Echte Liebe 2017

Heja BVB, was ist hier bloß los bei den Borussen? Vorgestern wurde „meine Mannschaft“ Opfer eines Bombenanschlags – unglaublich! Noch vor ein paar Wochen war meine Echte Liebe zum BVB erschüttert worden, als „unsere „Fans““ Auswärtsfans und ihre Familien mit allerlei Gegenständen bombardiert hatten. Einige wenige vermuten hier sogar einen Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen. Die Gefühle aller echten BVB-Fans werden abermals vollkommen durcheinander gewürfelt. Aber das ist nichts, verglichen mit dem, was die Mannschaft am 11.04.2017 erlebt, bzw. überlebt hat.

You never walk alone

Zu meiner wirklich aktiven Zeit wurde in Dortmund noch nicht „You never walk alone“ gespielt, das Lied, die Fan-Hymne, die man so schön mit dem Schal, hochgereckt in beiden Händen schmettern kann. Das macht man zwar nicht nur in Dortmund, sondern ursprünglich in Liverpool und mittlerweile womöglich auch in Niedermörmter, aber es ist schon schön. So wirklich Gänsehaut hat mir #NYWA wohl nie bereitet, bis gestern. Geht es in dem Song doch um eine Thematik, die mit dem Ereignis von vorgestern, dem Bombenanschlag auf den BVB, einiges gemein hat.

Echtes Mitgefühl

Und als dann gestern YNWA im Westfalenstadion lief, als wieder alle das taten, was sie sonst tun, aber eben diesmal doch ganz anders, da lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Gänsehaut, manche hatten Tränen in den Augen, ich auch. Und als man die BVB-Spieler im Spielertunnel sah, Roman Bürki, der noch einmal tief durchatmete, später dann Marcel Schmelzer, der von einer sicherlich kurzen Nacht gezeichnet schien, da konnte man ansatzweise versuchen nachzufühlen, was die Jungs da gestern machen mussten.

Gestern Bombe, heute Champions League

„The show must go on“, sagte wohl die UEFA und zeigte den BVB-Spielern, was sie wirklich sind: Fußballer? Profis? Nein, sie sind Teil eines Terminkalenders, der eingehalten werden muss. Viel Zeit für die Gefühle von ca. zwei Dutzend Beinahe-Toten hat man da nicht mehr als internationaler Fußballverband, der ja auch keine Erfahrung damit hatte. Die direkt Beteiligten aber fanden die ganze Sache nach Aussagen in Interviews unter anderem eher „unmenschlich“.

Beistand aus Schalke

Was direkt nach dem Attentat in den Jungs und dem Staff vorging, kann man sich nicht vorstellen, wenn man nicht auch mal neben drei detonierenden Bomben gewesen ist. Gestern dann, beim unsausweichlichen CL-Spiel gegen Monaco konnte man sehen, wie man sowas innerhalb von 22 Stunden verarbeitet: gar nicht. Jedem taten die BVB-Spieler leid, von überall, selbst aus Schalke kam Beistand, und die Ohnmacht gegenüber dem, was da am Vorabend passiert war, war deutlich im Spiel zu spüren.

Das tragische Märchen war nah

Wie sollen die Spieler ihren Traum vom Halbfinale so noch erfüllen? Vor allem die erste Halbzeit stand im Zeichen schlechter Schiri-Leistungen, aber auch im Zeichen des Anschlags. Die Spieler bäumten sich aber in der zweiten Hälfte auf und ein wenig konnte ich mir ein tragisches Märchen vorstellen, in dem sie sogar noch gewinnen und…aber nein. 2:3. Aber wen interessiert das Ergebnis schon? „Sie sind alle Helden, egal wie das heute ausgeht.“, twitterte einer.

Zäsur für den BVB?

Aber wollen sie alle tragische Helden sein? Ich fragte mich während des Spiels, werden jetzt einige Spieler eher nicht zum BVB wechseln? Werden andere jetzt im Sommer gehen? Das Hinspiel ist dadurch verloren gegangen, auch das ganze Viertelfinale, ziemlich sicher. Zynisch könnte man sagen, das Attentat hat so schon viele Millionen gekostet. Eine ‚Jetzt-erst-Recht‘-Einstellung ist ihnen auch zuzutrauen, die gab’s ja auch in New York, in Paris, jetzt auch in Dortmund? Oder wird dieses Attentat vielleicht zur Zäsur für den ganzen Verein?

Echte Fan-Liebe

Die mittlerweile schon typische Anti-Terror-Reaktion gab’s auch vorgestern direkt nach dem Anschlag: Unter #bedsforawayfans luden zahlreiche Dortmunder Fans die Monegassen zu sich zum Übernachten ein, da die Franzosen ja irgendwie auch gerne zum gestrigen Nachspiel kommen wollten. Das ist gut. Schon gestern variierten andere Mannschaften ihre Busrouten, ist das gut? Auch der DFB hat einen Terminkalender: Die BVB-Spieler müssen Samstag wieder ran. Wieder im eigenen Stadion, womöglich wieder Bus fahren. Kämpfen Dortmund, kämpfen. YNWA!

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