Korrekturschleifen

Neulich ist es wieder passiert: Es passt nicht mit dem Kunden. Man kommt einfach nicht auf einen Nenner, was aber auch daran lag, dass der Kunde nicht benennen konnte, was eigentlich an meinen Texten nicht gepasst hat. Endlos-Korrekturschleifen bahnen sich dann an, wenn es nicht mehr um klare Fehler geht, sondern um stilistisches Genörgel. Hier muss der Texter aufpassen, dass er irgendwann nicht nur noch mit Korrekturen beschäftigt ist.

Redaktionelle Richtlinien in Texter-Aufträgen

Plakatives Bild mit leicht weit hergeholtem Bezug zum Beitrag – mein (c)

Plakatives Bild mit leicht weit hergeholtem Bezug zum Beitrag – mein (c)

Natürlich kommt es gerade bei Neukunden mal vor, dass Kunde und Texter sich erst einmal aufeinander abstimmen, sich „eingrooven“ müssen. Und das sollten sie auch im Vorfeld tun, damit es gleich von Anfang an richtig läuft. Es geht um redaktionelle Vorgaben, inhaltliche Richtlinien, nennen wir es wie wir wollen, bestimmte Ausrichtungen im Wording des Texts können schon abgeklärt werden, bevor die Tasten qualmen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Leser ansprechen oder nicht (siezen oder duzen?)
  • Zielgruppe adäquat ansprechen
  • Ausschluss bestimmter textlicher Bestandteile (u.a. auch Anglizismen, Abkürzungen oder Sonderzeichen)
  • positive Textstimmung
  • Gewichtung zwischen Sachlichkeit und Emotionalität
  • positive Ausrichtung zu einem Produkt
  • Korrekte Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung

siehe dazu auch Gute Briefings, schlechte Briefings

Der Knackpunkt bei Korrekturschleifen

Der letzte Punkt ist wohl so ziemlich das Stichhaltigste, woran sich ein Kunde im Lektorat stören kann, wenn diese Dinge nicht eingehalten wurden. Einen konkreten Fehler kann man anstreichen, dem Texter melden, er sieht das sofort ein und entsprechende Fehler werden in der Korrekturschleife behoben. Schwieriger ist das beim Stil, bei abstrakten, subjektiven „Fehlern“, die mehr auf eine konträre Grundeinstellung zu Texten zurückführen.

Das Schlechte an Korrekturschleifen

So war es bei eingangs genanntem Kunden: Die wackere Lektorin strich an knapp zwei Dutzend Stellen im Text Dinge an, die ihr „irgendwie“ nicht gefielen. Es ging nicht um Rechtschreibung, Grammatik oder Zeichensetzung und auch nicht um einen der anderen Punkte aus inhaltlichen Richtlinien – die es übrigens generell nicht bei diesem Auftrag gab. Was es gab, war viel Kritik, die aber nicht nachvollziehbar und somit auch nicht umsetzbar war.

Vorsicht: Endlos-Korrekturschleife

Was dann droht, ist die Endlos-Korrekturschleife, denn wenn ich korrigiere etwas, was der Lektorin dann ebenfalls wieder nicht gefällt, denn sie sagt ja nur, was ihr „irgendwie“ nicht gefällt, also korrigiere ich auch irgendwie. Ein Kunde aus dem letzten Jahr hatte sogar in der zweiten Korrekturschleife noch neue Fehler angekreidet, die er in der Korrekturrunde noch gar nicht markiert hatte. So geht man dann in die zweite, die dirtte oder gar die vierte Korrekturrunde und kommt vor lauter Korrekturen gar nicht mehr zum Arbeiten.

Das Problem liegt beim Kunden, nicht beim Texter

Aber was kann der Texter dafür, wenn der Kunde nicht weiß, was er will? Nichts. Deswegen ist bei mir grundsätzlich nur eine Korrekturschleife drin, bei der auch nicht 100% des gesamten Textes neu geschrieben wird. Wer als Kunde alle möglichen Sonderwünsche hat, muss diese auch im Vorfeld kommunizieren. Aber nicht im Nachhinein alles bemängeln, wovon der Texter nichts wusste.

Das ist so, als…

  • …würde ich ein Auto bestellen, wüsste aber nicht, was man da noch so alles an Sonderausstattung drin haben kann. Ich bekomme also das Auto geliefert und will es dann nicht mehr, weil mit die Einparkhilfe fehlt oder das Head-up-Display. Das muss man eben vorher sagen.
  • …oder als würde ich als Vegetarier in ein XXL-Schnitzel-Restaurant gehen, ein Schnitzel bestellen und dann sagen, dass ich das gar nicht mag.

Gutes Briefing, schlechtes Briefing

Es geht also darum, dass der Kunde sich vorher keine Gedanken darüber macht, wie er die Texte genau haben will. Dabei geht es vielen nur um die Keywordnennungen, die manchmal schon in einem ziemlich engen Korsett enden, das wiederum keine Kreativität zulässt. Stilistisch bleibt dann im Briefing alles auf der Strecke. Wording und Co. sind im Briefing egal, aber nicht in der Korrekturschleife – so geht’s nicht, im wahrsten Sinne. Aber so sind gute Briefings. Wer brieft, dem kann geholfen werden.

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