Das Linguistik Studium – Pragmatik & Semantik

Die zweite große Säule, auf der das Linguistik Studium inhaltlich aufbaut, ist die der Bedeutungs- und der Aussagebene, in linguistischen Fachtermini ausgedrückt, Semantik und Pragmatik. Diese Module sind sehr interessant, weil sie die Bedeutung einzelner Wörter, Wörtern in Verbindung mit anderen Wörtern und deren Aussage behandeln. Diese Betrachtungsweise der menschlichen Konversation ist nicht nur sehr aufschlussreich, sondern auch im Alltag immer wieder gut anwendbar.

Die menschliche Kommunikation ist einzigartig, weil sie auf Sprache beruht, kein anderes irdisches Wesen kann auf so komplexe Weise kommunizieren. Unsere Konversationen sind aber so komplex, dass manchmal selbst andere Menschen uns nicht verstehen. Dann gehen gewhälte Worte über die Semantik, also die pure Wortbedeutung, hinaus und sagen etwas anderes aus, als zunächst angenommen. Meine erste Hausarbeit zum Thema hatte den Titel „Konversationelle Implikaturen“ und behandelte ein spezielles Gebiet aus der Pragmatik.

Pragmatik in der menschlichen Konversation

Damit die Pragmatik in einer Konversation funktioniert, braucht es einen Sprecher (Emittent) und einen Empfänger (Rezipient). Den Anfang macht immer eine Intention, etwas auszudrücken. Ist der Emittent auf eine bestimmte Reaktion des Rezipienten aus, will diese aber nicht explizit ausdrücken, kann er etwa Folgendes sagen: ‚Ist hier ein Fenster auf?‘ – In erster Linie eine Frage, die der Rezipient entweder mit ja oder nein beantworten kann. Oder er kann sie als das verstehen, was sie ist: eine Implikatur. Implizit bittet der Emittent schließlich nicht um die Information über das offene Fenster, sondern darum, das Fenster zu schließen. Mit der Aussage schwingt implizit auch so etwas mit wie ‚mir ist kalt‘ oder ‚der Lärm von draußen stört mich‘. Doch damit nicht genug: Vom Rezipienten wird nun die Höflichkeit erwartet, die Impliktaur korrekt zu entschlüsseln und das Fenster tatsächlich zu schließen.

Der Rezipient kann nun auf drei Weisen reagieren:

1. Er missachtet die Implikatur und antwortet mit ja oder nein – Das würde der Emittent als Affron auffassen.

2. Er schließt wortlos das Fenster und die Situation ist abgeschlossen.

3. Er entschlüsselt die Implikatur und antwortet positiv oder negativ auf die implizite Bitte.

Die Fälle 2 und 3 enttarnen sozusagen den Vorgang der konversationellen Implikatur und was die Worte über ihre semantische Bedeutungen hinaus pragmatisch auszusagen haben. Diese Weise der Konversation kann nur funktionieren, wenn ihre Teilnehmer produktiv an der Konversation partizipieren. Das Grice’sche Kooperationsprinzip ist sowohl Beschreibung als auch Regel dieses Sachverhalts und teilt sich in vier Maximen, die, misachtet oder befolgt, richtungsweisend für die pragmatische Aussagen in einem Gespräch sind.

Nicht umsonst habe ich allein über dieses Thema eine 40-seitige Hausarbeit geschrieben, denn man könnte dies noch sehr viel weiter führen. Ich finde aber, die Konversationsprinzipien sind wirklich ein gutes Beispiel für die interessanten Inhalte im Linguistik Studium und insbesondere im Bereich Pragmatik & Semantik. Man kann auch diesen Fachbereich täglich trainieren, denn Konversation ist allgegenwärtig und wie sagte man uns am Anfang des Studiums: ‚Wenn Sie hier fertig sind, können Sie sich nicht mehr normal unterhalten!‘ – Was sollte das wohl implizieren 😉

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