Game Review: Dragon Age: Inquisition

Dragon Age: Inquisition – Große Rollenspieler-Welt mit schönen Schauplätzen aber teils unschönen Begleiterscheinungen.

Dragon Age: Inquisition ist riesig, sieht riesig aus und macht Riesen-Spaß. Es ist ein Open-World Action Rollenspiel, das aus einer langen, ruhmreichen Spielereihe stammt. Diese erlauchte Abstammung fällt zwar nicht mehr allzu sehr auf, aber DAI ist ein gigantischer Action-Rollenspielplatz.

Dragon Age: Inquisition – Die Story

Als Auserwählter obliegt es uns, die Welt Thedas vor der Bresche zu retten, einer Öffnung ins Nichts, durch die Dämonen ins Diesseits gelangen. Dazu wurde unser auserwählter Held gleich zu Beginn des Spiels mit einer einzigartigen Macht ausgestattet. Ganz nebenbei lösen wir, zusammen mit unseren Begleitern, gleich noch diverse andere Probleme und Problemchen in Thedas. Letztendlich sind wir es, die als Inquisitor die Welt vor Verdebnissen aller Art beschützen und der Inquisition so zu neuem Glanz verhelfen. Und wenn wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren, retten wir am Ende die wunderschön gestaltete Welt von Dragon Age: Inquisition.

Dragon Age: Inquisition Charaktergestaltung

Alles beginnt mit einer Sequenz in einer Höhle. Sie ist düster und unheimlich, doch bevor wir uns den Weg nach draußen suchen, geht’s erstmal an die Charaktergestaltung. Wir können zwischen vier verschiedenen Völkern und darin deren Professionen wählen.

Dann geht’s an die Kosmetik: Anders als bei anderen Rollenspielen, toben wir uns in Dragon Age: Inquisition nur am Kopf des Charakters / der Charakterin aus. Das ist dafür aber wirklich recht detailreich. Wir können alles zwischen Stirn und Kinn nach oben und unten schieben, vorziehen, breiter machen oder auch mit Narben übersähen. Sogar den Bruch im Nasenbein können wir so gestalten, dass unser Charakter wie eine Box-Legende aussieht.

Dragon Age Inquisition Review

Ganz am Anfang gibt’s erstmal das Mal

Haben wir unser gewünschtes Antlitz erstellt, scheint in der Höhle eine schemenhafte Gestalt nach uns zu greifen. Wieder zurück in der Sequenz schenkt sie uns das Mal, das von nun an grün in der linken Hand schimmert.
Trotzdem oder gerade deswegen werden wir aber erstmal eingekerkert und angeklagt. Man wirft uns Schlimmes vor, braucht uns aber jetzt trotzdem für die Bekämpfung eines Risses ins Nichts. Mit Cassandra der „Sucherin“ gehen wir der Sache auf den Grund, bekämpfen einige Dämonen und schauen uns schon mal die Gegend an:

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Was sofort über aufstößt, ist die seltsame Steuerung: Wir müssen die rechte Maustaste drücken, damit unser Held den Kopf bewegt. Sehr gewöhnungsbedürftig.
Unterwegs zum Riss im Nichts lesen wir noch zwei weitere Gefährten auf, Varric und Solas, ein Schurke und ein Elf, die uns fortan begleiten. Interessant: Wir können zwischen allen Gruppenmitgliedern hin- und her-switchen, also alle separat steuern, wobei sich die jeweils nicht-ausgewählten drei Charaktere selbst steuern. Schön: Auf diese Weise können wir die verschiedenen Charakterklassen alle mal ausprobieren, ohne dafür jedes Mal mit einem neuen Charakter ein neues Spiel beginnen zu müssen.
Die KI-Kollegen kommt ganz gut hinterher, auch in unwegsamem Gelände. Sollten sie doch einmal verloren gehen, spawnen die Begleiter kurzerhand in der Nähe.

Filigrane Magie und bloße Gewalt – Was jede Heldentruppe braucht

Das ist auch gut so, denn in den Kämpfen mit den immer stärker werdenden Gegnern hätten wir alleine keine Chance. Wie auch im Pen & Paper Bereich, besteht eine ausgewogene Abentuerer-Gruppe idealerweise aus einem „Prügelflügel“ und wenigstens einem Magiebegabten. Während der Prügelflügel sich ums Grobe kümmert, kümmert sich der Magus um deren Heilung, bzw. alles, was sonst noch Klugheit erfordert. In Dragon Age: Inquisition übernimmt am Anfang Solas diesen Part, Cassandra und Varric gehen ganz vorne rein und dann ist da ja noch der Spieler-Charakter.

Keine Taktik ist auch ’ne Taktik

Auch, wenn diese Kampfaufstellung ja schon so die eine oder andere Entscheidung vorweg nimmt, kann man sich in Dragon Age: Inquisition richtig in die Taktik vertiefen: Dazu dient nämlich die Taktikübersicht, in der jeder Held eigene Befehle erhalten kann. Die Steuerung hier lässt ein wenig zu wünschen übrig. Es ist schon fummelig, sich über das pausierte Schlachtfeld zu bewegen, einzelne Helden auszuwählen, wieder übers Schlachtfeld zu scrollen, um dann einen Gegner auszuwählen. Noch dazu hat die Taktik kaum Auswirkungen und alle kämpfen sowieso auch von sich aus sehr gut mit.

Dragon Age Inquisition Taktik

So auch, wenn es am Ende dieser ersten Reise gegen den Boss geht. Zusammen mit einigen Bogenschützen der Armee bringen wir einen riesigen Dämon zur Strecke. Wie alle seine Kollegen, kommt auch er aus einem Riss ins Nichts, den nur unser Auserwählter Held mit seinem grünen Mal in der Hand schließen kann.

Dragon Age Inquisition Bosskampf Nr. 1
Am Ende dieses Prologs haben wir uns Cassandras Vertrauen erarbeitet, die uns nun vorschlägt, gemeinsame Sache gegen die ebenso gemeinsame Bedrohung aus dem Nichts zu machen. Sie ruft die Inquisition neu aus und das Spiel kann beginnen.

Alltag als Inquisitor

Als nun gleichberechtigtes Mitglied der Inquisition, schicken wir uns an, mit unseren Ratsmitgliedern für Recht, Ordnung und Frieden zu sorgen. Dabei beschränken wir uns nicht nur darauf, vor der eigenen Türe zu kehren – bei der Inquisition denkt man etwas größer.

Dragon Age Inquisition Kartentisch
An einem Kartentisch im Palast delegieren wir unsere Emissäre über das gesamte Land und erledigen so allerlei Aufträge. Manche davon bedürfen nicht der persönlichen Anwesenheit des Auserwählten, andere schon.
Der erste Auftrag für den Auserwählten lautet, die Hinterlande zu erkunden. Per Schnellreise geht es in das Gebiet.

Gebiete in Dragon Age: Inquisition

Dragon Age: Inquisition ist zwar ein Open World Spiel, aber nur innerhalb der vorgegebenen Grenzen. Wir können uns also nicht, wie zum Beispiel in Skyrim, wirklich vollkommen frei überall hinbewegen, sondern besuchen die Gebiete per Schnellreise und sehen auf dem Weg dorthin einen Ladebildschirm.
Innerhalb der Gebiete kann es auch Zugangsbeschränkungen geben, wie zum Beispiel Felswände, eingestürzte Brücken oder verschüttete Höhleneingänge. Manche dieser Grenzen lassen sich jedoch Zuhause am Kartentisch per Inquisitionsmission entfernen.

Dragon Age Inquisition Hinterlande

Oh, wie schön die Hinterlande sind

Natürlich haben Hinterlande und Co. noch viel mehr zu bieten: Die Gebiete in Dragon Age: Inquisition sind vielseitig und sehr schön gestaltet. Wir erkunden strahlend bunte Waldgebiete, düsetere Zombie-Sümpfe oder auch triste Wüsten.
Die fotoreife Flora wird allerorts durch eine vielseitige, lebendige Fauna angereichert: Wo uns im Wald Hirsche, Schweinchen oder sogar Riesen über den Weg laufen, bekommen wir es in anderen Gefilden mit Wolfsrudeln, Drachenjungen oder gar ausgewachsenen Drachen zu tun. Zu diesem und weiterem Getier aller Größenordnungen kommen auch noch jede Menge Pflanzen, die wir teilweise auch ernten können. Neben den schönen Aussichten sind alle Gebiete also auch interaktiv nutzbar und bieten jede Menge Stoff für Tränke, Rüstungen oder Magisches.

Interaktivität in Dragon Age: Inquisition

Leider sind aber längst nicht alle Gegenstände oder Personen in Dragon Age: Inquisition „nützlich“. Ziemlich überrascht waren wir zum Beispiel, als wir das erste Mal in Haven, der Machtzentrale der frühen Inquisition, aufschlagen. Dort nämlich sind gut 200 NPCs unterwegs, wir können aber mit nur etwa einem Dutzend von ihnen (meist recht überschaubere) Unterhaltungen führen.
Vielleicht sind sie so einsilbig, weil sie alle auf den Truppenübungsplätzen exerzieren. Na gut, vielleicht können wir eine der zahlreichen Ausrüstungen nehmen, die hier wirklich überall herumliegen. Nein, wieder Fehlanzeige. Äpfel essen, all die vielen Bücher lesen, ins Bett legen, Möbel umwerfen und und und – die Umwelt ist in Dragon Age: Inquisition sehr unbeeindruckt vom Inquisitior und lässt nur bedingt Interaktion zu.

Dragon Age Inquisition interaktiv

Hier will wirklich KEINER mit uns sprechen 🙁

Haufenweise Nebenaufgaben in Dragon Age: Inquisition

Doch das, was wir tun, tun wir mit Freuden, denn neben der Hauptquest (schon fast vergessen, die Dämonen-Bresche schließen) öffnen sich an den wenigen interaktiven Stellen sehr viele Nebenaufgaben und Miniquests. Die Möglichkeiten, sich in den Gebieten von Dragon Age: Inquisition die Zeit zu vertreiben, sind nahezu überwältigend. Mit unseren drei Begleitern – von denen wir übrigens im Spielverlauf noch mehr bekommen – suchen wir Schmuckstücke, überbringen Briefe, suchen Grabstätten auf, finden Schätze oder erlegen lästige Raubtiere.

In jedem neuen Landstrich, den wir besuchen, gilt es zudem, Landstriche zu entdecken und Sehenswürdigkeiten für die Insuisition zu beanspruchen – das können je nach Gebiet gut und gerne schon mal jeweils zwei Dutzend sein.
Auch finden sich in vielen Gebieten magische Scherben, die wir aber erst einmal mit Hilfe eines ebenfalls magischen Schädels im Gelände sichtbar machen müssen.
Dazu kommen viele weitere Sammel- Gebiets- oder Erkundungs-Quests, ach ja, und die Inqusitionstruppen vor Ort bitten uns auch immer wieder mal, Requirierungen zu erledigen. Also immer gut zu tun in Dragon Age: Inquisition.

Bevor das Ganze droht, sich in Details zu verlieren, zurück zur Hauptquest, deren Fortschritt wir selbst bestimmen können: Auf der Suche nach Verbündeten legt die wiederbelebte Inquisiton sich leider mit den Falschen an. die Hauptquest wird fortgesetzt mit einem epochalen Schlachtenschauspiel mit filmreifen Sequeznen und Wendungen. Ein neuer Krieg bricht los. Am Ende lassen viele Menschen auf Seiten des Auswerwählten ihre Leben. Doch aller Ende ist immer auch ein Anfang. Die Inquisition gewinnt nach dieser Niederlage unter neuer Führung neue Stärke, wendet sich mehr denn je ihren großen Aufgaben zu und erhält ein neues, beeindruckendes Hauptquartier.

Fazit

Dragon Age: Inquisition stammt aus einer langen, ruhmreichen Serie, die hier aber nicht mehr immer wiederzuerkennen ist. Viel mehr sind Parallelen zu einer anderen großen Serie und deren letztem Hit zu erkennen. Im naheliegenden Vergleich mit Skyrim hat Dragon Age: Inquisition deutliche Nachteile, was die freie, offen begehbare Welt und deren Interaktivität angeht.
Die wunderschöne Grafik von Dragon Age: Inquisition ist, mehr als drei Jahre nach Skyrim, natürlich ein Punktgewinn für den Bioware-Titel. Manchmal fehlt uns aber stellenweise der passende Sound dazu: Die Musik geht meistens unter, außer im Startmenü, aber die FX-Sounds sind allesamt satt und stimmig gelungen, die vielen Profi-Sprecher sind die pure Freude.

Neben dem Zwang, immer mit drei Verbündeten zu spielen, kann Dragon Age: Inquisition zudem auch nur in der Third-Person Perspektive gespielt werden. Die Steuerung ist vor allem am Anfang extrem gewöhnungsbedürftig (rechte Maustaste gedrückt halten), die Menüführung und noch mehr das Inventar sind sehr unübersichtlich.
Das Kampfsystem ufert nicht selten in stumpfe Klickerei aus, dann und wann gilt es, Sondertaktiken zu aktivieren. Bogenschützen müssen fast gar nicht richtig zielen – das ist sehr eigenartig.
Trotzdem sind die Kämpfe, vor allem mit den immer wieder auftretenden Dämonenhorden, schon spaßig. Durch die Talentbäume ergeben sich durchaus unterschiedliche Kämpfertypen, von Feuermagier über hinterlistige Schattenkrieger bis hin zum Super-Tank in vorderster Front.

Von Front bis befriedetes Hinterland – Dragon Age: Inquisition führt uns während des Spielverlaufs durch eine gigantische Halb-Open World, an der Action-Rollenspieler mindestens 60 Stunden lang ihre pure Freude haben werden. Kenner anderer Titel, wie eben Skyrim, werden hier und da Unterschiede von begrüßenswert bis verwunderlich entdecken, aber Dragon Age: Inquisition wird durchaus zurecht als echter Hit bezeichnet und wird auch uns immer wieder Spaß bereiten.

Pros

+ Riesige Welt mit vielen Gebieten
+ Viele Nebenquests
+ Sehr gute, bekannte Sprecher
+ Vielseitiges Steigerungssystem
+ Unterschiedliche Klassen gleichzeitig spielbar
+ Interessanter Aufgabenmodus

Cons

– Merkwürdige Steuerung…
– Komplizierte Menüführung
– Inventar unübersichtlich
– Musik geht oft unter
– Welt insgesamt zu wenig interaktiv
– Kampftaktiken größtenteils irrelevant

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