Arme Freie Journalisten

Wie gestern bei Spiegel Online gelesen, gibt es wohl eine benachbarte Berufszunft, die nicht mit ihren Einkünften, dafür aber durchaus mit ihrem Job an sich glücklich ist: Die freien Journalisten. Dabei spielt natürlich die Gehaltsstruktur eine negative Rolle; von viel Arbeit für wenig Honorar, fast auf Hartz 4 Niveau ist da die Rede. Ursache sind die Auftraggeber, die an der falschen Stelle sparen, aber durchaus auch die Schreiber selbst.

Viel arbeiten, viel einschränken, aber auch viel Flexibilität im Beruf – So stellt sich der Beruf als freier Journalist dar, bzw. so stellen ihn die in der Recherche Befragten dar, die selbst in dem Job tätig sind. Tätig sind sie offenbar zwischen 35 und 50 Stunden pro Woche, was ja nicht ungewöhnlich ist. Dabei kommen sie aber auf mitunter ungewöhnlich geringe Erlöse, wie eine Kollegin, die ihr Gehalt bei einer 35-40 Stunden Woche auf 1.000€ brutto im Monat beziffert!

Freie Journalisten – Finanzielles Sterben in Schönheit?

Das scheint gleichwohl das untere Ende der Marge zu sein. Im Schnitt, so zitiert der Spiegel,  kämen freie Journalisten auf knapp über 2.000€ brutto im Monat – Auch noch nicht die Welt. Die Branche scheint im Niedriglohnsektor zu versinken, das finden nicht nur die Betroffenen, sondern auch Beobachter aus entsprechenden Berufsverbänden.

Doch woran liegt es, das die Journalisten in Schönheit sterben? Sie schreiben schöne Texte, finden ihren flexiblen Berufalltag schön und krebsen dennoch an der Gehaltsuntergrenze herum. Das ist nicht so schön. Die Schuldigen sind schnell gefunden: Die Medien, die die Journalisten beauftragen, bzw. hier und da auch nicht beauftragen. Private Radiosender werden als die krassesten Dumping-Entlohner angegeben. Kurios sieht es bei den Zeitungen aus. Die setzen mittlerweile Preise, weit unter den gängigen Zeilenpreisen an, oder setzen vielleicht sogar auf gänzlich kostenfreie Textlieferanten. So wird eine bayerische Zeitung als Beispiel angeführt, die von mitteilungsbedürftigen Lehrern und Rentnern mit Texten versorgt wird.

Denkt denn auch mal jemand an den Leser?!?

Und damit der thematische Bogen zum Online Texter: Die Preisfrage stellt sich natürlich auch im Kontext Online Text. Auch hier überfluten billige Konkurrenzprodukte den Markt. Sie bezirzen die Auftraggeber mit Niedrigstpreisen, von denen ernstzunehmende Texter nicht gut leben können – schon gar nicht im Alter…

Den Konsumenten, die auf diese einfachen, schnellen und billigen Alternativen zur Qualität ausweichen bleibt zu empfehlen: Texte sind Ihr Hauptprodukt. Denken Sie an Ihre Leser und nicht immer nur an Ihre Bilanzen.

Betroffenen Schreibern, sowohl Journalisten als auch Online Redakteuren, bleibt zu empfehlen: Stellen Sie sich breiter auf. Seien Sie nicht zu fokussiert auf wenige Themen oder Leistungen. Und, und das sagt auch der Spiegel-Artikel, lernen Sie, sich selbst zu vermarkten.

 

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