Der aktuelle Senf – Heute abgegeben zu…

der perfekten Angepassheit. Sie können wir uns nunmehr nicht nur durch Magazine in Print-, TV- oder Online-Medien unter die Nase reiben lassen. Dank neuer Shopping-Ideen im Internet können wir uns jetzt auch vollständig anpassen lassen.
Kleiner Zusatz-Senf heute: Die Unternehmen, die diese kommerziell betriebene Massenkonformität antreiben, zeigen, dass es Probleme bei der Namensfindung immer neuer Start-Ups zu geben scheint.

What would Epiktet do?

Schon Epiktet sagte, wer erinnert sich nicht täglich daran:
Worauf wir stolz sein dürfen – Sei nicht auf fremde Vorzüge stolz! Wenn ein Pferd sagen würde: ich bin schön, so könnte man sich das gefallen lassen. Wenn du aber mit Stolz sagst, ich habe ein schönes Pferd, siehst du, so bist du nur auf ein gutes Pferd stolz.Schmidt, Heinrich – Epiktet, Handbüchlein der Moral und Unterredungen (24)

Wow, was für ein chronologische Mega-Spagat, von den Startups des Internet-Zeitalters zu den Philosophen der Antike. Doch, wer es noch nicht bemerkt hat, der kleine Auszug ist durchaus als Analogie zu verstehen und kann auf heute Anwendung finden: du = du, Pferd = kommerzielles Gut, Jacke, Tasche, Auto, Haus, vielleicht sogar Pferd.
Achtung Oxymoron:  Ein individueller Look für jeden

Und damit rein in die Moderne, die also rein moralisch immer noch nichts Neues hervorgebracht hat, nur viele Startups. Eines davon, so habe ich gestern im TV erfahren, weiß, welche Mode ich toll finde. Dort lassen Männer shoppen, bei Mo-do-mo-to. Die so- und selbsternannten Mode-Experten wissen, was mein Style ist und was ich mag. Ich habe dann einen individuellen Look, den aber jeder hat. Schon wieder ein rhetorisches Mittel, diesmal das Oxymoron.

Herr Epiktet? „Du musst nicht den Anschein erwecken, als verstündest du dich auf etwas besonders. Und wenn es andern so scheint, so misstraue dir selbst.“ Schmidt, Heinrich – Epiktet, Handbüchlein der Moral und Unterredungen (27). SO!

Warum nur Curated Shopping?

Unter diesem grauenhaften Anglizismus wird das Modell mit der kommerziellen Uniformierung in der Welt abgeheftet. Wie wäre es aber mit noch mehr curare (ital. jmd. versorgen od. pflegen)?
Wenn man mir schon sagt, welche Kleidung ich tragen will, warum dann nicht auch, welches Essen ich mag? …oder:

Bitte, Startups für folgende Bedürfnisse des Lebens gründen:

– Welche Tattoos passen zu mir?
– Welches Klopapier passt zu mir?
– Welche Latte-Matschciato-Art mag ich am liebsten?
– Welcher Bereich der ISS passt zu mir?
– Bin ich besser Balljunge beim Tennis oder beim Fußball?
– Welche politische Ausrichtung passt zu meiner Frisur in Schaltjahren?
– Mit welchem Akzent klinge ich am besten?
– Welcher ist mein bevorzugter Laufstil?
– Wie ist meine Einstellung zu zentralen ethischen Themen wie Abtreigung oder Todesstrafe?

Und die vielleicht wichtigste Frage: „Wie soll ich mein Unternehmen nennen?“ Auch dafür muss es einen Anbieter geben, denn offenbar scheinen moderne Firmennamen mit dem Silbenwürfel zu entstehen: Za-lan-do, Mi-ra-po-do, Na-ti-ven-do oder eben Mo-to-mo-do.

E-pik-tet?
Urteile nicht voreilig! […] Denn woher weißt du, ob etwas schlecht ist, bevor du auf den Grund gegangen bist? Sow ird es dir nicht geschehen, daß du dir sonst begründete Vorstellungen bildest, hier aber dem ersten Anschein zustimmst.Schmidt, Heinrich – Epiktet, Handbüchlein der Moral und Unterredungen (46).
Das Schlusswort hatte der Philospoph.

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