Game Review – Civilization: Beyond Earth, Teil 3

Das Spiel plätschert manchmal wirklich dahin. Da vergehen Jahrzehnte, bis wir überhaupt mal mehr tun, als einen Bautrupp auf sein Nachbarfeld zu schicken. Aber: Civilization: Beyond Earth weiß solche Strecken zu überbrücken! Interessant wird’s immer dann, wenn wir eine der wirkungsvollen Neuerungen erreichen, eine Expedition leiten oder aus lauter Kultiviertheit eine neue Stadt gründen dürfen.
Hier haben sich Sid Meier und Firaxis mal wieder einiges ausgedacht, einiges neu, anderes altbewährt.

Jeder hat so seine Affinitäten

Die Affinitätstufen von Beyond Earth sind so eine ganz neue Neuerung. Sie gab’s in dieser Form auch im irdischen Vorgänger CIV 5 noch nicht und sie machen eine Menge Spielspaß aus. Je nachdem, was wir erforschen (und teilweise auch durch Quests), steigen wir in den Affinitäten-Stufen auf. Die wiederum machen Erkunder Alien-sicher, Straßen gratis, upgraden automatisch Einheiten und sind auch Grundlage für drei der 5 Siegmöglichkeiten:

Siege

Durch entsprechend hohe Affinitätsstufen können wir bestimmte Wunder bauen, die wiederum zum Gesamtsieg führen.
Na klar, es gibt immernoch die Möglichkeit, alle Gegner platt zu machen, um zu gewinnen. Aber in Civilization: Beyond Earth denkt man jetzt auch mehr an die Spieler, die es auch mal auf friedlich-technologische Weise lösen wollen.

In 5 Stichpunkten: So kann eine Partie Civilization: Beyond Earth ablaufen

1. Aliens zurückschlagen, erkunden, allen hallo sagen
2. Expeditionen, Städte 2 + 3, guten Werte-Start hinlegen
3. Den ersten Gegner aufs Korn nehmen, Entscheidung über Affinität und Sieg
4. Den ersten Gegner beseitigt, den zweiten aufs Korn genommen, Krankheitsprobleme lösen
5. Musiklautstärke auf 0 stellen, Affinittät auf 13 leveln & Wunder bauen oder doch…alle platt machen

Darum ist Civilization: Beyond Earth durchgehend motivierend

1. Erkunder: In Civilization: Beyond Earth können Erkunder jetzt auch etwas mehr als nur „in der Gegend rumgucken“. Sie können Expiditionen durchführen, die am Anfang sehr willkommene Belohnungen mit sich bringen. Durch die jeweils ersten Stufen in Reinheit und Vorherrschafft erhalten sie zudem 1 Extra Expeditionsmodul, sowie Immunität vor Alien-Angriffen.

2. Quests: Quests sind ein mittlerweile sehr starkes element in Civilization. Und das ist auch gut so, denn sie motivieren immer wieder, bestimmte Aktionen durchzuführen und belohnen natürlich auch für erfolgreich absolvierte Aufgaben.

3. Werte: Die Werte-Tabelle – hört sich an, wie bei einer Diät, ist aber ein zentrales Spielelement in Civilization: Beyond Earth:

Wertetabelle

In dem wir Kultur sammeln, sammeln wir auch Punkte für diese Tabelle. Es ist eine sehr ausgeklügelte Tabelle, die uns gleich auf 3 Weisen mit Belohnungen überhäufen kann:

  • Es gibt Bonus für den einzelnen Wert, den wir auswählen, also die vielen kleinen Icons.
  • Es gibt Extra-Bonus auf der X-Achse, also „Macht“, „Wohlstand“ usw.
  • Es gibt Bonus auf der Y-Achse, also I, II, III

Wenn wir es also richtig anstellen, gibt’s für einen neuen Kulturwert gleich dreimal Bescherung 🙂 Das ist sehr motivierend und spornt an, immer wieder neue Kultur ‚ranzuschaffen.

4. Affinitätsstufen: Wie bereits erwähnt, beeinflussen die Affinitäten – Harmonie, Reinheit & Vorherrschaft – stark die gesamte Spielentwicklung. Sie motivieren durch ihre eigenen Boni, sowie durch zahlreiche Gebäude, Einheiten und Wunder, die erst nach Erreichen bestimmter Stufen freigeschaltet werden. Das treibt uns immer wieder an, auf Techs hinzuarbeiten, die neue Affinitätsstufen gewähren.

Was ist nicht so toll in dieser neuen Welt?

Klar, das Prinzip Civilization erreicht Beyond Earth neue Ufer. Doch ist es auch schon ein sehr altes Konzept, das es seit 1991 gibt, siehe erster Teil der Rezension. Das heißt, Sid Meier und sein Spiel kennen sich schon sehr lange. Warum macht man dann also einige Dinge schlecht, die vorher gut waren, wie zum Beispiel die mauen Interaktionsmöglichkeiten mit den anderen Menschenfraktionen? Manche Elemente sind noch nie da gewesen, wie die Aliens. Doch man kann nichts mit ihnen anstellen, außer sie auszurotten. Da waren die Indianer in Colonization vor 20 Jahrenvielseitiger.

Sehr interessant ist auch die Idee mit dem nutzbaren Orbit, das gab’s schon mal so ähnlich in Civilization: Call to Power. Doch der (nicht von Sid Meier persönlich herausgebrachte) Vorgänger hat mehr aus dem Orbit rausgeholt, als nur starre Satelliten. Gleiches gilt übrigens für den Ausbau von Wasserfeldern, die Civilization: Beyond Earth vollkommen außen vor lässt.

Schon immer vernachlässigbar war ja die Spionage. Die ist in Civilization: Beyond Earth zwar Gewinn bringender, als in jedem Vorgänger, bleibt aber trotzdem recht einseitig und spielt kaum eine Rolle im Spielgeschehen.

Ob wir sie nun ausspionieren oder nicht, die anderen menschlichen Fraktionen sind auch so eine Schwachstelle. Erst einmal gibt es nur 8 Fraktionen überhaupt! Bis auf – wie wir finden – 2 Ausnahmen haben ihre individuellen Fähigkeiten wenig bis absolut gar keinen Nutzen. Sie steigen fast nie auf Kooperationsvorschläge ein, sind gleichzeitig aber auch fast schon beängstigend friedfertig. Auf jeden Fall die softeste KI seit es Civ gibt! Sie erklären fast nie den Krieg, jedenfalls nicht dem Spieler, sie machen sehr großzügige Friedensgeschenke aber gleichzeitig nörgeln sie andauernd an allem herum. Das ist irgendwie wie Kniffeln mit Oma.

Das waren jetzt die „dicksten Dinger“ und es sieht viel schlimmer aus, als es dieses insgesamt sehr motivierende Spiel verdient! Bei manchen Dingen darf man ja vielleicht sogar auf Patches oder AddOns hoffen.

Leicht zu gewinnen aber ein Gewinn fürs Zocker-Leben

Fazit: Ich bin (ja, jetzt mal 1. Person Singular ;)) einer der eingangs erwähnten Civilization-Jünger und schon seit 1991 dabei. Ich habe jeden Teil gezockt und netto bestimmt schon ein ganzes Jahr meines Lebens dabei verdaddelt. Vor allem an Civilization IV habe ich eine Menge Zeit verbracht und mich am Ende immer danach gesehnt, „nur noch eine einzige letzte Runde“ auf dem neuen Planeten zu spielen, zu dem ich sie alle beim Weltraummrennen-Sieg geschickt hatte. Das kann ich jetzt tun, dank Civilization: Beyond Earth. Und dafür bin ich dankbar! Und auch ohne Civ-Jünger-Bonus: Durch die vielen motivierenden Elemente und die unzähligen futuristischen Gebäude und Einheiten führt Civilization: Beyond Earth wahrlich weit über das hinaus, was die Erde sonst so zu bieten hat…an Aufbausimulation. Ach Gott, was für ein Genre. Man darf keine grafischen Offenbarungen erwarten, sondern perfekt aufeinander abgestimmte Spielmechanik. Civilization: Beyond Earth schafft das zu einem gewissen Grad, ist dadurch sehr motivierend, aber viel zu leicht zu gewinnen. Naja, jeder gewinnt ja gerne und zwei Schwierigkeitsgrade hoch kann ich noch nach oben.

Pros

+ Viele interessante futuristische Elemente
+ Hohe, durchgehende Motivation
+ Affinitäten als cooles Hauptkonzept
+ Verschiedene friedliche Siegmöglichkeiten
+ Viele Konzepte interagieren miteinander

Cons

– Zu wenige Fraktionen mit lauen Sonderfähigkeiten
– Wunder sind teilweise fast nutzlos
– Wasser und Orbit ebenfalls
– Insgesamt zu leicht
– Musik wiederholt sich zu schnell

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