Game Review – The Witcher 3: Wild Hunt

Jetzt habe ich so lange Zeit schon in der Welt von The Witcher 3: Wild Hunt verbracht, da ging doch viel zu lange schon das zugehörige Review von meiner Seit unter. Doch damit ist jetzt Schluss! Nach nunmehr über 100 Spielstunden habe ich wohl genug mit Geralt von Riva entdeckt, um mir ein umfassendes Bild vom (nicht mehr ganz so) brandneuen Action Rollenspiel Hit zu verschaffen.

Witcher 3 PC

Witcher 3 PC – Ein Mann und sein Pferd kämpfen gegen das Unglaubliche

Was macht eigentlich… der Hexer?

Hexer ist eine Berufsbeschreibung, die man so auf keinem der einschlägigen Berufsportale im Internet findet. Aber was macht ein Hexer denn so den ganzen Tag? Er marschiert durch die finstersten Gefilde, wo sich sonst nur Bestien und Monster aufhalten. Letztere nimmt der Hexer aufs Korn, um damit sein Geld zu verdienen. Gleichzeitig schützt der Hexer mit seinen Taten die Menschen und sollte eigentlich als Held gefeiert werden. Trotzdem ist sein Image in der Bevölkerung kein gutes, und so muss sich auch Geralt von Riva immer wieder vor die Füße spucken und sich von der Seite anmachen lassen.

The Witcher 3: Wild Hunt – Die Story

Doch flippt Geralt deswegen aus? Lässt er sich provozieren? Wünscht er sich vielleicht sogar manchmal, einen anderen Beruf gelernt zu haben? Nein! Geralt von Riva ist eine echt coole Socke, nicht nur wenn es darum geht, über die Anfeindungen der Bevölkerung hinwegzusehen, sondern auch in all seinen anderen Facetten. Die lerne ich zu Anfang von The Witcher 3: Wild Hunt ganz langsam und behutsam kennen. Wir starten in Kaer Morhen, der Hexerfestung, wo wir mit einem kleinen Tutorial sanft in Steuerung und Story eingeführt werden.

Witcher 3 PC

Kaer Morhen, die Hexer-Festung – hier startet unsere Reise

Nach einigen Fingerübungen in Sachen Bewegung, Kampf und auch Hexersinne werden wir mit dem Problem konfrontiert: Unser Schützling, das Mädchen Ciri, verschwindet von jetzt auf gleich aus der Festung der Hexer. Geralt und sein Mentor Vesemir machen sich auf den Weg, Ciri zu finden.

Quests und alles, was dazu gehört

Und damit direkt zu unserer ersten Quest in The Witcher 3: Wild Hunt, Ciri finden. Zusammen mit Vesemir begeben wir uns zu Pferde auf die Suche nach ihr und reiten durch Temerien, über seine Felder, durch seine Wälder und in seine Dörfer und Städte.

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Novigrad – die größte Stadt im Spiel und Demonstration von schönem Spieldesign

Alles Orte, an denen The Witcher 3: Wild Hunt massig Quests, unbekannte Orte, Schätze oder NPC-Auftraggeber verteilt hat. Auf den Anschlagbrettern in den Siedlungen, an den Straßenecken oder auch im Rahmen der Quests gibt es immer etwas für Geralt zu tun. Dabei werden die Quests in Schwierigkeitsgrade aufgeteilt, die immer mit dem momentanen Level-Status unseres Hexers abgeglichen werden. Ist eine Quest zu hochstufig, weist uns das Spiel mit einem roten Totenkopfsymbol darauf hin.

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Eines der vielen Anschlagbretter im Spiel: Quests ohne Ende

Die Questvielfalt ist hervorragend, reicht von Schatzsuche über Prügeleien bis hin zu vielen Monsterjagd-Aufträgen. Wir müssen tauchen, Boote fahren, Höhlen erkunden und Portale durchschreiten. Wir nehmen an Reitwettbewerben teil, an Box-Turnieren oder auch solchen mit Karten.

Gwint: Ein hervorragendes Spiel im hervorragenden Spiel

An dieser Stelle sei ganz besonders Gwint hervorgehoben. Das In-Game Kartenspiel ähnelt realen Sammelkartenspielen. Es gibt Kreaturenkarten und einige Sonderzauber, mit denen man die eigenen Kreaturen verstäken oder die des Gegners schwächen kann. Gespielt wird mit einer Hand, Karten ziehen ist nur durch bestimmte Karten- oder Spieleffekte möglich. Immer abwechselnd legen die Kontrahenten ihre Karten. Wer nach bis zu drei Runden alle Karten gelegt hat und am Ende eine höhere Einheitengesamtstärke hat, gewinnt Gwint.

Erfahrungspunkte und leveln in The Witcher 3: Wild Hunt

Auch Gwint kann Teil einiger Quests werden, und als Gewinner zieht man von den Gegnern Karten ab. Normalerweise läuft das aber in The Witcher 3: Wild Hunt anders ab, nämlich über Erfahrungspunkte. Kein revolutionäres Konzept, aber eben bewährt. Durch jedes Monster, das man erledigt, durch bestimmte Konversationen, durch jedes gelöste Problem sammelt der Hexer Erfahrung. Je nach Gewichtung schlägt sich diese in mehr oder weniger Punkten nieder. Diese wiederum tragen zum Stufenanstieg bei, der wiederum im Perk-System neue Talentpunkte freischaltet.

PERK-System in The Witcher 3: Wild Hunt

Immer wieder gerne zum Diskussioninhalt über Spiele herangezogen: das Steigerungssystem. In The Witcher 3: Wild Hunt ist es relativ simpel gehalten: Pro Stufe (bzw. pro Ort der Macht) gibt es einen Talentpunkt, den man in Talente investieren kann. Fünf Talente gibt es, beispielsweise für Kampf oder Magie. die gesteigerten Talente können in einem Special-Talentbaum aktiviert und durch besondere Items, die so genannten Mutagene, noch verstärkt werden. So erhält Geralt zum Beispiel durch drei aktivierte Kampftalente und ein „rotes Mutagen“ einen wertvollen Bonus auf seine Angriffskraft.

Kampfsystem in The Witcher 3: Wild Hunt

Und damit auf in den Kampf von The Witcher 3: Wild Hunt. Geralt ist – wie eingangs schon gesagt – eine coole Socke. Das gilt auch für seinen Kampfstil. Er führt zwei Schwerter, eines für Menschen und eines für alles andere. Seine Bewegungen sehen sehr geschmeidig aus und können durch den Einsatz von Talentpunkten oder durch den Kampfwert Adrenalin auch sehr schick variieren. Unter Hinzugabe seiner Zauber gereichen Geralts Fähigkeiten zu einem sehr ansehnlichen und für Gegner ziemlich tötlichen Stil – natürlich immer vorausgesetzt, der Gegner ist nicht deutlich Stufen-überlegen.

Zauber in The Witcher 3: Wild Hunt

Die Zauberfähigkeiten des Hexers beschränken sich quantitativ auf fünf Sprüche, bzw. „Zeichen“. Ingi, der Feuerzauber, Quen, der Schutzschild und Co. eignen sich sehr gut, um im Kampf für Geralts Sieg zu sorgen. Manchmal geht es aber auch darum, mit „Axii“ die Psyche unserer Gegner beeinflussen.

Items, Crafting und Handel

Eigentlich können wir mit Axii alles und jeden beeinflussen, wenn wir eine bestimmte Talentstufe darin erreicht haben. Leider geht dieser Jedi-Trick bei den Händlern in The Witcher 3: Wild Hunt nicht, aber das würde ja auch schon an cheaten grenzen. Für mich als Action Rollenspiel Fan immer ganz  groß: der Sammeltrieb. Alle Gegner lassen teile ihrer Ausrüstung fallen, Soldaten schmeißen ihre Schwerter hin, Greifen ihre Schnäbel, Ertrunkene ihre Hirne.

Alles kann Geralt einpacken und weiterverwenden: Waffen können verkauft oder auch – sehr geil – beim Schmied in ihre Einzelteile zerlegt werden. Die Teile wiederum können dann für neue Schmiedearbeiten verwendet werden. Noch interessanter sind aber die zahlreichen alchemistischen Dinge. So erhält man beim Monster-Schlachten immer wieder Zungen, Embryos oder Klauen von all den Viechern, die das Leben als Hexer so interessant machen. Und das auch beim Herstellen von Tränken, Ölen und Elexieren. Geralt kann sich einiges zusammenmixen, um sich das Leben schöner und den Tod der Gegner schneller zu machen. Immer zwei der alchemistischen Erzeugnisse können auf Kurzwahltasten gelegt werden.

Insgesamt finden sich haufenweise Waffen und Rüstungsgegenstände in toten Gegnern und Kisten, Dutzende und Aberdutzende Körperteile, Essenzen oder Trophäen von besiegten Kreaturen und zahlreiche Rezepte und Bauanleitungen in Truhen, Fässern und Paketen. Man kann sehr viel herstellen und eben auch wieder zerlegen lassen – allein das Zerlegen aller möglicher Sachen in ihre Bestandteile beim Schmied macht Riesenspaß!

Technik

Und das gilt auch für das Spiel insgesamt. Geralts anmutige Bewegungen, das stimmungsvolle, lebendige Land mit Leuten, die komplett vertonten Dialoge oder der verhorragende Soundtrack in jeder Etappe des Spiels machen The Witcher 3: Wild Hunt zu einem begehbaren Kunstwerk.

Das Ganze ruft natürlich auch etwas an Systemanfoderungen ab: Auf höchster Stufe ist schon ein ordentlicher PC vonnöten, um ruckelfrei auf die Jagd nach der Wilden Jagd zu gehen. Ein i7 Prozessor, eine GeForce GTX770 und wenigstens 8GB RAM sollten es für hohe Grafikeinstellungen schon sein.

So oder so gibt es an manchen Stellen aber auch immer mal wieder kleine Fehler. Da poppen plötzlich aus heiterem Himmel Personen auf, manchmal erscheinen ihre Haare erst zwei Sekunden nach dem Rest. Manchmal schweben Tiere oder Menschen in der Luft und immer wieder schimmern Gegenstände durch, wo sie es eigentlich nicht sollten. Das ist aber nicht des Hexers Werk!

Und das alles ist auch nicht genug, um der hervorragenden Spielatmosphäre Abbruch zu tun. The Witcher 3: Wild Hunt betört die Sinne und macht zu jeder Spielminute Lust auf mehr, auch nach über 100 Stunden noch. Der Wiederspielwert ist hoch, denn es gibt ja verschiedene Schwierigkeitsgrade, und wer weiß, vielleicht sieht man ja beim nächsten Mal ein anderes von mehreren möglichen Enden im Spiel.

Das ist dann wohl das Ende der Berufsbeschreibung „Hexer“ – so schlimm ist der Job gar nicht. Es gibt viel Feind, viel Ehr und auch mit den Frauen hat man’s als Hexer nicht so schwer.

Pros

+ Riesige frei begehbare Welt
+ Unzählige Nebenquests, Monsterjageden, Schatzsuchen
+ Sprecher und Sountrack komplett und sehr gut
+ Entscheidungen beeinflussen das Spielgeschehen
+ Gwint!

Cons

– Steigerungssystem etwas flach
– Später im Spiel fast nur noch Unterlevel-Quests
– Hier und da Grafik-Fehler
– „Navi“ spinnt manchmal

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