Ihr den Mount Rainier sehen. Ein erhebendes Gefühl, und die Leute hier haben ein Sprichwort, das besagt, „Live like the mountain is out„. Das sagt man, weil man hier schlechtwettergeplagt ist und man eben gute Laune hat, wenn es mal keine Wolken gibt, sondern Sonne, eben ein Wetter, bei dem man den hier heißgeliebten Berg sehen kann.

Eben so’n Wetter wie bei Euch in Deutschland, nur nicht ganz so ätzend heiß 😉

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Mein USA Blog – Teil 9: Reif für die Insel

Das war die Aussicht von meinem Lieblingsplatz in den vergangenen drei Tagen:

Ist es nicht wunderbar? Ich finde ja, und ich denke, dass ich Recht habe 😀 Das Wetter war großartig, ich hatte eine tolle Aussicht, Strom und WLAN im Zelt (!), tolle Leute um mich herum und einfach nur gute Laune. Hier lässt es sich aushalten und ich werde wiederkommen. Doch von Anfang an…

Wo die Städter gerne Urlaub machen (würden)

Am vergangenen Freitag, dem 19.07., kamen wir nach einer zweieinhalbstündigen – und recht staulastigen – Fahrt hier an in, oder besser gesagt auf Lopez Island. Mit der Fähre ging es über den Sound und dann rein in die Insel-Idylle:

Und hier noch eine Karte zur Übersicht:

…anhand der blau gestrichelten Linien lassen sich die Fährenrouten zu den Inseln und auch zwischen den Inseln nachvollziehen.

Justin, der kochende Steinmetz

Nicoles Bruder Justin wohnt hier mit seiner Freundin in der wunderbaren Inselidylle. Wie Justin noch wusste, hatten wir uns bei seinen Eltern 1998 einmal für ein paar Minuten gesehen. Davon wusste ich zwar nichts mehr, aber es war großartig, ihn zu sehen und wir waren irgendwie sofort auf einer Wellenlänge. Justin ist ein echter Naturbursche, arbeitet hier als Steinmetz auf der Insel, ist gelernter Koch und hat als solcher mehrere Jahre im Piemont gearbeitet.
Natürlich kochte er für uns dann auch am ersten Abend (sowie auch an allen anderen Abenden). Der Sockeye-Lachs kam direkt hier aus der Nachbarschaft und wurde vor unseren Augen über unserem Lagerfeuer gegrillt:

Ich hatte mich im Vorfeld dafür entschieden, nicht mit der Family in Justins kleinem Waldhäuschen zu nächtigen (Kinder werden einfach gerne mal sehr früh wach 😉 ), sondern ich schlief – wie auch die eigentlichen Hausherren – außerhalb des Hauses. Und das war nicht nur wegen des Ausschlafens und der Privatsphäre eine sehr gute Idee, sondern auch, weil Nicole und Justin mir mein Zelt ganz wunderbar hergerichtet hatten!

Das war wahrlich ein toller Empfang, noch nie habe ich ein so hingebungsvoll errichtetes und auch eingerichtetes Zelt gesehen, da fühlt man sich doch sofort mega-willkommen. Nach dem Essen im Haus gab es dann noch jede Menge Lagerfeuerromantik mit Geschichten von früher und heute.

Life’s a beach

Und am nächsten Morgen fand ich recht schnell meinen Lieblingsplatz, auf Justins Veranda, links, im Schatten und mit einer schönen Aussicht auf den Sound (zwischen den Bäumen). Dort gab’s den ersten Kaffee des Morgens, doch auch sonst konnte sich Justins Wohnort mehr als sehen lassen:

Natur pur , mitten drin, statt nur dabei und sowieso

Und ob man’s glaubt oder nicht: Nach dem Frühstück gab es sogar noch mehr zu sehen, und zwar den Odlin County Park inklusive Strand. Doch hier in Pacific North West ist es vollkommen normal, dass man nicht nur naturnah wohnt, sondern dass man die Natur auch nutzt. Insofern war das hier an unserem ersten kompletten Tag auf Lopez Island kein bräsiger Strandbesuch – Wir gingen Krabben fischen!

Eigentlich wartet man dann auch wenigstens eine Nacht, aber am Ende des Strandbesuchs fuhr Justin doch nochmal kurz mit dem Bott raus, um die Fallen zu checken und siehe da:

…wir hatten bereits innerhalb von zwei Stunden fünf Krabben gefangen. Sie müssen übrigens mindestens 6 Zoll breit und männlich sein, sonst darf man sie nicht gefangen halten.

„Farting Horse Farm“

Kulinarisch erwartete uns also ein echtes Highlight, doch es ging noch weiter: Nachdem wir – alle ganz gut von der Sonne angebraten – zurück beim Haus waren, fuhren Justin, Owen (Nicols Sohn) und ich zum Nachbarn, um Gemüse zu kaufen. Bei diesem Nachbarn handelte es sich aber nicht um ein normales Nachbarhaus, sondern um eine Ranch. Hier besorgten wir haufenweise super-frisches Gemüse, Lammrippchen und Truthahnfleisch – Ein echter Koch weiß eben, wo es die guten Sachen gibt:

Nach vielem, was ich bisher auf meinem USA-Trip gesehen und gegessen habe, war das wirklich eine Überraschung. Alles richtig frisch, selbst geerntet und gefangen, und dann auch noch alles zubereitet von einem gelernten Koch. Super!
Als wir dann zurückfuhren, wurden gerade die Pferde auf die Weide geführt. Das eine war darüber so erbost, dass es lauthals wiehernd neben unserem Auto herlief, um dann laut furzend davon zu galoppieren. Das sorgte bei allen drei Fahrzeuginsassen für große Erheiterung 🙂 Aufgrund dieses erquickenden Erlebnisses beschlossen wir am späten Abend, dass wir Tshirts mit der Aufschrift „Farting Horse Farm Lopez Island“ gestalten lassen werden. Es geht doch nichts über schöne Souvenirs!

Vorbestellungen können direkt bei mir vorgenommen werden 😉

Das wurde dann übrigens aus dem frischen Fleisch und unserem Tagesfang, yummi:

Wild am Morgen, Schalentiere am Abend

Nach der zweiten Nacht in meinem beleuchteten und voll digitalisierten Zelt begrüßte mich am Morgen, beim ersten Blick hinaus ein Reh, das gerade unbemerkt über unsere Lichtung huschen wollte:

Nach einem zünftigen Frühstück (nein, wir haben nicht das Reh geschlachtet) ging es auch heute wieder zum Strand, Spencer Spit, um genau zu sein. Dort konnten die Kiddies im Sand spielen und ich auf Erkundungstour gehen:

Nachdem wir uns auch hier wieder alle gut hatten anbraten lassen, ließen wir im einzigen Dorf der Insel Essen für uns anbraten. Im Gegensatz zu Dave’s of Milton hatte ich hier jetzt gute Fish ’n‘ Chips. Anschließend gab’s für alle ein Eis und es ging noch einmal kurz an einen weiteren Strand.
Und als wir dann schließlich wieder daheim bei Justin waren, nahm ich eine schöne eiskalte Dusche und war bereit für einen lauschigen, ruhigen Lagerfeuerabend. Justin aber noch nicht. Er Justin meinte, wir müssten ja noch die Krabben aus dem Sound holen. Also ging’s um 18:30h nochmal in den rüstigen, alten Dieseltruck und auf zum Odlin County Park, wo ja die Fallen noch auf dem Meeresgrund lagen.

Krabben fischen ist echt harte Arbeit

Ich hatte es angefangen, ich wollte es auch zuende bringen. Justin freute sich „nen Ast“, dass jemand mit ihm rausfuhr und so richtig bei der Sache war. Also ruderten wir die 100 Meter aufs Meer hinaus und packten uns die erste Boje. Ich „durfte“ das Seil aus dem Wasser ziehen (es war sehr anstrengend), während Justin es hinter mir im Boot aufrollte. Am Ende des Seils kam der sicherlich 25 Kilogramm schwere Käfig, den ich tags zuvor noch so leicht über Bord geworfen hatte. Den mussten wir jetzt ins kleine Boot ziehen und dabei möglichst nicht ins Wasser fallen – hat geklappt! Zum Glück war das der große, schwere Käfig, sodass wir nun nur noch den kleineren vor uns hatten. Der war umso leichter, da hier nur eine, sehr kleine Krabbe drinsaß – die durfte aufgrund ihrer Jugend wieder zurück ins Wasserchen. Insgesamt hatten wir wieder fünf Krabben gefangen. Eine magere Ausbeute eigentlich, doch ich fand das Fischen sehr cool und es war ein perfekter Abschluss für das lange Wochenende, am letzten Abend noch einmal in der Abendsonne rauszufahren und Krabben zu fischen.

Und wieder heißt es: Zurück in der Zivilisation

Ein ereignisreicher Tag endete abermals am Lagerfeuer, in das man entweder andächtig hineinstarrt oder an dem man sich über die guten alten Zeiten unterhält. Zu denen zählt mittlerweile auch unser wunderbarer Inseltrip nach Lopez Island. Wir sind mittlerweile wieder zurück in Milton. Ich genieße mein großzügiges Boxspringbett, auf dem ich gerade schreibe, die Klimaanlage, die mein Zimmer kühlt, aber Rehe am Morgen und Krabben am Abend waren doch auch toll – auf jeden Fall eine weitere wunderbare Etappe meiner Reise, die ich nicht vergessen werde 🙂

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Mein USA Blog – Teil 8: Goodbye Montana

Mit der aufregenden Rückfahrt vom Yellowstone endete zwar der Trip im Trip, aber Montana war noch nicht vorbei. Es gab noch einiges zu sehen und es gab ja noch die Rückfahrt von „Big Sky“ zurück in den Evergreenstate. Der kürzestes Fluss der Welt, eine Bar mit Meerjungfrauen und das widerlichste Motel, das ich je gesehen habe jetzt kommt’s.

Naturphänomene und einfach nur Menschen

Da wir ja unsere turbulente Rückreise vom Yellowstone Park schon Samstagnacht erledigt hatten, gab es noch einen ganzen Sonntag Zeit für ein paar kleine Erledigungen und auch einen kleinen Fluss! Ramon hatte sich viele Gedanken gemacht, was er mir so zeigen könnte und worüber auch Sammy sich freuen könnte und da fiel ihm ein Weltrekord ein, den Great Falls nämlich innehat: Hier fließt der kürzeste Fluss der Welt!

Der kürzeste Fluss der Welt…mündet in den längsten Fluss der USA

Der kürzeste Fluss der Welt, yeah, und ich stehe direkt daneben. Nicht nur das: Wir badeten auch unsere Füße darin, die aufgrund der Nähe zur Quelle innerhalb weniger Sekunden taub wurden. Also nix wie raus und noch einen Spaziergang durch den State Park gemacht, in dem kleine Mädchen mit Schlangen in der Hand herumliefen. Sachen gibt’s. Doch es kam noch besser, denn es zog ein Sturm auf:

…der später auch Sand mitführte. Ein echter Sandsturm fegte in die Stadt – es gibt ja in der Umgebung keinerlei Flora, die den Sand abfangen könnte – und…Naja, Fotos gibt’s von dem Sand leider nicht (obwohl Ramon mich dazu bringen wollte, welche zu machen). Ich war froh, dass wir im Auto heldenhaft vor dem Sandsturm flüchteten, und zwar in Richtung Walmart, einen dieser Super-Supermärkte. Aber nicht irgendeiner, sondern einer, der für sein zweifelhaftes Publikum berüchtigt ist, selbst unter den Einheimischen.

Es lebe der Sport

Nachdem wir tatsächlich einigen merkwürdigen Gestalten schon auf dem Weg zum Walmart über den Weg liefen, bzw. fuhren, lud Ramon mich in sein Fitnesscenter ein. Das war wirklich ein sehr eindrucksvolles, großes und äußerst vielseitiges Fitness-Center mit Basketball- und Schwimmhalle, Saunen und Handtuchservice. Von alle dem nutzte ich aber nichts, sondern tobte mich 90 Minuten auf dem Fahrrad und dem Crosstrainer aus. Das war sehr wohltuend nach all dem Sitzen im Auto zuletzt.

Klimakrank im Super 8?

Anschließend ging es für mich ins Super 8 Motel. Ich musste Ramons Trailer nach vier Übernachtungen verlassen, da ich für die Arbeit eine stetige Wifi-Verbindung brauchte, wie sie ja in allen Motels geboten werden. Das war aber auch der einzige Vorteil, für den ich Ramons begeisternde Gastfreundschaft eintauschte, denn im Motel 8 erwartete mich die Klimaanlagen-Seuche. Mein Zimmer lag nämlich in unmittelbarer Nähe zum großen Klimaautomaten auf dem Parkplatz des Motels. Da ich aber erst gegen 22 h vom Fitnesscenter „nach Hause“ kam, war da nicht mehr viel zu machen. Um die große Außenklimaanlage zu übertönen und auch weil es im Zimmer recht warm war, schaltete ich meine an…aber über die ganze Nacht…

Meine erste Bar mit Meerjungfrauen

…ich bin halt nicht so motel- und klimaanlagenerfahren, aber zunächst mal zeigten sich auch keinerlei Folgen meiner kühlen Nacht. Geweckt von den knallenden Türen der Nachbarzimmer und dem Gerumpel der Reinigungskräfte ging ich zur Rezeption und besorgte mir ein anderes Zimmer. Dann ging es an die Arbeit, für den Abend war ich mit Ramon verabredet, der noch arbeiten war. An dem geräumigen Schreibtisch konnte ich einen meiner Kunden glücklich machen, Rechnungen verschicken und die vorangegangenen beiden Blogbeiträge verfassen und ein köstliches Menü zu mir nehmen:

Hotpocket, Macaroni salad und Dr. Pepper 🙂

Und so langsam kamen Kopfschmerzen (vielleicht auch ein wenig von dem Nudelsalat). Die hielten auch an, sodass ich mich so langsam fragte, was los sein könnte. Als mir die Nacht mit dem Klimawind in den Sinn kam, hatte ich zusätzlich bereits leicht die Nase zu und etwas Übelkeit. Ich war schon kurz davor, unseren letzten gemeinsamen Abend in Great Falls zu canceln, aber auf Ramon war wie immer Verlass: Zwei Ibuprofen in seinem Trailer später ging es wieder bergauf mit mir und wir waren auf dem Weg nach „Downtown“. Dort erlebte ich eine Überraschung: Meine erste Bar mit Meerjungfrau:

Abschied und Rückfahrt

Am nächsten Morgen hieß es ein letztes Mal für uns breakfast at Denny’s:

Immerhin habe ich nur die untere Hälfte gegessen 😉 Aber Ramon hat einen Pancake von mir übernommen – Ein Erlebnis, ihm beim Baden dieser Dinger in Syrup zuzusehen 🙂

…und dann hieß es Abschied nehmen von Ramon und Great Falls. An dieser Stelle noch einmal vielen, vielen Dank an Ramon für seine aufmerksame und fürsorgliche Gastfreundschaft. Ich habe mich sehr willkommen gefühlt – auch bei Deinen Eltern (danke nochmal an die Mama fürs Wäschewaschen, -Trocknen UND -Falten!) und ich komme gern in einem der nächsten Sommer wieder!

Das schlechteste Motel der Welt (?)

Klar, dass es nach so viel Komfort und Gastfreundschaft eigentlich nur noch bergab gehen konnte…
Es ging wieder zurück. Wie auch auf dem Hinweg war die Fahrt in zwei Etappen aufgeteilt, einer Etappe am 17., von Great Falls nach Wallace, Idaho (ca. 4 1/2 Stunden Fahrt für ungefähr 285 Meilen) und der zweiten Etappe am 18.07. von Wallace nach Milton (5 3/4 Stunden für 366 Meilen). Auf Wallace hatte ich ja schon auf dem Hinweg ein Auge geworfen, aber ich wählte online ein anderes Motel als geplant, was ein großer Fehler war:

  • Auch hier war mein Nachbar eine gigantische Klimaanlage.
  • Die Fenster waren mit Panzertape repariert worden.
  • Alles war sehr schmutzig und miefig.
  • Das ganze Motel hätte vor mindestens 20 Jahren dringend renoviert werden müssen. Jetzt ist einfach nur noch abrissreif.
  • Die Rezeption stank nach Hund und was aus dem so rauskommt.

(Fotos veröffentliche ich hier mal nicht, fragt aber gerne nach, wenn Ihr diesen Horror mal gezeigt haben wollt. Ich habe das Grauen dokumentiert ;))

Shabby-Schick ist gut – Gammel aber nicht

Natürlich wollte ich auch hier ein anderes Zimmer, und ich hatte den Eindruck, dass ich mich nicht allzu beliebt mit meinem Wunsch nach einer ruhigen Nacht machte. Naja, trotzdem ging ich im Motelrestaurant etwas essen und versuchte danach, so schnell wie möglich einzuschlafen. Um 6h wurde ich wach und machte mich sofort bereit zur Abfahrt – schnell raus hier.

Klar, auf dem Hinweg war es dieser Shabby-Charme, den ich wollte und dieser Roadtrip-Mief, den ich gut fand. Aber dieses Motel war mindestens eine Nummer drüber – uiuiui. Naja, man muss auch wissen was nicht will im Leben 😉

Noch mehr zum Gucken

Und weil’s auch auf dem Rückweg mal wieder so viel zu gucken gab, hier noch einige Impressionen von Orten, die ich jetzt sozusagen auf der anderen Straßenseite fotografieren konnte:

Noch ein paar Fakten zur Fahrt:

  • Insgesamt mehr als 2100 Meilen gefahren
  • Teuerste Tankstelle: gestern, Rückfahrt, East Summit, Washington: 3,89 $ pro Gallone
  • Günstigste Tankstelle: auch gestern, Coeur D’Alene, Idaho: 2,56 $ pro Gallone (zur Erinnerung: Eine Gallone sind fast 3,79 Liter…Benzin!)
  • Kein einziger Stau!
  • 7 Mal vollgetankt
  • 4 Staaten
  • Kein Tier überfahren, auch wenn manche von ihnen es wirklich versucht haben 😀
  • Ca. 50 Pinkelpausen

Insgesamt ist es recht angenehm, hier rumzufahren, ähnlich wie in Holland. Es ist einfach so: Wo man nur langsam fahren darf, gibt’s auch kein Drängeln oder Nötigen. Hier gibt es offenkundig aber keine Regeln bezüglich der Spuren, wo man fährt, bzw. wo man überholen darf. Alles etwas durcheinander. Super sind die Schilder an den Ausfahrten, auf denen man immer die Restaurants, Tankstellen oder auch Übernachtungsmöglichkeiten zu sehen bekommt.

Trumpeteers sind sichtbar…

Dann noch ein Wort zu dem Thema, was nicht nur bei uns, sondern auch hierzulande viele umtreibt. Die Regierung ist hier ein Thema, das die Leute spaltet. Nun war ich ja bis zu 850 Meilen im Landesinneren, und ich habe schon hier und da offenkundige Ressentiments gegenüber Einwanderern gesehen. Sowohl auf Tshirts als auch auf Autos lesen sich Statements wie „Sorry, we’re full“ (geschrieben in USA-Umriss) oder man findet einfach nur Flaggen an Häusern à la „Trump 2020“. Die Botschaften sind eine Spur weniger radikal als die der ganz Rechten in Deutschland, aber sie werden wesentlich offener und weiter verbreitet kundgetan. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Menschen, die auf ähnliche Weise verdeutlichen, dass sie die Regierung klar ablehnen.

…Umweltschutz dagegen nicht

Angelehnt daran das Thema Umweltschutz: Ich kann nicht sehen, dass dieser hier stattfindet. Alle fahren Auto, viele Autos davon sind riesig. Als Fußgänger wirst Du hier angesehen wie ein Außerirdischer. Trucks und SUVs überall. Kleine Autos mit kleinem Verbrauch: Fehlanzeige. Autos werden immer angelassen ob man an der Ampel wartet, mal eben ‚was aus dem Haus holt oder auch 10 Minuten am Schalter des Fastfood-Restaurants aufs Essen wartet. Das Auto läuft, damit die Klimaanlage anbleibt. Apropos: Klimaanlagen sind überall, laufen auf vollen Touren, dagegen gibt es keine Mülltrennung, Flaschen- und Dosenpfand nur in einer Handvoll Staaten.
Da erwischt man sich manchmal bei dem Gedanken, wofür wir den ganzen Scheiß eigentlich machen.
Die Fridays for Future Bewegung ist hier weitestgehend unbekannt! In Zeiten von Social Media schwer nachzuvollziehen – muss was mit Verdrängung zu tun haben oder so…

So viel Kritik muss bei aller Begeisterung über die USA-Reise auch mal sein.

Zurück in der Zivilisation

Bei meiner Ankunft gestern im Großraum Seattle merkte man schon, dass das hier ein Unterschied ist zu allem, was ich unterwegs gesehen hatte. Die dünne Besiedlung Montanas (knapp eine Million Einwohner auf einer Fläche, fast so groß wie Deutschland) fällt schon auf. So war ich letztlich auch froh, wieder hier zu sein – Hier ist es auch wirklich wunderbar. Aber: Jetzt gleich (19.07.) geht’s schon wieder weiter, und zwar für 3 Tage nach Lopez Island. Davon dann beim nächsten Mal mehr 🙂

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Mein USA Blog – Teil 7: Yellowstone Nationalpark

Was macht man, wenn man gerade 10 Stunden und über 1.000 Kilometer von Bellevue nach Great Falls gefahren ist? Klar, man setzt sich zwei Tage später direkt wieder ins Auto und fährt weiter.
Ja, es sollte bald schon weitergehen, denn Ramon und ich hatten den Plan gefasst, zum Yellowstone Nationalpark zu fahren, und diesen Plan setzten wir am 13.07. in die Tat um. Es sollte ein sehr, sehr schöner und langer Tag werden…

On the road again

Da Ramons Auto ca. 20 Liter pro 100 km verbraucht, fiel uns die Wahl nicht schwer, mein edles Ross musste mal wieder ran. Gut, die 1450 Meilengrenze meines Mietwagens hätten wir damit irgendwo zwischen Great Falls und Seattle geknackt, aber die 17 Cent pro Extra-Meile sind immer noch günstiger als…naja, 20 Liter. Genug der Rechenbeispiele, das war die neue Route:

Wir wählten den Westeingang, den wir – alle Zwischenstopps eingerechnet – nach ca. fünf Stunden erreichten. Kurz vor dem eigentlichen Eingang erreicht man ein kleines Wildwest-Dorf mit ein paar Kneipen und Hotels, Tankstellen und natürlich einem McDonald’s – Das darf selbst hier natürlich nicht fehlen. Nach einer Linksabbiegung erreichten wir den recht unspektakulären Eingang – doch Halt, vorher noch ein Foto:

Nachdem ich ca. 8 Teilnehmer der chinesischen Reisegruppe abgewartet hatte, drängelte ich mich dann doch mal dazwischen 😀

Wir fuhren die restlichen 100 Meter vom Schild bis zum Eintrittsschalter, wo wir bei einer gut gelaunten Dame mit Mountie-Hut 35 $ Eintritt für 2 Personen und für 7 Tage bezahlten. Spitzenpreis, doch wir brauchten gar keine sieben Tage…

Viermal so groß wie das Saarland

Und dann ging’s auch direkt rein in den Yellowstone, den bekanntesten Nationalpark in den USA neben dem Yosemite Park in Kalifornien. Übrigens: Mit dem Eintritt in den Park erreichte ich mit Wyoming meinen mittlerweile vierten US-Bundesstaat nach Washington, Idaho und Montana.
Der Yellowstone ist mit einer Fläche von knapp 9.000 Quadratkilometern fast so groß wie der Kosovo oder – wenn Ihr so wollt – fast viermal so groß wie das Saarland! Da ist dann auch nix mit zu Fuß oder mit der Bimmelbahn. Nix, die Amis haben hier einen schönen Highway durch den Park gebaut. Aber sonst braucht man auch wirklich die sieben Tage, um die Sehenswürdigkeiten zu sehen.

Hier stinkt’s nach Eiern

Und die findet man auf der Karte des Parks, bzw. immer entlang der kleinen Autobahn, die in Form einer riesigen 8 durch den Park verläuft.

Yellowstone National Park Map.png
 Von Unbekannt - National Park Service, Gemeinfrei, Link

Wo Sehenswürdigkeiten sind, kann man einfach vom Highway abfahren, ähnlich wie an den Rastplätzen an unseren Autobahnen in Deutschland. So geschehen, als wir zwischen den Bäumen etwas dampfen sahen. Der erste Geysir war entdeckt und wir nutzten die Gelegenheit für ein paar erste Impressionen:

Wieder mal spielte das Wetter mit, wieder mal tolles Licht, doch diesmal war der Geruch nicht so toll wie sonst. Aber klar, hier ist Schwefel im Spiel, deswegen stinkt es im Umfeld dieser heißen Quellen gerne mal nach Eiern. Aber nicht unbedingt nach faulen, sondern eher ganz genau so, wie wenn man Eier kocht und dann an dem Dampf riecht.

Old Faithful – very eindrucksful

Doch mit diesem kleinen Geysir wollten wir uns freilich nicht zufrieden geben, denn hier im Yellowstone gibt es ja auch noch einen größeren, den Geysir, den Old Faithful. Er bricht ca. alle 90 Minuten aus und wie es der Zufall wollte, kamen wir glücklicherweise 10 Minuten vorher an diesem süd-westlichen Punkt der Park-Route an und parkten auf einem Parkplatz, der ungefähr die Größe hat wie der vom Phantasialand in Brühl – nur mal, um die Dimensionen hier zu verdeutlichen.
Dass wir relativ pünktlich waren, verriet uns auch schon die Menschenmenge, die am abgezäunten Areal des berühmten Geysirs bereits wartete. Wir suchten uns ein Plätzchen leicht abseits der Menge, etwas weiter hinten, denn wenn der Old Faithful ausbricht, sieht man das auch von weiter hinten:

Der weiteste Punkt meiner Reise

Nachdem wir diesem Naturschauspiel beigewohnt hatten, machten wir uns auf den Weg zum „West Thumb“, dem am weitesten entfernten Punkt auf meiner gesamten Reise von Bellevue aus gesehen:

Angekommen am weitesten Punkt meiner Reise: Der West Thumb, ca. 850 Meilen entfernt von Bellevue, WA

Erste Tiersichtungen

Ja, und neben heißen Quellen, zahllosen Bäumen und jährlich mehr als 4 Millionen Besuchern gibt es natürlich auch jede Menge Tiere im Yellowstone Park. Meiner Meinung nach zeigen die sich zwar nicht, wenn sie schlau sind, aber einige sahen wir dann doch, vielleicht auch dem Fakt geschuldet, dass es mittlerweile schon früher Abend und damit nicht mehr so heiß war. Zwar sahen wir keine Grizzlies oder Wölfe (vielleicht auch besser so), dafür aber Elchkühe und Bisons:

Yellowstone Lake und Yellowstone Canyon

Immer, wenn sich auf dem kleinen Highway kleine Staus entwickeln, gibt es meistens was zu sehen am Straßenrand. Die Leute steigen dann manchmal auch aus, um Fotos von den Tieren zu machen, manchmal aber auch, um in den zahlreichen Flussläufen baden zu gehen. Dafür hatten wir keine Zeit – auch, wenn wir es durchaus geplant hatten -, denn es wurde so langsam dunkel und wir hatten noch zwei weitere wichtige Sehenswürdigkeiten an unserer Route anzusteuern:

Den Yellowstone Lake:

See, wohin ich seh‘ – der größte Bergsee Nordamerikas mit 357 Quadratkilometern Fläche.

Und den Yellowstone Canyon:

…und weil’s einfach wirklich so schön war noch mehr Gegend:

Rückfahrt noch am selben Tag

Wie man auf einigen der letzten Bilder sehen kann, ging die Sonne schon so langsam unter, aber wir hatten beschlossen, uns auf den 5-stündigen Rückweg zu machen – noch heute. Ein Plan war gewesen, vielleicht in Bozeman (ca. eine Stunde entfernt) zu übernachten und dann am nächsten Tag noch einmal in den Park zu kommen. Doch ich war zufrieden mit dem, was wir gesehen hatten (Ramon war eh schon zum fünften Mal hier gewesen), sodass eine Rückfahrt eigentlich OK war – wenn auch etwas spät?

Tierisch was los, nachts in Montana

Erst einmal ging es raus aus dem Park, und, um noch einmal die Dimensionen hier zu verdeutlichen, allein das waren vom Canyon bis zum Ausgang in West Yellowstone noch 40 Meilen und über eine Stunde Fahrt!
Als wir draußen und damit wieder in Montana waren, tankten wir zum zweiten Mal am heutigen Tage voll und freuten uns auf das Gewitter, das von Südwesten her aufzog und den Himmel endgültig schwärzte. Doch während wir dem Gewitter entkommen konnten, trafen wir auf ganz andere und (für mich) unerwartete Hindernisse. Denn hier in der Gegend, so wusste mein Reiseführer Ramon zu berichten, ist nachts auf den Straßen tierisch ‚was los! Und noch während meiner Fahrschicht tauchte ein Stinktier direkt vor unserem Auto aus der Finsternis auf!

Leuchtende Augen am Straßenrand

Dank einer guten Reaktion und einer kontrolliert-starken Bremsung konnte ich das Stinktier umfahren, was das kleine Sackgesicht jedoch nicht davon abhielt, uns eine ordentliche Ladung ans Auto zu spritzen. „Oh, so riecht Stinktier“, meinte ich und fand den Gestank anfangs noch gar nicht so schlimm. Doch das änderte sich mit der Zeit und so steuerten wir eine Tankstelle an, um wenigstens schon mal provisorisch mit einem Scheibenwischer für Sauberkeit rund um den vorderen, linken Kotflügel zu sorgen. Ramon übernahm jetzt den Rest der Strecke, auf dem wir noch zwei Mini-Eulen trafen, die seelenruhig mitten auf der Straße hockten, und Ramon sichtete immer wieder leuchtende Augen in der Dunkelheit des Straßenrands. Ich konnte all diese Sichtungen allerdings nicht bestätigen, aber ich glaube ihm 😉

Als wir schließlich und nach fünfstündiger Nachfahrt müde, heile und etwas übelriechend in Dick’s RV Park in Montana ankamen, ließen wir den Tag noch bei einem kleinen Pläuschchen Revue passieren und fielen dann schließlich um 4  Uhr Ortszeit in die Betten. Ramon: Vielen Dank für diesen Mega-Trip!

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Mein USA Blog – Teil 6: Die große Reise nach Montana 2

Nach einer guten Nacht mit erfreulichen 9 Stunden Schlaf öffnete ich das stolze, silberne Streitross, das brav auf dem zimmereigenen Parkplatz Nummer 8 parkte und packte meine 7 Sachen ein – ja, diese Zahlen entsprechen so wirklich der Wahrheit!
Heute stand der zweite Teil des Roadtrips an, des Hinwegs von Seattle nach Montana, und zwar der wesentlich größere Teil der Reise:

Ein guter Roatrip beginnt in einem Highway Cafe

Doch bevor ich die ca. 400 Meilen in Angriff nahm, nahm ich erst einmal ein zünftiges amerikanisches Breakfast zu mir. Den Besuch im „Highway Cafe“ hatte ich bereits am Abend zuvor geplant – in meinem quietschenden Bett auf Rollen 😀
Das Highway Cafe war nur ein paar Meilen vom Davenport Motel entfernt und ein idealer Startpunkt für den heutigen Tag:

I like your accent

Zum ersten Mal wurde ich jetzt auf meinen Akzent angesprochen. Die Bedienung, Sarah, hatte wohl keine Schwierigkeiten, zu merken, dass ich ganz woanders herkomme, mochte meinen Akzent aber nach eigener Aussage. Kann natürlich auch sein, dass das Kompliment auch durch den Wunsch nach einem größeren Trinkgeld motiviert war, wovon man hier übrigens üblicherweise sehr viel gibt.

Hit the road again

Frisch gestärkt ging es los in Richtung Spokane, der letzten wirklich größeren Stadt in Washington, bevor man in östlicher Richtung die Staatsgrenze von Idaho erreicht…und das tat ich dann auch nach ca. 50 Minuten Fahrt:

In Idaho begann auf jeden Fall einer der schönsten Streckenabschnitte überhaupt von Coeur d’Alene bis Missoula:

Man fährt zwischen Bergen hindurch, Nadelwälder zu beiden Seiten an den Hängen, dazwischen immer wieder diese malerischen, verschlafenen Nester an Seen und Flüssen. Einfach hinreißend. Da wundert es auch nicht, dass in diesem Abschnitt auch der Ort liegt, in den ich mich sehr verguckt hatte und in dem ich auf der Rückfahrt Station machen werde: Wallace, Idaho. Auch das Motel habe ich schon ausgewählt, das Bitterroot Motel, ein ähnlich stimmungsvolles Plätzchen wie das Davenport Motel auf der ersten Etappe des Hinwegs 😉

In Idaho durfte ich auch ein paar Meilen pro Stunde schneller fahren (immer noch nicht viel mehr als 120 km/h) und es gab auch in den folgenden Meilen (inkl. Staatsgrenze nach Montana) jede Menge großartiger Dinge zu sehen und zu fotografieren:

Es ist schon manchmal nicht so leicht, wenn man sich auf die Straße konzentrieren muss, aber die Gegend drum herum einfach so aufsehenerregend ist! Auch an diesem zweiten Tag des Roadtrips hätte ich viel, viel häufiger anhalten und Aufnahmen machen können als ich es tatsächlich gemacht habe.

Welcome to the „Big Sky“

Die Landschaft hat sich von Bellevue bis Great Falls so oft verändert, von Hügelwäldern über Gebirge bis hin zu Hochebenen, aus denen weite Teile Montanas ja bestehen. Hier in Great Falls sind wir immerhin gut 1.000 Meter über Normalnull. Und der Staat hat seinen Namen zurecht, hier sind teilweise Gebirge so weit das Auge über die schier unendlichen Ebenen reicht. Montana wird auch „Big Sky“ genannt:

Und das gesamte Land nennen die Amerikaner ja unter anderem auch „God’s own Country“. Ich finde, sie sollten es tun, aber nicht aus patriotischen Gründen, sondern weil er sich hier einfach selbst übertroffen hat. Allein die drei Staaten, die ich bisher gesehen habe, bieten so viele atemberaubende Naturschauplätze – Hier hat der liebe Gott sich irgendwie einfach selbst übertroffen.

Ziel erreicht – Ende einer denkwürdigen Reise (aber die nächste folgt schon bald)

Doch irgendwann gelangte ich wieder in von Menschenhand geprägte Gefilde. Nachdem ich mein Frühstück in der Highway Bar gegen 10:40 Washington-Zeit bezahlt hatte, war ich um 18:25 Montana-Zeit bei meinem neuen Gastgeber auf Zeit und in Great Falls, Ramon (Bild), bzw. an meinem Ziel (eingebetteter Tweet) angekommen:

Ich darf vorstellen: Ramon aus Emmerich, bzw. jetzt Great Falls (rechts im Bild) 🙂

Und hier sind wir jetzt bis zum 18.07.:

…ja, und dieser eingebettete Tweet ist eigentlich auch die perfekte Überleitung zum darauf folgenden Tag, dem Tag, an dem ich nicht nur in meinen vierten US-Staat auf der Reise, sondern gleichzeitig auch in den legendären Yellowstone Nationalpark fahren sollte. Alles zu diesem neuerlichen Roadtrip, dem Old Faithful und einer unerwarteten Rückreise erfahrt Ihr im nächsten Beitrag  😎

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Mein USA Blog – Teil 5: Die große Reise nach Montana 1

Ein Mann und sein Auto…

So langsam aber sicher ist etwas Ruhe eingekehrt, ich habe den Jetlag überwunden, mich an die Sprachumstellung gewöhnt und bin jetzt auch „Teil des Rudels“, sprich auch die Kids haben sich jetzt daran gewöhnt, dass „Sebäschten“ jetzt dauerhaft da ist. Und was mache ich? Ich mache erstmal einen 9-tägigen Roadtrip nach Montana. Der war so auch von vorn herein geplant, aber es gab durchaus bis ganz kurz vor’m Start noch einige Unklarheiten. Impressionen von der ersten Etappe kommen jetzt.

Das Navigationsproblem…

Der Plan, nach Montana zu fahren, war schon lange vor der Anreise nach Seattle geschmiedet worden. Was ich dort all die Tage machen würde, war nicht von langer Hand geplant, und noch viel kurzfristiger wurde ein ganz anderes, vielleicht noch dringlicheres Problem angepackt. Denn auf welche Weise ich die insgesamt fast 650 Meilen nach Great Falls navigieren würde, war noch nicht so ganz durchdacht, und das machte mir jetzt doch – eine Stunde vor der Abfahrt – ein bisschen Kopfzerbrechen.

Die Ausgangsposition:

  1. Ich hatte keinen US-Handyvertrag, sodass Google Maps auf dem Handy wegfiel.
  2. Von meiner Gastfamilie habe ein ziemlich altes GPS-Gerät bekommen, bei dem ich aber kein so gutes Gefühl hatte.
  3. Doch vielleicht würde es ja reichen, nur das Handy-GPS einzuschalten und dann Google Maps laufen zu lassen? Nee, ging auch nicht wirklich ohne mobile Daten, und die kosten ne Menge Geld.
  4. Hm…vielleicht mal einen Handyshop in der Nähe anfahren? Vielleicht gibt’s ja irgendeine Prepaid-Variante.

…spontan und recht günstig gelöst

Na klaro! Zum Glück hat T-Mobile ja nicht nur das Stadion der Mariners übernommen, sondern auch ein paar Handy-Stores in der Gegend eröffnet. Zu unser beider Überraschung war das Problem schnell und einfach, 40 $ später und mit einer Mini-SIM-Card gelöst. 30 Tage Datennutzung, Telefonieren mit allem Drum und Dran – Die Navigation war gerettet, und ich konnte mit dem gewohnten Google Maps fahren. Das war sehr erleichternd, und da das erledigt war, gingen wir zufrieden über den OutletParkplatz rüber zu Starbucks, um zu frühstücken.

So einfach kann man hier ein Auto mitnehmen

Danach fuhren wir zu meinem Auto, das ich für den Zeitraum vom 10.-19.07. gemietet habe, meinem Subaru Forester. Leicht in die Jahre gekommen, aber mein edles Ross auf meiner Abenteuerreise. Da mein Vermieter nicht da war, hatte er das Auto einfach unabgeschlossen in der Einfahrt stehen und den Schlüssel stecken gelassen. Eine gute Nachbarschaft macht’s möglich, dachten wir uns.

Auf geht’s ins große Abenteuer

Ich machte ein paar Fotos vom Auto und einen Film, sagte in der App bescheid, dass ich das Auto jetzt abholte und legte der Rückwärtsgang ein und war ab jetzt unterwegs. Als ich aus der Einfahrt fuhr und das Wohngebiet in Richtung Interstate 90 verließ, war ich durchaus euphorisch: Endlich begann der Roadtrip, ich allein mit dem Auto, Hunderte von Meilen vor mir. Ich war sehr aufgeregt und voller Vorfreude.

Die große Freiheit

Es fühlte sich so an, wie ich es mir Wochen vorher auch ausgemalt hatte. Diese schier unendlich Weite dieses Landes, die weite Reise, die vielen Dinge, die es unterwegs zu sehen gibt – Ich liebe Roadtrips und dieser war ein ganz besonderer:

  • Jetzt war ich auch mal selbst am Steuer.
  • Die nahezu unendlichen Möglichkeiten vor mir.
  • Einfach mal die nächste Abfahrt nehmen, beim nächsten Wendy’s rein und einen Kaffee holen.
  • Oder Zwischenstopp im nächsten Ort, um einfach mal ein paar Fotos von der unfassbaren Landschaft zu machen.
  • In „Amiland“ rumfahren, Sonnenbrille auf, die Fenster auf, die besondere Luft schnuppern, die Städte und die Landschaften angucken, und dazu Aerosmith, AC/DC oder Guns ’n‘ Roses im Radio.

Wo ich hinguck, seh ich Gegend

Meine erste Etappe sah vor, von Bellevue bis Davenport zu fahren:

Schon nach kurzer Zeit ging es in die Berge. Viele Pässe durch bewaldete Berg- und Hügellandschaften – sehr schön. Alle US-Staaten haben ihre Sondernamen. Washington ist der „Evergreen State“, wie man sehen kann, aber es geht auch manchmal in Gelbe:

 

Das ist nur eine Auswahl von Aufnahmen von der Fahrt. Ich habe bestimmt 10x angehalten, um Fotos und Filme zu machen, doch ich hätte es auch 20 Mal machen können. Es ist einfach nur schön hier und ich war hingerissen. Und was war ich noch? Immer noch im selben Staat, genauer gesagt in Davenport, kurz vor dem letzten großen Ort in Washington, Spokane.

Welcome to Davenport

Hier bezog ich mein stimmungsvolles Zimmer im Davenport Motel. Ich fand es – sagen wir mal – rustikal und einfach, man könnte auch sagen recht schäbbig. Aber das war ehrlich gesagt nicht nur das, was ich erwartet hatte, sondern auch das, was ich wollte für meinen Roadtrip. America, wie es leibt und lebt, und gehören eben solche Motels am Highway mit dazu:

Miefig, kaputt, verkalkt – so muss das!

Es war schon ein wenig miefig und speckig, die Wandleuchte fiel fast herunter, als ich sie verdrehen wollte und am Wasserhahn im Bad war jede Menge Kalkstein zu sehen. Aber ich mochte es so. Es roch nach Roadtrip, es sah auch so aus. Dafür hatte das Zimmer freies WiFi, eine Klimaanlage, die ich sofort anschmiss und eine Art Möbelwand mit einer Schreibtischfläche (siehe Bild direkt hier drüber), an der ich arbeiten konnte.

…und teure Lebensmittel mal wieder

Und: Direkt auf der anderen Straßenseite war ein Safeway, wo ich Proviant für den Abend und den nächsten Morgen einkaufte:

Gegenüber an der anderen Straßenecke war zudem eine Tankstelle und dort begann ja schon am nächsten Morgen die zweite Etappe des großen Roadtrips von Davenport nach Great Falls. Damit geht’s dann ganz bald weiter!

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