Mein USA Blog – Teil 7: Yellowstone Nationalpark

Was macht man, wenn man gerade 10 Stunden und über 1.000 Kilometer von Bellevue nach Great Falls gefahren ist? Klar, man setzt sich zwei Tage später direkt wieder ins Auto und fährt weiter.
Ja, es sollte bald schon weitergehen, denn Ramon und ich hatten den Plan gefasst, zum Yellowstone Nationalpark zu fahren, und diesen Plan setzten wir am 13.07. in die Tat um. Es sollte ein sehr, sehr schöner und langer Tag werden…

On the road again

Da Ramons Auto ca. 20 Liter pro 100 km verbraucht, fiel uns die Wahl nicht schwer, mein edles Ross musste mal wieder ran. Gut, die 1450 Meilengrenze meines Mietwagens hätten wir damit irgendwo zwischen Great Falls und Seattle geknackt, aber die 17 Cent pro Extra-Meile sind immer noch günstiger als…naja, 20 Liter. Genug der Rechenbeispiele, das war die neue Route:

Wir wählten den Westeingang, den wir – alle Zwischenstopps eingerechnet – nach ca. fünf Stunden erreichten. Kurz vor dem eigentlichen Eingang erreicht man ein kleines Wildwest-Dorf mit ein paar Kneipen und Hotels, Tankstellen und natürlich einem McDonald’s – Das darf selbst hier natürlich nicht fehlen. Nach einer Linksabbiegung erreichten wir den recht unspektakulären Eingang – doch Halt, vorher noch ein Foto:

Nachdem ich ca. 8 Teilnehmer der chinesischen Reisegruppe abgewartet hatte, drängelte ich mich dann doch mal dazwischen 😀

Wir fuhren die restlichen 100 Meter vom Schild bis zum Eintrittsschalter, wo wir bei einer gut gelaunten Dame mit Mountie-Hut 35 $ Eintritt für 2 Personen und für 7 Tage bezahlten. Spitzenpreis, doch wir brauchten gar keine sieben Tage…

Viermal so groß wie das Saarland

Und dann ging’s auch direkt rein in den Yellowstone, den bekanntesten Nationalpark in den USA neben dem Yosemite Park in Kalifornien. Übrigens: Mit dem Eintritt in den Park erreichte ich mit Wyoming meinen mittlerweile vierten US-Bundesstaat nach Washington, Idaho und Montana.
Der Yellowstone ist mit einer Fläche von knapp 9.000 Quadratkilometern fast so groß wie der Kosovo oder – wenn Ihr so wollt – fast viermal so groß wie das Saarland! Da ist dann auch nix mit zu Fuß oder mit der Bimmelbahn. Nix, die Amis haben hier einen schönen Highway durch den Park gebaut. Aber sonst braucht man auch wirklich die sieben Tage, um die Sehenswürdigkeiten zu sehen.

Hier stinkt’s nach Eiern

Und die findet man auf der Karte des Parks, bzw. immer entlang der kleinen Autobahn, die in Form einer riesigen 8 durch den Park verläuft.

Yellowstone National Park Map.png
 Von Unbekannt - National Park Service, Gemeinfrei, Link

Wo Sehenswürdigkeiten sind, kann man einfach vom Highway abfahren, ähnlich wie an den Rastplätzen an unseren Autobahnen in Deutschland. So geschehen, als wir zwischen den Bäumen etwas dampfen sahen. Der erste Geysir war entdeckt und wir nutzten die Gelegenheit für ein paar erste Impressionen:

Wieder mal spielte das Wetter mit, wieder mal tolles Licht, doch diesmal war der Geruch nicht so toll wie sonst. Aber klar, hier ist Schwefel im Spiel, deswegen stinkt es im Umfeld dieser heißen Quellen gerne mal nach Eiern. Aber nicht unbedingt nach faulen, sondern eher ganz genau so, wie wenn man Eier kocht und dann an dem Dampf riecht.

Old Faithful – very eindrucksful

Doch mit diesem kleinen Geysir wollten wir uns freilich nicht zufrieden geben, denn hier im Yellowstone gibt es ja auch noch einen größeren, den Geysir, den Old Faithful. Er bricht ca. alle 90 Minuten aus und wie es der Zufall wollte, kamen wir glücklicherweise 10 Minuten vorher an diesem süd-westlichen Punkt der Park-Route an und parkten auf einem Parkplatz, der ungefähr die Größe hat wie der vom Phantasialand in Brühl – nur mal, um die Dimensionen hier zu verdeutlichen.
Dass wir relativ pünktlich waren, verriet uns auch schon die Menschenmenge, die am abgezäunten Areal des berühmten Geysirs bereits wartete. Wir suchten uns ein Plätzchen leicht abseits der Menge, etwas weiter hinten, denn wenn der Old Faithful ausbricht, sieht man das auch von weiter hinten:

Der weiteste Punkt meiner Reise

Nachdem wir diesem Naturschauspiel beigewohnt hatten, machten wir uns auf den Weg zum „West Thumb“, dem am weitesten entfernten Punkt auf meiner gesamten Reise von Bellevue aus gesehen:

Angekommen am weitesten Punkt meiner Reise: Der West Thumb, ca. 850 Meilen entfernt von Bellevue, WA

Erste Tiersichtungen

Ja, und neben heißen Quellen, zahllosen Bäumen und jährlich mehr als 4 Millionen Besuchern gibt es natürlich auch jede Menge Tiere im Yellowstone Park. Meiner Meinung nach zeigen die sich zwar nicht, wenn sie schlau sind, aber einige sahen wir dann doch, vielleicht auch dem Fakt geschuldet, dass es mittlerweile schon früher Abend und damit nicht mehr so heiß war. Zwar sahen wir keine Grizzlies oder Wölfe (vielleicht auch besser so), dafür aber Elchkühe und Bisons:

Yellowstone Lake und Yellowstone Canyon

Immer, wenn sich auf dem kleinen Highway kleine Staus entwickeln, gibt es meistens was zu sehen am Straßenrand. Die Leute steigen dann manchmal auch aus, um Fotos von den Tieren zu machen, manchmal aber auch, um in den zahlreichen Flussläufen baden zu gehen. Dafür hatten wir keine Zeit – auch, wenn wir es durchaus geplant hatten -, denn es wurde so langsam dunkel und wir hatten noch zwei weitere wichtige Sehenswürdigkeiten an unserer Route anzusteuern:

Den Yellowstone Lake:

See, wohin ich seh‘ – der größte Bergsee Nordamerikas mit 357 Quadratkilometern Fläche.

Und den Yellowstone Canyon:

…und weil’s einfach wirklich so schön war noch mehr Gegend:

Rückfahrt noch am selben Tag

Wie man auf einigen der letzten Bilder sehen kann, ging die Sonne schon so langsam unter, aber wir hatten beschlossen, uns auf den 5-stündigen Rückweg zu machen – noch heute. Ein Plan war gewesen, vielleicht in Bozeman (ca. eine Stunde entfernt) zu übernachten und dann am nächsten Tag noch einmal in den Park zu kommen. Doch ich war zufrieden mit dem, was wir gesehen hatten (Ramon war eh schon zum fünften Mal hier gewesen), sodass eine Rückfahrt eigentlich OK war – wenn auch etwas spät?

Tierisch was los, nachts in Montana

Erst einmal ging es raus aus dem Park, und, um noch einmal die Dimensionen hier zu verdeutlichen, allein das waren vom Canyon bis zum Ausgang in West Yellowstone noch 40 Meilen und über eine Stunde Fahrt!
Als wir draußen und damit wieder in Montana waren, tankten wir zum zweiten Mal am heutigen Tage voll und freuten uns auf das Gewitter, das von Südwesten her aufzog und den Himmel endgültig schwärzte. Doch während wir dem Gewitter entkommen konnten, trafen wir auf ganz andere und (für mich) unerwartete Hindernisse. Denn hier in der Gegend, so wusste mein Reiseführer Ramon zu berichten, ist nachts auf den Straßen tierisch ‚was los! Und noch während meiner Fahrschicht tauchte ein Stinktier direkt vor unserem Auto aus der Finsternis auf!

Leuchtende Augen am Straßenrand

Dank einer guten Reaktion und einer kontrolliert-starken Bremsung konnte ich das Stinktier umfahren, was das kleine Sackgesicht jedoch nicht davon abhielt, uns eine ordentliche Ladung ans Auto zu spritzen. „Oh, so riecht Stinktier“, meinte ich und fand den Gestank anfangs noch gar nicht so schlimm. Doch das änderte sich mit der Zeit und so steuerten wir eine Tankstelle an, um wenigstens schon mal provisorisch mit einem Scheibenwischer für Sauberkeit rund um den vorderen, linken Kotflügel zu sorgen. Ramon übernahm jetzt den Rest der Strecke, auf dem wir noch zwei Mini-Eulen trafen, die seelenruhig mitten auf der Straße hockten, und Ramon sichtete immer wieder leuchtende Augen in der Dunkelheit des Straßenrands. Ich konnte all diese Sichtungen allerdings nicht bestätigen, aber ich glaube ihm 😉

Als wir schließlich und nach fünfstündiger Nachfahrt müde, heile und etwas übelriechend in Dick’s RV Park in Montana ankamen, ließen wir den Tag noch bei einem kleinen Pläuschchen Revue passieren und fielen dann schließlich um 4  Uhr Ortszeit in die Betten. Ramon: Vielen Dank für diesen Mega-Trip!

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2 Antworten auf Mein USA Blog – Teil 7: Yellowstone Nationalpark

  1. Geo sagt:

    Da wollte ich gerade mal sehen, ob es schon Teil 5 gibt und Zack sind 6 & 7 auch schon da. Tolle Tour und einiges hatte ich ja auch schon telefonisch erfahren.
    Weiter geht’s und viel Glück für die Rückfahrt.

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