Hast Du Töne, Deutsch!

Im Deutschen kann Intonation Bedeutungsdistinktiv sein. Klingt kompliziert, ist aber auch im Deutschen ganz einfach erklärt. Zwar ist Deutsch keine Tonsprache, wie das krasse Gegenbeispiel, Chinesisch. Das heißt gleichwohl nicht, dass es im Deutschen unmöglich ist, durch pure Betonung völlig verschiedene Dinge zu artikulieren.

Folgende Beispiele lassen sich im wahrsten Sinne laut lesen:

Das Baustellenhütchen umfahren vs. Das Baustellenhütchen umfahren

Rein orthografisch gibt es keinen Unterschied, den der liegt auf der Lautebene. Beide Verben sind in diesem Falle Homophone, die, mit Betonung auf verschiedenen Silben, unterschiedliche Bedeutung gewinnen. Ich ersetze die phonologische Notation an dieser Stelle mal durch simple Unterstriche, um zu verdeutlichen, wo die Betonung liegt:

Das Baustellenhütchen umfahren vs. Das Baustellenhütchen umfahren – Ein sehr anschauliches Beispiel, verdeutlicht es doch gleich auch noch im Kontext die Konsequenz des jeweiligen Verbs für das Baustellenhütchen, nämlich umfahren, bzw. umgefahren zu werden.

Ähnliches Beispiel, gehört in der Serie „Stromberg“: „Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.“

Ein täglich von jedermann angewendetes Beispiel ist die phonetische Unterscheidung zwischen Frage und Aussage. Stellen wir im Deutschen eine Frage, endet diese mit einer betonten Silbe. Wenn wir einen Teil einer Aussage in einen besonderen Fokus setzen wollen, können wir auch Satzinitial betonen, etwa bei Kartoffeln esse ich gerne! oder als Frage Kartoffeln ist Du gerne? – Anhand dieses Beispiels lassen sich gleich zwei Phänomene beobachten: ist die Betonung initial und final vorhanden, handelt es sich um die Frage nach Kartoffeln und gerne, ist die Betonung nur final fragt man nach dem gerne.

Betonung macht Bedeutung

Quelle: http://www.theepochtimes.com

Quelle: http://www.theepochtimes.com

Das eingangs erwähnte Chinesisch ist eine so genannte Tonsprache. Viele bedeutungsdistinktive Elemente, wie Numerus, Tempus oder Kasus werden hier nicht hauptsächlich durch zusätzliche Worte realisiert, sondern durch Intonation.
Eines der berühmtesten Beispiele dafür ist der Text Löwen-essender Dichter in der Steinhöhle. Er besteht aus 92 Zeichen in klassischem Chinesisch, die alle shi gelesen werden. Einzig die verschiedenen Betonungen machen den Unterschied.

Doch das muss man einfach selbst gehört haben:

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