Ein Komma rettet Omma

Heute mal wieder ein linguistisches Thema, weil es auch einfach manchmal Spaß machen kann. Genau so spaßig und damit vielleicht auch einfacher zu verdauen legte ich neulich ein Thema meinem Sohn beim Waldspaziergang nahe: Bedeutungsdistingtivität. Leicht sperrig, dieser Term, aber ich habe ihn auch gar nicht gebrauchen müssen, um ihm zu erklären, was damit gemeint ist. Ich habe ein lustiges Beispiel gewählt, bei dem eine seiner Ommas nur um wenige Millimeter einem Unglück entgangen ist.

Gewisse Unterschiede in der Satzbedeutung

Da ich es hier ja mit Lesern zu tun habe (also, wenn überhaupt welche kommen), die älter als neun sind, gehe ich mal davon aus, dass ich das Wort Bedeutungsdistingtivität hier auch mal anbringen kann, ohne dass man direkt auf Durchzug stellt. Das ist ja meist das Schicksal von Eltern, die etwas erklären, was in den Augen der Kinder vollkommener Humbug ist – und das ist das Meiste. Jedenfalls ist Bedeutungsdistingtivität dann gegeben, wenn ein kleiner orthografischer Unterschied oder einer in der Betonung oder Interpunktion sich auch semantisch bemerkbar macht.

Kleine Betonung, feiner Unterschied

So können wir zum Beispiel durch die einfache Betonung des Wortes „Ja“ entweder fragen oder antworten. Probieren Sie’s mal aus:

  • Ja mit Betonung, die zum Ende hin hochgeht = Frage
  • Genau anders herum betont man ein bestätigendes Ja

Sowas geht mit vielen weiteren Beispiel, im chinesischen geht das mit der Betonung noch viel weiter, Chinesisch ist daher auch eine sogenannte Tonsprache, wie hier zu sehen, bzw. zu hören ist.

Das kleine Komma als großer Retter

Zu hören ist auch der Unterschied, der Omma also das Leben rettet. Das kleine Komma ist durch eine kurze Pause in der Aussprache zu hören und wird natürlich auch in der schriftlichen Sprache realisiert:

(1) Wir essen, Omma!

(2) Wir essen Omma!

Auf den ersten Blick zwei gleiche Sätze, die aber für Omma zwei ganz unterschiedliche Szenarien bedeuten. Denn während Omma im ersten Satz zum Essen eingeladen wird, ist sie im zweiten selbst das Essen! Das macht für Omma natürlich am Ende des Tages einen Riesen-Unterschied, ob sie isst oder gegessen wird. Mag sein, dass Satz 2 in manchen Kulturkreisen durchaus öfter mal gesagt wird, aber hierzulande sollte man doch lieber immer an das Komma denken. Denn die Bedeutung des kleinen Strichs ist dann doch recht groß – vor allem für Omma 😉

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