Die Kosten geschlechtergerechter Sprache

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, sicher ist Ihnen bereits aufgefallen, dass sich die Sprecherinnen und vor allem die Sprecher der deutschen Sprache zunehmend bemühen, generische Maskulina zu vermeiden, bzw., sie durch geschlechtergerechte Formulierungen zu ergänzen. Ob alle Sprecherinnen und Sprecher dies wirklich für dringend nötig halten, sei mal dahingestellt, mir geht es heute vielmehr darum, die Frage nach den Kosten für die so genannte geschlechterfaire Sprache zu stellen.
Seit Jahrzehnten und Jahrhunderten heißt es etwa ‚Liebe Bürger, Studenten oder Wähler‘. Das soll sich endlich ändern, denn in diesen und vielen weiteren Beispielen generischer Maskulina schwingt die Missachtung der Frauen, ihrer Leistungen und/oder Rechte als gleichgestellte Bürger(-innen) mit. Hier eine Meinung der Gleichstellungsbeauftragten der Uni Köln dazu.

Ein aktuelles Beispiel ist der Vorstoß der Universität Leipzig, nach dem jetzt alle ehemaligen Professoren Professorinnen sind. Die Studentinnen (und ja, auch dei Studenten) müssen zukünftig nicht nur ihr eigenes Fach lernen, sondern auch, das man die Leipziger Professorinnen auch Professorinnen nennt, wenn sie eigentlich Professoren sind – Also „Herr Professorin“?. Nein, wie die Rektorin der Uni in einem Interview richtigstellte, geht es dabei nur um die Formulierungen in der Grundordnung der Uni. Bei der Abstimmung zu diesem Beschluss waren übrigens 80% männliche Kollegen im Plenum.

Oftmals werden schon viele der neuen Silben verschluckt!

Und dennoch zeigt der Wunsch der Deutschen (oder Deutschinnen?) nach der sprachlichen Geschlechterfairness ihre Wirkung. In der Politik, wo man ja ohnehin derartige Trends aus Gründen des Understatements nicht verpassen darf, spricht man (und Frau) ja schon lange von ‚Wählerinnen und Wählern“, „Bürgerinnen und Bürgern“. Es gibt „Kolleginnen und Kollegen“, „Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter“, „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ und das alles kostet eine Menge Zeit! Mehr als eine Sekunde länger dauert es, sich jedes Mal gerechtergerecht zu artikulieren! Wenn das mal unter den Mitglierinnen und Mitgliedern einiger Aufsichtsräte zu Schnappatmung führt: „Wir müssen etwas tun, wir haben im letzten Jahr insgesamt 5 Stunden Zeit durch geschlechterfaire Sprache rverloren, liebe Aufsichtssatmitgliederinnen und Mitglieder!“. Das, hochgerechnet auf ganz Deutschland, könnte eine ganz neue Dimension dieser an sich gutgemeinten sprachlichen Offensive bedeuten.

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Eine Antwort auf Die Kosten geschlechtergerechter Sprache

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