Mein USA Blog – Teil 8: Goodbye Montana

Mit der aufregenden Rückfahrt vom Yellowstone endete zwar der Trip im Trip, aber Montana war noch nicht vorbei. Es gab noch einiges zu sehen und es gab ja noch die Rückfahrt von „Big Sky“ zurück in den Evergreenstate. Der kürzestes Fluss der Welt, eine Bar mit Meerjungfrauen und das widerlichste Motel, das ich je gesehen habe jetzt kommt’s.

Naturphänomene und einfach nur Menschen

Da wir ja unsere turbulente Rückreise vom Yellowstone Park schon Samstagnacht erledigt hatten, gab es noch einen ganzen Sonntag Zeit für ein paar kleine Erledigungen und auch einen kleinen Fluss! Ramon hatte sich viele Gedanken gemacht, was er mir so zeigen könnte und worüber auch Sammy sich freuen könnte und da fiel ihm ein Weltrekord ein, den Great Falls nämlich innehat: Hier fließt der kürzeste Fluss der Welt!

Der kürzeste Fluss der Welt…mündet in den längsten Fluss der USA

Der kürzeste Fluss der Welt, yeah, und ich stehe direkt daneben. Nicht nur das: Wir badeten auch unsere Füße darin, die aufgrund der Nähe zur Quelle innerhalb weniger Sekunden taub wurden. Also nix wie raus und noch einen Spaziergang durch den State Park gemacht, in dem kleine Mädchen mit Schlangen in der Hand herumliefen. Sachen gibt’s. Doch es kam noch besser, denn es zog ein Sturm auf:

…der später auch Sand mitführte. Ein echter Sandsturm fegte in die Stadt – es gibt ja in der Umgebung keinerlei Flora, die den Sand abfangen könnte – und…Naja, Fotos gibt’s von dem Sand leider nicht (obwohl Ramon mich dazu bringen wollte, welche zu machen). Ich war froh, dass wir im Auto heldenhaft vor dem Sandsturm flüchteten, und zwar in Richtung Walmart, einen dieser Super-Supermärkte. Aber nicht irgendeiner, sondern einer, der für sein zweifelhaftes Publikum berüchtigt ist, selbst unter den Einheimischen.

Es lebe der Sport

Nachdem wir tatsächlich einigen merkwürdigen Gestalten schon auf dem Weg zum Walmart über den Weg liefen, bzw. fuhren, lud Ramon mich in sein Fitnesscenter ein. Das war wirklich ein sehr eindrucksvolles, großes und äußerst vielseitiges Fitness-Center mit Basketball- und Schwimmhalle, Saunen und Handtuchservice. Von alle dem nutzte ich aber nichts, sondern tobte mich 90 Minuten auf dem Fahrrad und dem Crosstrainer aus. Das war sehr wohltuend nach all dem Sitzen im Auto zuletzt.

Klimakrank im Super 8?

Anschließend ging es für mich ins Super 8 Motel. Ich musste Ramons Trailer nach vier Übernachtungen verlassen, da ich für die Arbeit eine stetige Wifi-Verbindung brauchte, wie sie ja in allen Motels geboten werden. Das war aber auch der einzige Vorteil, für den ich Ramons begeisternde Gastfreundschaft eintauschte, denn im Motel 8 erwartete mich die Klimaanlagen-Seuche. Mein Zimmer lag nämlich in unmittelbarer Nähe zum großen Klimaautomaten auf dem Parkplatz des Motels. Da ich aber erst gegen 22 h vom Fitnesscenter „nach Hause“ kam, war da nicht mehr viel zu machen. Um die große Außenklimaanlage zu übertönen und auch weil es im Zimmer recht warm war, schaltete ich meine an…aber über die ganze Nacht…

Meine erste Bar mit Meerjungfrauen

…ich bin halt nicht so motel- und klimaanlagenerfahren, aber zunächst mal zeigten sich auch keinerlei Folgen meiner kühlen Nacht. Geweckt von den knallenden Türen der Nachbarzimmer und dem Gerumpel der Reinigungskräfte ging ich zur Rezeption und besorgte mir ein anderes Zimmer. Dann ging es an die Arbeit, für den Abend war ich mit Ramon verabredet, der noch arbeiten war. An dem geräumigen Schreibtisch konnte ich einen meiner Kunden glücklich machen, Rechnungen verschicken und die vorangegangenen beiden Blogbeiträge verfassen und ein köstliches Menü zu mir nehmen:

Hotpocket, Macaroni salad und Dr. Pepper 🙂

Und so langsam kamen Kopfschmerzen (vielleicht auch ein wenig von dem Nudelsalat). Die hielten auch an, sodass ich mich so langsam fragte, was los sein könnte. Als mir die Nacht mit dem Klimawind in den Sinn kam, hatte ich zusätzlich bereits leicht die Nase zu und etwas Übelkeit. Ich war schon kurz davor, unseren letzten gemeinsamen Abend in Great Falls zu canceln, aber auf Ramon war wie immer Verlass: Zwei Ibuprofen in seinem Trailer später ging es wieder bergauf mit mir und wir waren auf dem Weg nach „Downtown“. Dort erlebte ich eine Überraschung: Meine erste Bar mit Meerjungfrau:

Abschied und Rückfahrt

Am nächsten Morgen hieß es ein letztes Mal für uns breakfast at Denny’s:

Immerhin habe ich nur die untere Hälfte gegessen 😉 Aber Ramon hat einen Pancake von mir übernommen – Ein Erlebnis, ihm beim Baden dieser Dinger in Syrup zuzusehen 🙂

…und dann hieß es Abschied nehmen von Ramon und Great Falls. An dieser Stelle noch einmal vielen, vielen Dank an Ramon für seine aufmerksame und fürsorgliche Gastfreundschaft. Ich habe mich sehr willkommen gefühlt – auch bei Deinen Eltern (danke nochmal an die Mama fürs Wäschewaschen, -Trocknen UND -Falten!) und ich komme gern in einem der nächsten Sommer wieder!

Das schlechteste Motel der Welt (?)

Klar, dass es nach so viel Komfort und Gastfreundschaft eigentlich nur noch bergab gehen konnte…
Es ging wieder zurück. Wie auch auf dem Hinweg war die Fahrt in zwei Etappen aufgeteilt, einer Etappe am 17., von Great Falls nach Wallace, Idaho (ca. 4 1/2 Stunden Fahrt für ungefähr 285 Meilen) und der zweiten Etappe am 18.07. von Wallace nach Milton (5 3/4 Stunden für 366 Meilen). Auf Wallace hatte ich ja schon auf dem Hinweg ein Auge geworfen, aber ich wählte online ein anderes Motel als geplant, was ein großer Fehler war:

  • Auch hier war mein Nachbar eine gigantische Klimaanlage.
  • Die Fenster waren mit Panzertape repariert worden.
  • Alles war sehr schmutzig und miefig.
  • Das ganze Motel hätte vor mindestens 20 Jahren dringend renoviert werden müssen. Jetzt ist einfach nur noch abrissreif.
  • Die Rezeption stank nach Hund und was aus dem so rauskommt.

(Fotos veröffentliche ich hier mal nicht, fragt aber gerne nach, wenn Ihr diesen Horror mal gezeigt haben wollt. Ich habe das Grauen dokumentiert ;))

Shabby-Schick ist gut – Gammel aber nicht

Natürlich wollte ich auch hier ein anderes Zimmer, und ich hatte den Eindruck, dass ich mich nicht allzu beliebt mit meinem Wunsch nach einer ruhigen Nacht machte. Naja, trotzdem ging ich im Motelrestaurant etwas essen und versuchte danach, so schnell wie möglich einzuschlafen. Um 6h wurde ich wach und machte mich sofort bereit zur Abfahrt – schnell raus hier.

Klar, auf dem Hinweg war es dieser Shabby-Charme, den ich wollte und dieser Roadtrip-Mief, den ich gut fand. Aber dieses Motel war mindestens eine Nummer drüber – uiuiui. Naja, man muss auch wissen was nicht will im Leben 😉

Noch mehr zum Gucken

Und weil’s auch auf dem Rückweg mal wieder so viel zu gucken gab, hier noch einige Impressionen von Orten, die ich jetzt sozusagen auf der anderen Straßenseite fotografieren konnte:

Noch ein paar Fakten zur Fahrt:

  • Insgesamt mehr als 2100 Meilen gefahren
  • Teuerste Tankstelle: gestern, Rückfahrt, East Summit, Washington: 3,89 $ pro Gallone
  • Günstigste Tankstelle: auch gestern, Coeur D’Alene, Idaho: 2,56 $ pro Gallone (zur Erinnerung: Eine Gallone sind fast 3,79 Liter…Benzin!)
  • Kein einziger Stau!
  • 7 Mal vollgetankt
  • 4 Staaten
  • Kein Tier überfahren, auch wenn manche von ihnen es wirklich versucht haben 😀
  • Ca. 50 Pinkelpausen

Insgesamt ist es recht angenehm, hier rumzufahren, ähnlich wie in Holland. Es ist einfach so: Wo man nur langsam fahren darf, gibt’s auch kein Drängeln oder Nötigen. Hier gibt es offenkundig aber keine Regeln bezüglich der Spuren, wo man fährt, bzw. wo man überholen darf. Alles etwas durcheinander. Super sind die Schilder an den Ausfahrten, auf denen man immer die Restaurants, Tankstellen oder auch Übernachtungsmöglichkeiten zu sehen bekommt.

Trumpeteers sind sichtbar…

Dann noch ein Wort zu dem Thema, was nicht nur bei uns, sondern auch hierzulande viele umtreibt. Die Regierung ist hier ein Thema, das die Leute spaltet. Nun war ich ja bis zu 850 Meilen im Landesinneren, und ich habe schon hier und da offenkundige Ressentiments gegenüber Einwanderern gesehen. Sowohl auf Tshirts als auch auf Autos lesen sich Statements wie „Sorry, we’re full“ (geschrieben in USA-Umriss) oder man findet einfach nur Flaggen an Häusern à la „Trump 2020“. Die Botschaften sind eine Spur weniger radikal als die der ganz Rechten in Deutschland, aber sie werden wesentlich offener und weiter verbreitet kundgetan. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Menschen, die auf ähnliche Weise verdeutlichen, dass sie die Regierung klar ablehnen.

…Umweltschutz dagegen nicht

Angelehnt daran das Thema Umweltschutz: Ich kann nicht sehen, dass dieser hier stattfindet. Alle fahren Auto, viele Autos davon sind riesig. Als Fußgänger wirst Du hier angesehen wie ein Außerirdischer. Trucks und SUVs überall. Kleine Autos mit kleinem Verbrauch: Fehlanzeige. Autos werden immer angelassen ob man an der Ampel wartet, mal eben ‚was aus dem Haus holt oder auch 10 Minuten am Schalter des Fastfood-Restaurants aufs Essen wartet. Das Auto läuft, damit die Klimaanlage anbleibt. Apropos: Klimaanlagen sind überall, laufen auf vollen Touren, dagegen gibt es keine Mülltrennung, Flaschen- und Dosenpfand nur in einer Handvoll Staaten.
Da erwischt man sich manchmal bei dem Gedanken, wofür wir den ganzen Scheiß eigentlich machen.
Die Fridays for Future Bewegung ist hier weitestgehend unbekannt! In Zeiten von Social Media schwer nachzuvollziehen – muss was mit Verdrängung zu tun haben oder so…

So viel Kritik muss bei aller Begeisterung über die USA-Reise auch mal sein.

Zurück in der Zivilisation

Bei meiner Ankunft gestern im Großraum Seattle merkte man schon, dass das hier ein Unterschied ist zu allem, was ich unterwegs gesehen hatte. Die dünne Besiedlung Montanas (knapp eine Million Einwohner auf einer Fläche, fast so groß wie Deutschland) fällt schon auf. So war ich letztlich auch froh, wieder hier zu sein – Hier ist es auch wirklich wunderbar. Aber: Jetzt gleich (19.07.) geht’s schon wieder weiter, und zwar für 3 Tage nach Lopez Island. Davon dann beim nächsten Mal mehr 🙂

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2 Antworten auf Mein USA Blog – Teil 8: Goodbye Montana

  1. Geo sagt:

    Ich hoffe, du brauchst jetzt nicht mehr in Motels und iss mal ein gescheites Steak.

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