Erinnern nicht mehr reflexiv!

Erinnerst Du die Zeit, in der erinnern noch reflexiv war? So könnte man es wohl fragen, wenn man sich der neuesten Sprach-Neurose anschließen will. Die will nämlich, dass das Verb erinnern jetzt tatsächlich seine Reflexivität und gleich dazu noch seine Präposition verliert. Gerne erinnert man (sich) da (an) ein anderes Beispiel für sinnfreie Anglifizierung.

Angli-was?

Plakatives Bild mit leicht weit hergeholtem Bezug zum Beitrag – mein (c)

Ja, die englische Sprache, auch die, die sie nicht beherrschen, können so ein bisschen was davon. Anglifizierung und Anglizismen sei Dank! Vielen Menschen geht es eigentlich auf den Nerv, dass wir statt der Worte aus dem eigenen Sprachschatz lieber die englischen nutzen. Die klingen oft einfach viel cooler und Sprachneuschöpfungen wie Entlehnungen welche sind, sind auch ganz normal wenn Gruppen unterschiedlicher Sprachen miteinander zu tun haben, schließlich sagen Englisch-Sprachige Menschen ja auch Schadenfreude, Doppelgänger, Hamburger oder Kindergarten. Und so wundert es nicht, dass viele Anglizismen aus dem geschäftlichen, viele aber auch aus dem kulturellen Bereich stammen.

Entlehnung light

Doch neben cool, committen oder asap kommen nicht nur ganze Vokabeln zu uns aus der englischen Sprache. Wir verändern an manchen Stellen auch unsere Sprache einfach, ohne direkt Anglizismen einzubauen. Neben dem un-reflexiven Erinnern ging das auch vor Jahrzehnten schon mit der Frage, was Sinn macht oder eben ergibt.

Macht Sinn / ergibt Sinn

Nicht ganz so frisch wie der Verlust der Reflexivität beim Verb erinnern ist der allgemein häufig gemachte Fehler, „Das macht Sinn“. Jeder weiß es, jeder macht es trotzdem falsch, siehe Diese Sprachfehler macht jeder (fast). Sinn macht etwas nur im Englischen – ‚to make sense‚ -, im Deutschen ergibt nur etwas Sinn, aber was soll’s, wenn es jeder sagt, wird es schon richtig sein 😀

Erinnern ereilt Schicksal der Teil-Entlehnung

So haben wir also eine spezielle Form der Entlehnung: Hier wird nicht eine Vokabel in eine andere Sprache überführt, sondern es werden lediglich die Rollen verändert, die sie im Sprachgebrauch fordert. Eigentlich fordert erinnern nämlich zwei Personalpronomen, also ich, du, er, sie, es usw., einmal im Nominativ, einmal im Akkusativ und eine Präposition, in der Regel ‚an‘ oder ‚daran‘. Klar, das ist natürlich alles viel zu kompliziert, da lässt man das Ganze einfach weg, warum auch nicht.

Zuerst beim Lanz, jetzt bei Freunden gehört

Das dachte sich wohl auch Markus Lanz, dessen Show ich schätze und aus dessen Mund ich Erinnern erstmals in seiner wohl leider neuen Form gehört habe. Ich erinnere (mich daran), dass ich erst von einem Versprecher ausging, doch dann tat er es wieder. Und wieder. Und nun habe ich das nicht-reflexive Erinnern auch von Freunden gehört. ‚Erinnerst Du, als wir da waren?‚ Ich erinnere MICH gerne AN das alte Erinnern zurück und ich werde es auch so beibehalten, denn es handelt sich hier meiner Meinung nach auch wieder nur um einen der Fehler, der einfach keinen Sinn macht! 😉

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