Informations-Recycling im Online-Journalismus

Online-Magazine haben den Trend für sich entdeckt, ihre Informationen einfach doppelt und dreifach zu präsentieren. Ja, sie präsentieren sie, anstatt sich dafür zu rechtfertigen. Da werden Daten, Fakten, News und Stories einfach mehrfach verwurstet. Das machen nicht alle so, aber sehr wohl diese, denen Werbeeinnahmen mindestens so wichtig sind, wie die Leser. Die wiederum sind mehr Hingabe gewohnt, der Braten fängt an zu riechen.

Wie funktioniert Informations-Recycling im Online-Journalismus?

Ist das wirklich so, werden Artikel sozusagen paraphrasiert und doppelt veröffentlicht? Werden bereits bekanntgegebene Informationen in anderen Worten noch einmal publiziert? Wie auch die beiden vorangegangenen Sätze haben manche Artikel in einigen Online Magazinen im Prinzip den gleichen Inhalt. Und zwar vor allem die, die das größte Besucher-Potential haben.

Wenn der erste Artikel so langsam aus dem Fokus der Startseite gerutscht ist, muss er wieder hochgeschoben werden. Also schnell umtexten, vielleicht ein Gerücht oder eine Mutmaßung und ein neues Bild dazu, dann ist ist der recycelte Artikel fertig und kann wieder neue Anzeigen-Einnahmen generieren.

Für Leser, die schon den ersten Artikel gelesen haben – also den mit dem echten Mehrwert -, sind alle folgenden Artikel nichts wert. Aber für das Online Magazin! Sie erzielen damit Klicks, die wiederum Werbeeinnahmen durch den Anzeigen-Verkauf erzielen. Das ist Online-Marketing – böse Zungen könnten auch sagen Clickbait.

Wichtig sind die Klicks, nicht die Leser

Clickbait bezeichnetdas Streben von Internetseiten nach Besuchern und Klicks. Daran ist ja zunächst einmal nicht Falsches zu erkennen, schließlich freut sich jeder über Besucher auf der Website. Beim Clickbait geht es aber nicht in erster Linie um Besucher, sondern um das Geld, das die Besucher erzeugen. Die treuen Besucher merken das – und fangen an zu meckern.

Mein favorisiertes Online-Magazin für Games – Gamestar – scheint es ähnlich zu handhaben, und mich macht das traurig. Vor einigen Wochen machte man den Verkauf an einen neuen Investor aus den USA bekannt. Dessen neue Marschroute fällt mittlerweile jedem regelmäßigen Leser deutlich auf.

Beispiele für Informations-Recycling

Auch ich bin so ein regelmäßiger Leser, ich habe sogar vor einigen Jahren noch die Zeitung abonniert!!! Zeitung, das sind Internetseiten zum Umblättern (Anm. d. Bloggers). Dieser Tage muss ich Online-Journalismus konsumieren, und das macht mich manchmal auch traurig. Ich besuche wie üblich regelmäßig – das heißt täglich wenigstens zweimal – die Website der Gamestar, um zu erfahren, was es Neues gibt. Dabei interessieren mich sowohl Games verschiedener Genres, wie ab und zu auch Hardware-News.

Vor allem aber bei den großen, publikumsstarken Games, den so genannten AAA-Games, fällt auf, dass auch bei gamestar.de ziemliches Informations-Recycling betrieben wird. Zuletzt gab es große neue Releases (= Veröffentlichung von Spielen), wie GTA5 oder The Witcher 3, die natürlich wichtig für die Branche sind und die viele Spieler interessieren. Auch die größte Spielemesse der Welt, die E3 in Los Angeles, ist gerade ein großes Thema.

Große Themen, große Aufmerksamkeit. Die Gamestar nutzt mutmaßlich diesen Fakt, um mittels Informations-Recycling viele Clicks in vielen Artikeln zu wenigen Themen zu erzeugen. Wie gesagt: umschreiben, auf der Startseite ganz oben wiederverwetren, erneute Einnahmen. Die Leser bemerken das Recycling, es schmeckt ihnen nicht. Das zeigt der Kommentar eines offenbar regelmäßigen Lesers unter einem aktuellen Artikel zeigt:

  • Der Kommentator hat genau erfasst, worum es beim Informations-Recycling geht: Und wieder werden die bisher bereits bekannten Infos neu aufgekocht und ein wenig dazu herumorakelt.Möglicherweise… könnte… eventuell… Alles andere ist reine Spekulation!Quelle: gamestar.de
  • …und nur 8 Minuten später fällt einem anderen auf: Ich hab mir auch gerade gedacht, warum eine eigene „News“ dazu gemacht wird. Das wurde doch schonmal alles erzählt, sogar mit Video o.O
    Insgesamt fällt mir in letzter Zeit immer häufiger auf, dass ich auf vermeintlich interessante News klicke, die den komplett gleichen Inhalt bieten, wie eine News die ein paar Tage zuvor reingestellt wurde. Verwirrung.Quelle: gamestar.de

Fußball – ebenfalls viel Potential für Informations-Recycling

Genauso macht man es übrigens gerne bei fussballtransfers.com. Die Seite beschäftigt sich nicht Games, sondern, ja, mit Fussballtransfers. Ebenfalls ein sehr aufmerksamkeitsstarkes Thema, das genauso mit recycelten News abgefrühstückt wird. Und – ich mutmaße jetzt einfach wieder mal – ebenfalls geht es hier um Clickbait, sprich um Einnahmenerzeugung. Die Leser scheinen hier nicht so wichtig zu sein, das zeigen die relativ hohe Fehlerquote in Wort und Grammatik. Zudem trifft auch hier zu, was der erste Kommentar oben sagt: neu aufgekochte Infos, um die herumorakelt wird. So endet gefühlt jeder zweite Artikel auf fussballtransfers.com mit den Worten ‚man darf also gespannt sein‘, oder ‚das steht noch in den Sternen.‘ oder ‚wird sich in Kürze zeigen‚.

Ich kann es einsehen, aber nicht mehr mit ansehen

Liebe Online-Journalisten und solche, die unter US-Investoren kreativ sein müssen: Der Niedergang der Printmedien und die monetären Verlockungen des Online-Marketings in allen Ehren. Aber so geht’s nicht weiter. Das ist viel zu viel Masse, regelmäßige Leser werden vergrault und durch solche ersetzt, die mal eben auf dem Klo die App rauf und runter scrollen. So ist Online-Journalismus nichts weiter als die Informationschleifen auf N24 oder Sky Sport News HD. Haste’s Dir ne halbe Stunde angeguckt, fängt’s wieder von vorne an.

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