Anzahlung nehmen ja oder nein?

Wenn der kleine Kunde kommt (oder auch der große) geht es zunächst einmal um die Erörterung der auftragsdetails. Bei Textaufträgen heißt das, sich über die Text- und Wortanzahl zu unterhalten, spezielle inhaltliche Wünsche wie wording oder Keywords und auch die Deadline zu vereinbaren. Dann geht’s irgendwann um die Text-Preise, um die Zahlung und das Thema Anzahlung. Sollte man eine Anzahlung nehmen oder nicht? Es gibt triftige Gründe, die dafür sprechen.

Was ist eine Anzahlung?

Per Definition ist die Anzahlung Geld, das mein Kunde mir für eine noch nicht erbrachte Leistung zahlt. Einer der früheren Begriffe für die Anzahlung lautet sogar Haftgeld. Und tatsächlich ist es so, dass der Kunde bisher noch rein gar nichts von mir für sein Geld bekommen hat und tatsächlich damit haftet, und zwar – und das ist jetzt meine eigene Definition – dafür, dass ich texte und er es sich aus welchen Gründen auch immer anders überlegt.

Ohne Anzahlung auf der Arbeit sitzen bleiben

Denn in meinen ersten Jahren ist es mir durchaus mal passiert, dass ich ohne Anzahlung gearbeitet habe und ein Kunde dann sagte, die Texte gefielen ihm jetzt doch, er habe jetzt doch keine Budgetfreigabe oder es kam gar keine Rückmeldung mehr. Das ist sehr frustirerend und wenn das zwei- vielleicht dreimal passiert ist, überdenkt man seine Arbeitsweise dahingehend, dass man für getane Arbeit nicht wieder gänzlich leer ausgehen möchte. Legitim ist das doch schon, nicht wahr?

Wie hoch sollte die Anzahlung sein?

So habe ich mit einer Anzahlung von 30% angegfangen und die Anzahlung bis heute (ich bin jetzt im 7. Jahr selbstständig) auf 50% angehoben. Damit zahlt zum Beispiel ein Kunde, der bei mir ein Auftragsvolumen von 1.000€ hat erst einmal 500€, bevor überhaupt irgendetwas geschieht.

Was bringt die Anzahlung?

Die Anzahlung ist eben eine Sicherheit für mich, aber damit fühlt sich ein Kunde dann auch gleich ganz anders dem Auftrag verbunden. Gleichzeitig muss aber auch ich als Texter dann zeigen, was meine Arbeit wert ist. Mit der Anzahlung sagt der Kunde ‚Ja, ich will‘ und bei Eingang der Zahlung bin ich dann am Zug. Nach einer ersten textlichen Kostprobe, bei der herausgefunden wird, ob der Schreibstil so passt, kann es dann richtig losgehen.

Rückzahlung der Anzahlung

In seltenden Fällen kommt es auch vor, dass nach der ersten textlichen Kostprobe klar wird, dass der Neukunde und ich so gar nicht zu einander finden. In diesem Fall gilt es, eine individuelle Einigung zu erzielen und zum Beispiel die Anzahlung abzüglich der bisher geleisteten Arbeit zurückzuzahlen, auch wenn der Kunde die Arbeit, bzw. die Texte nicht verwerten kann.

Restzahlung

So etwas kommt allerdings bei mir nur ein- oder zweimal im Jahr vor, denn die textliche Kostprobe hilft beiden Seiten meistens, sich optimal aufeinander und den schon halb bezahlten Auftrag einzustellen. Danach geht es dann mit dem kompletten Textauftrag weiter und nach dessen komplettem Abschluss folgt dann die zweite Rechnung mit dem Restbetrag.

Anzahlung = Misstrauen?

Ich nehme bei Neukunden grundsätzlich eine Anzahlung. Man lernt sich meist nur per Email oder manchmal auch telefonisch kennen, kann also den Leuten nicht einmal „vor den Kopp gucken“, wie man hier bei uns so schön sagt. Was da also bei der Anzahlung mitschwingt, ist aber kein Misstrauen, sondern lediglich Vorsicht, die wiederum aus den frühereren Erfahrungen resultiert. Wir sind eben alle nichts weiter als Produkte unserer Erfahrungen.

Kunde will die Anzahlung nicht leisten

Aber die Erfahrung zeigt, dass alle Kunden, die es gut mit mir meinen auch keine Probleme mit der Anzahlung haben. Falls doch, kann ich hier als Dienstleitster auch meinerseits aussieben, denn wenn ein Neukunde die Anzahlung nicht leisten will, werde ich ja doch misstrauisch.

Kunde zahlt nicht, was tun?

Denkbar wäre aber auch Szenario, bei dem der Kunde später die Restzahlung nicht leistet. Was tun, wenn der Kunde nicht zahlt? Zunächst einmal gilt: Ein Vertrag besteht auch, wenn es keine schriftliche Vereinbarung darüber gibt. Hat der Kunde zudem niemals schriftlich der Lieferung meiner Texte widersprochen und diese deutlich abgelehnt, hat er meine Dientleistung beansprucht und ist damit auch zur Zahlung verpflichtet.

Betrieblicher Rechtsschutz dringend empfohlen

Solche Probleme kommen ebenfalls ab und zu vor, höchstens einmal im Jahr, aber wenn sie kommen, kommt ein betrieblicher Rechtsschutz gut! Hier kann ich nämlich säumigen Kunden sagen, dass ich nach der dtitten Mahnung meinen Rechtsschutz einschalten würde, der dann das Forderungsmanagement übernimmt. Das bedeutet freundliche aber bestimmte Anschreiben, Inkasso-Unternehmen und gegebenenfalls auch gerichtliche Einigung. Ich drohe damit so gut wie nie, muss ich auch meistens nicht, aber es ist wirklich gut zu wissen, dass man hier einen doppelten Boden hat. Die gut 40€ / Monat ist mir das durchaus wert.

 

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