Das Apostroph – So gern genommen, so missverstanden

Sprache ist ja so toll, weil sie einem überall begegnet, man kann das Erlernte immer und überall anwenden – So hab‘ ich das früher als Linguist mit Illusionen und Idealen gedacht. Heute fühle ich mich umgeben von plangebügelten Sprach-Fähnchen im Wind, die…nein, so schlimm ist es auch wieder nicht, aber man muss sich doch manchmal fragen, warum alle so viel falsch machen (wollen).

Wofür wird das Apostroph eigentlich genutzt?

Es fängt schon an mit selbständig, das einfach verkrüppelt wird, geht weiter mit Wörtern, die einfach zwangsverehelicht werden wie infolge oder infrage und betrifft auch ein diakritisches Zeichen, das den Genitiv markiert – im Englischen aber! Was redet der da? dia-wat?!? Diakritische Zeichen sind an Buchstaben und in Wörtern angebrachte Zeichen, die…ach, komm hier, Wikipedia.

Wo wird das Apostroph falsch genutzt?

Ja, aber was soll jetzt die ganze Aufregung vom Sprach-Klugscheißer? Er sieht immer wieder Lieferwagen, Ladenschilder und auch Labels verschiedener Produkte, auf denen das Apostroph als Genitiv-Marker genutzt wird. Das macht man aber nur im Englischen so, im Deutschen ist Genitiv einfach ihm sein eigener Kasus, der kann das auch ohne das kleine Zeichen.

Apostroph richtig benutzen – So geht’s, so nicht

Wenn ich also schreibe Sebastian’s head explodes, ist das im Englischen so richtig. Wenn ich aber schreibe Sebastian’s Kopf explodiert, ist das – ja, richtig – falsch! Unser Genitiv im Deutschen macht das schon, er braucht kein Apostroph. Wo wir es aber machen können, ohne Fehler zu machen und arme Linguisten zu empören, ist zum Beispiel bei „Wie geht’s Dir?“, nicht aber bei „Ich freue mich auf’s DSDS-Casting.“. Das muss wiederum heißen „Ich freue mich aufs DSDS-Casting.“

Tja, so ist das, wer’s richtig machen will, kommt ums Lernen nicht herum – Denkt an Sebastians Worte. Ich bin Linguist, ich darf das 😉

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2 Antworten zu Das Apostroph – So gern genommen, so missverstanden

  1. Kevin Brüning sagt:

    👍🏽

  2. Matze sagt:

    Leider nicht ganz richtig, und das fängt schon in er Überschrift an, denn

    1. heißt es: DER Apostroph, zumindest im Duden, der allerdings mit Alptraum neben Albtraum seine verläßlich stützende Stil(bildungs)kraft einzubüßen im Begriff ist (leider kommt einem da auch nicht einmal das ursprungsbildende Griechische zu Hilfe, denn da ist der Apostroph schlichtweg weiblich – OMG), und

    2. gibt es den Apostroph als Genitiv-Marker in gewisser Weise auch im Deutschen: nämlich bei Genitiv-Bildungen von Eigennamen, die im Nominativ auf -s enden. Das paßt nicht für Sebastian, auch nicht für Bach oder Kant, aber zum Beispiel für Aristoteles: Aristoteles‘ Spaziergänge … ist richtiges Deutsch. Der wahre Linguist wird jetzt sagen: Nun ja, der Apostroph markiert auch hier nur eine Auslassung (nämlich die des Genitiv-s, dessen Anhängung bzw. Ausschreibung unschön und u.U. auch verwirrend wirken kann – und das Markieren einer Auslassung ist im Übrigen des Apostrophs Hauptaufgabe, so wie bei geht’s noch 😉 und nicht den Kasus an sich, aber es bleibt ein Alleinstellungsmerkmal für den Genitiv dieser Worte, das sich woanders im Deutschen nicht findet …

    Dies nur zur freundlichen und selbstverständlich etwas klugscheißerischen Ergänzung dieses so erfreulichen Blogs …

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