Mein USA Blog – Teil 4: 4th of July

Wie passend, dass der vierte Blogeintrag auch der zum 4th of July ist. Als hätte ich es so geplant…tststs 😉
Geplant war jedenfalls schon lange im Vorfeld meiner Anreise, dass wir ‚was Schönes an diesem besonderen amerikanischen Tag machen würden. Meine Gastgeberin Nicole schrieb sinngemäß, dass wenn ich die volle Dröhnung USA erleben wollte, wir am vierten Juli das Heimspiel der Seattle Mariners besuchen sollten. Und genau so ist es geschehen.

Kleiner Einwurf noch an dieser Stelle: Am 02.07. wurde Dave’s of Milton von der Essensliste gestrichen:

Der Blauschimmelkäse auf Nicoles Salat war mir sogar für ein Foto zu ekelig…wir wussten jetzt, warum die Gastfamilie in den vergangenen Jahren noch gezögert hatte, dieses Restaurant auszuprobieren 😀

Independence Day – Ein Ereignis wirft seine Schatten voraus

Während man sich offensichtlich in den deutschen Medien fragte, was der US-Präsident sich dabei dachte, eine Militärparade zu veranstalten, rauschten exerzierende Kampfjets über unsere Köpfe hinweg, als wir am 03.07. im Point Defiance Zoo nahe Seattle waren. Die armen Tiere mussten gedacht haben, der Herrgott höchstpersönlich würde sie donnernd zu sich holen, denn sie versteckten sich vor den lauten Jets unter Sträuchern und Felsen.
Auch sonst überall krachte es: Wie auch an den Abenden davor, probierten hier und da überall die Leute ihre Sylvester-…äh Independence Day Böller und Raketen aus.

Erstmal alles wie üblich

Am 4th of July selbst war erstmal alles wie es sonst auch war. Klar, es ist ein Feiertag, die Family war komplett zuhause, aber ich arbeitete und im Grunde gab es kein „Happy 4th of July“ oder irgendeinen Sommer-Tannenbaum in der Ecke. Eigentlich ein Tag wieder jeder andere. Dann fuhren wir aber los zum Baseballstadion, dem T-Mobile Park, wie das Stadion aufgrund seines neuen, deutschstämmigen Sponsors jetzt heißt.

Skyline, Stadion, Skyline – Eindrucksvoll, auch an jedem anderen Tag

Nach einer ca. halbstündigen Fahrt kam die Skyline von Seattle Downtown zum Vorschein, und das war schon ein sehr beeindruckender Anblick. Es ist schon ‚was anderes, ob man eine deutsche oder generell die meisten europäischen Innenstädte sieht oder eine amerikanische mit diesem typischen Wall aus zur Mitte hin stetig anwachsenden Hochhäusern. Ich beteiligte mich mal kurz an keinen Gesprächen mehr, sondern guckte mir so lange wie möglich die Skyline an. Kurz davor sind zwei Stadien gelegen, der T-Mobile Park und das Century Link Field direkt daneben – das Footballstadion der Seahawks.

Ich seh aus wie ein Ami 😉

Nachdem ich beim Warten auf unseren Platz im Parkhaus meiner Gastfamilie „In dieser Nacht“ von Neon vorgespielt hatte, ging es leicht beohrwurmt durch die Menschenmenge zu unseren Sitzen. Ich hatte einen Independence Day Hut bekommen, und mit meiner Sonnenbrille dazu war ich als Deutscher eigentlich kaum noch zu erkennen – Und im Stadion sah ich sie Skyline dann auch nochmal wieder, diesmal wollte ich uns beide auf Fotos festhalten:

Wie interessant ist Baseball eigentlich?

Ja, die Kulisse war schon sehr eindrucksvoll, das Licht war super, es wehte ein angenehmer Wind durchs Rund und – ach ja – da unten wurde ja auch noch Baseball gespielt. Tja, wie finde ich das? Also ich fasse es mal so zusammen:

  1. Das Spiel beginnt einfach so, ohne großes Tamtam und damit irgendwie untypisch für Amerikaner. Plötzlich fliegen da unten die Bälle, ohne Anpfiff oder eine Ansage.
  2. Auch die Amerikaner selbst gucken oft gar nicht wirklich hin, quatschen miteinander, gucken auf die Smartphones, gehen Essen holen oder zur Toilette und verpassen dann auch einfach mal ein oder zwei Innings. So habe ich zum Beispiel den ersten Homerun verpasst, weil ich auf dem Weg zum Klo war…
  3. Die gigantische Anzeigetafel (muss mindestens 1.000 qm groß gewesen sein), lenkt teilweise echt davon ab, das eigentliche Spiel zu beobachten.
  4. Auch wenn ich das Spiel nur zur Hälfte verstehe, habe ich damit nach Aussage meiner Gastfamilie vielen anderen Zuschauern damit immer noch einiges voraus.

Insgesamt ist die Atmosphäre sehr familiär. Man geht hier nicht hin, um sich großartig mit dem Sport an sich zu beschäftigen. Anders als in deutschen Fußballstadien, wo man sich wirklich 45 Minuten auf das Spiel konzentriert, ist Baseball eher so eine Art Familienevent: Zuckerwatte kaufen, Fotos machen, gemeinsam einen Nachmittag was Schönes machen und damit war das vielleicht für den 4. Juli das perfekte Event.

Und der Patriotusmus?

Dass die Amerikaner ihre Nation besonders lieben, habe ich hier und am 4. Juli gleich mehrmals bemerkt. So wollte ich im Souvernirladen eine Mariners-Kapuzenjacke kaufen, weil der Wind im Stadion doch unerwartet frisch war und eine Mütze, weil ich doch eine andere Kopfbedeckung brauchte. Als ich an der Kasse stand und bezahlen wollte, ertönte aber aus mehreren Fernsehern und Lautsprechern die Nationalhymne und ich musste warten, bis der Kassierer fertig mit Singen war. Übrigens verharrten auch alle anderen Kunden in dem Laden in derselben Pose, bis das Lied zuende war. Man hört und liest ja davon, dass das hier so sein soll, aber wenn man es so direkt mitbekommt, als einziger, der nicht die Hand auf die Brust gepresst hat…

Und nochmal Patriotismus

Aber habe ich es nicht genau so erwartet? Unerwartet aber eigentlich folgerichtig kam dann auch der Besuch eines Veteranen im Stadion. Er hatte im „WWII“ – also im Zweiten Weltkrieg – für sein Land gekämpft, kam nun mit einem Gehstock auf den Rasen und wurde mit einem Einspieler auf der Videowand geehrt. Ich kann es nicht alles wiedergeben, was in dem Film gesagt wurde, aber irgendwie war es so hollywood-mäßig aufgemacht, dass ich dachte ‚Mensch Alter, geile Sache, dass Du das damals mitgemacht hast‘ – Schließlich ist es ja wirklich mehr als ehrenwert, dass die Alliierten Europa damals von den Achsenmächten befreit haben, absolut keine Frage! Nur hatte ich dann nicht das Gefühl, aufstehen, klatschen und weinen zu müssen, wie viele um mich herum. Aber so ist das hier eben.

Ein Hauch von Sylvester – Feuerwerk gucken mit der Drohne

Auf dem Rückweg wurde dann noch Feuerwerk gekauft. Safeway hatte offen – die haben IMMER offen -, da kauften wir dann noch unser ID4-Diner, also fast alles, was die im ersten Teil des Blogs beschriebene Fertigspeisenvielfalt so zu bieten hat. Und dann warteten wir, bis es dunkel wurde. Während die Kids unter Moms wachsamen Augen ein paar Funken in die Dunkelheit malten, durfte ich mit der Drohne die „Bigger Ones“ aus 200 Metern Höhe angucken – War auch ganz nett, aber dann kamen die Mücken und ich ging.

Die Seahawks haben übrigens 4:5 gegen die Cardinals aus St. Louis verloren.

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2 Antworten auf Mein USA Blog – Teil 4: 4th of July

  1. Geo sagt:

    Was ist das bloß auf dem Teller? Riesennuggets oder frittierte Schnitzel im Bierteig?

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