Der aktuelle Senf – Heute mittelscharf zu…

…der so genannten Retorten-Fußballmannschaft RB Leipzig.

Ja, ich bin Fußball-Fan, das kann man an dieser Stelle im Texter Blog ruhig mal zugeben. Da ich BVB-Fan bin, komme ich mit dem Thema eigentlich nur indirekt in Berührung. Doch da ich TV-schauender Fan und nicht mehr aktiver Stadionbesucher bin, komme ich sehr wohl mit dem steigenden medialen Interesse an dem Phänomen RB Leipzig a.k.a RedBull Leipzig in Berührung. Der Ost-Club wird vom so genannten Brausehersteller unterstützt und dafür von den Fans der zweiten Liga verachtet. Ich find’s gut für die Region.

Bullpower für den Ost-Fußball

Schon seit Jahren, ja Jahrzehten dümpelt der Ost-Fußball in der Bedeutungslosigkeit herum. Hiesige Instanzen, wie Energie Cottbus, Dynamo Dresden oder Hansa Rostock haben es lediglich auf kurzzeitige Gastspiele in der Bundesliga, der höchsten deutschen Spielklasse im Fußball, gebracht.
Nun hat der Konzern Red Bull es sich zur Aufgabe gemacht, einen Verein aus dem Brachland des Fußballs zu heben. Dabei wurde das Unternehmen gleichwohl nicht in Cottbus, Dresden oder Rostock fündig, sondern in Leipzig. Also Spieler kaufen, Merchandising ankurbeln, aufsteigen, aufsteigen, aufsteigen.

Warum der Standort Leipzig?

Ich kann die Standortwahl gut nachvollziehen, schließlich ist Leipzig Teil der Metropolregion Sachsendreieck, bestehend aus Chemnitz, Dresden und eben Leipzig. Und außerdem steht hier das ehemalige Zentralstadion, einst das größte Stadion Deutschlands, zur WM 2006 frisch renoviert. Damals fragte sich noch jeder, wer es nach dem Sommernachtsmärchen jemals wieder nutzen würde. Jetzt wissen wir’s: RB Leipzig.

Das Stadion heißt jetzt, wer weiß es? Ja, Red Bull Arena und fasst knapp 45.000 Zuschauer. Heute spielt dort der Verein RB Leipzig, frischgebackener Zweitligist, allgemein als Retorten-Truppe verschrien – wobei dies noch einer der ganz netten Ausdrücke ist.
Denn seit dem Aufstieg wird nicht nur der Club deutschlandweit bekannt, auch die Ablehnung gegen das „Konzept“ RB Leipzig macht sich in allen Himmelsrichtungen breit. Nicht nur die Union Berlin Fans protestieren gegen RB Leipzig, in nahezu allen Stadien, in denen die Leipziger Gastspiele haben, sagen Fans nein zu RB.

Im Osten nix Neues

Ich kann die Aufregung verstehen, aber warum rührt sie sich erst jetzt? Die Ultras und die Fans der Traditionsvereine proklamieren den Zerfall der Fußball-Kultur. Aber warum richtet sich der Widerstand gegen diese Art des Fußball-Business erst jetzt, gegen RB Leipzig? Der Club ist ja beileibe nicht der Präzedenzfall. Es gibt andere Mannschaften, die sich vermeintlich unbegrenzten Budgets erfreuen.
Ein Verein schaffte es sogar nach genau dem gleichen Strickmuster in die Bundesliga: Die TSG Hoffenheim ist doch schon längst durchmarschiert, war sogar schon Herbstmeister.

RB Leipzig vs. TSG Hoffenheim – Vergleich der Transferausgaben

Wie ähnlich sich die „Projekte“ RB und TSG sind, zeigt nicht nur, dass beide einen Mäzen als Geldgeber hinter sich wissen. Die Aufregung beim Vormarsch der Hoffenheimer hätte eigentlich noch viel größer sein müssen, verdeutlicht man sich einmal die schieren Transferausgaben:

18,57 Millionen Euro spendierte Hoffenheim-Gönner Dietmar Hopp dem Verein für Hoffenheimer Transfers in der Saison 06/07. Damals wurden nie dagewesene Summen in der zweiten Liga ausgegeben, unter anderem für Spieler wie Carlos Eduardo, Chinedu Obasi, Demba Ba oder auch Marvin Compper, der heute übrigens in Leipzig kickt.

RB befindet sich jetzt in der Situation, in der sie TSG in der Saison 06/07 war: Geplant ist der direkte Durchmarsch in Liga 1, dafür sprechen die ebenfalls hohen Investitionen. Trotzdem hat RB Leipzig in der vergangenen Transferperiode immernoch deutlich weniger ausgegeben, als es die Hoffenheimer seinerzeit taten: Dietrich Matteschitz zahlte „nur“ 11,65 Millionen Euro.
Pikant: Der Königs-Transfer, Massimo Bruno (5 Mio. €), wurde direkt an den Partner-Club RedBull Salzburg verliehen.

Wo war der Widerstand 2006?

Summa summarum ist die Investitionshöhe beim aktuellen Feindbild der Fußball-Republik wesentlich niedriger, als die bei der TSG. Warum regte sich nicht schon vor 8 Jahren Widerstand? Vielleicht lag es daran , dass damals das ganze Land im Taumel der WM war. Vielleicht auch daran, dass die Vernetzung der Gegner damals noch nicht so gut war, Stichwort Facebook-Gruppen, schneller Website-Bau usw.
Oder geht RB einfach zu offensiv mit dem Markennamnen Red Bull um? Klar, die TSG Hoffenheim heißt nun nicht SAP Hoffenheim, aber das allein kann’s ja wohl bitte nicht sein.

Geld schoss schon früher Tore – auch in der BuLi

Gegen das Konzept Fußball-Marketing ist kein Kraut gewachsen, bei den Milliarden-Umsätzen. Im internationalen Vergleich sind die Verhältnisse im deutschen Profi-Fußball ja sogar vorbildlich zu nennen, siehe Real Madrid, ManCity oder PSG.
Und genau deswegen freue ich mich für die Region. Ich glaube, kein Traditionsverein muss sich Sorgen machen, dass RB Leipzig DIE neue Bedrohung, bzw. Schule machen wird. Das Geschäft läuft schon längst. Als die TSG Hoffenheim am 14.12.2008 Herbstmeister wurde, da hätte Deutschland sich noch wundern können.

Dieser Beitrag wurde unter Der aktuelle Senf veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.