Cuxhaven, ich komme! – Warum Sommer ätzend ist

Mein ehemaliger Mitbewohner isst eigentlich am liebsten holländische Frikadellen, öliges Kartoffelgratin oder zum Frühstück ein halbes Dutzend Eier. Aber als er seinerzeit mit Melone, Kohlrabi oder Himbeeren ankam, wunderte ich mich. Er sagte, bei dem heißen Wetter was Leichtes – der ätzende Sommer war da.

Ich bin ein Kellerkind. Ich wuchs im Haus meiner Eltern in der untersten Etage auf, wo ich ein eigenes Bad hatte, eine Bar, einen begehbaren Kleiderschrank, einfach nur 100qm für mich. Aber das Wichtigste dort unten war ein hoher Komfort, bedingt durch niedrige Temperaturen, Ruhe und Dunkelheit. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich heute einen Blog-Artikel mit dem Titel ‚Warum Sommer ätzend ist‘ verfasse.

Die Monate Juni und Juli sind für mich die schlimmsten Monate im Jahr und die ersten heißen Tage davor sind für mich wie ein Fanal auf die Leidenszeit. Nun ist es schon August, der Monat, in dem ich geboren wurde, doch erst jetzt gibt der Sommer so richtig Stoff: Mehr als 30°C, gleich über mehrere Tage hinweg, Ende nicht in Sicht. Ich mag meinen Geburtsmonat dieses Jahr wirklich überhaupt nicht. Doch im Prinzip ist mein schönstes Geburtstagsgeschenk doch alle Jahre wieder die Gewissheit, das bald der Herbst anfängt, meine liebste Jahreszeit. Denn sie ist am weitesten vom nächsten Sommer entfernt.

Warum der Sommer ätzend ist, tabellarische Begründung einer abgrundtiefen Abneigung:

  • Hitze
  • Helligkeit
  • Lärm
  • Insekten
  • Allergien
  • keine Bundesliga
  • Sommerloch
  • Nervige Wetterfeen
  • Eis essen
  • Baustellen auf Autobahnen
  • Hohe Hotelpreise
  • Laubbläser
  • Grillpartys

Man fühlt sich auch einfach verschroben, nur, weil man nicht das Bedürfnis verspürt, tagtäglich stundenlang im Freibad rumzuhängen und Flip-Flops zu tragen.
Die Aushilfsrocker und ihre 120dB Chopper-Motorräder, die saisonal angemeldet sind, sind einfach nur Sommer pur. Und in diesem Fall sollte ich Sommer eigentlich klein schreiben, weil es wie ein Adjektiv, ein Synonym für ätzend zu verstehen ist.
Und wenn man durch den Motorradlärm nicht einfach nur stressbedingt ins Schwitzen gerät, passiert es wegen der andauernden Hitze. Da will man schon mal vom Herbst träumen, aber Tropennächte: HASS!
Das alles wäre ja noch verschmerzbar, wenn nicht diese aufgekratzten Wetterfeen in ihren klimatisierten TV-Studios sich immer wieder auf neue Hitzewellen mit grenzdebilen Namen freuen würden. Fuck you Detlef!

Die Lösung: Goodbye Süd-Deutschland!

Aber genau die haben mich auf eine Idee gebracht: Auf den Wetterkarten schiele ich immer wieder neidisch auf die Niedrigtemperaturen in Norddeutschland. Mein mittelfristiger Plan daher: Da hinziehen, wo der Sommer nicht ganz so ätzend ist. Cuxhaven, ich komme!

Dieser Beitrag wurde unter Der aktuelle Senf, Rezensionen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.