Mein USA Blog – Teil 9: Reif für die Insel

Das war die Aussicht von meinem Lieblingsplatz in den vergangenen drei Tagen:

Ist es nicht wunderbar? Ich finde ja, und ich denke, dass ich Recht habe 😀 Das Wetter war großartig, ich hatte eine tolle Aussicht, Strom und WLAN im Zelt (!), tolle Leute um mich herum und einfach nur gute Laune. Hier lässt es sich aushalten und ich werde wiederkommen. Doch von Anfang an…

Wo die Städter gerne Urlaub machen (würden)

Am vergangenen Freitag, dem 19.07., kamen wir nach einer zweieinhalbstündigen – und recht staulastigen – Fahrt hier an in, oder besser gesagt auf Lopez Island. Mit der Fähre ging es über den Sound und dann rein in die Insel-Idylle:

Und hier noch eine Karte zur Übersicht:

…anhand der blau gestrichelten Linien lassen sich die Fährenrouten zu den Inseln und auch zwischen den Inseln nachvollziehen.

Justin, der kochende Steinmetz

Nicoles Bruder Justin wohnt hier mit seiner Freundin in der wunderbaren Inselidylle. Wie Justin noch wusste, hatten wir uns bei seinen Eltern 1998 einmal für ein paar Minuten gesehen. Davon wusste ich zwar nichts mehr, aber es war großartig, ihn zu sehen und wir waren irgendwie sofort auf einer Wellenlänge. Justin ist ein echter Naturbursche, arbeitet hier als Steinmetz auf der Insel, ist gelernter Koch und hat als solcher mehrere Jahre im Piemont gearbeitet.
Natürlich kochte er für uns dann auch am ersten Abend (sowie auch an allen anderen Abenden). Der Sockeye-Lachs kam direkt hier aus der Nachbarschaft und wurde vor unseren Augen über unserem Lagerfeuer gegrillt:

Ich hatte mich im Vorfeld dafür entschieden, nicht mit der Family in Justins kleinem Waldhäuschen zu nächtigen (Kinder werden einfach gerne mal sehr früh wach 😉 ), sondern ich schlief – wie auch die eigentlichen Hausherren – außerhalb des Hauses. Und das war nicht nur wegen des Ausschlafens und der Privatsphäre eine sehr gute Idee, sondern auch, weil Nicole und Justin mir mein Zelt ganz wunderbar hergerichtet hatten!

Das war wahrlich ein toller Empfang, noch nie habe ich ein so hingebungsvoll errichtetes und auch eingerichtetes Zelt gesehen, da fühlt man sich doch sofort mega-willkommen. Nach dem Essen im Haus gab es dann noch jede Menge Lagerfeuerromantik mit Geschichten von früher und heute.

Life’s a beach

Und am nächsten Morgen fand ich recht schnell meinen Lieblingsplatz, auf Justins Veranda, links, im Schatten und mit einer schönen Aussicht auf den Sound (zwischen den Bäumen). Dort gab’s den ersten Kaffee des Morgens, doch auch sonst konnte sich Justins Wohnort mehr als sehen lassen:

Natur pur , mitten drin, statt nur dabei und sowieso

Und ob man’s glaubt oder nicht: Nach dem Frühstück gab es sogar noch mehr zu sehen, und zwar den Odlin County Park inklusive Strand. Doch hier in Pacific North West ist es vollkommen normal, dass man nicht nur naturnah wohnt, sondern dass man die Natur auch nutzt. Insofern war das hier an unserem ersten kompletten Tag auf Lopez Island kein bräsiger Strandbesuch – Wir gingen Krabben fischen!

Eigentlich wartet man dann auch wenigstens eine Nacht, aber am Ende des Strandbesuchs fuhr Justin doch nochmal kurz mit dem Bott raus, um die Fallen zu checken und siehe da:

…wir hatten bereits innerhalb von zwei Stunden fünf Krabben gefangen. Sie müssen übrigens mindestens 6 Zoll breit und männlich sein, sonst darf man sie nicht gefangen halten.

„Farting Horse Farm“

Kulinarisch erwartete uns also ein echtes Highlight, doch es ging noch weiter: Nachdem wir – alle ganz gut von der Sonne angebraten – zurück beim Haus waren, fuhren Justin, Owen (Nicols Sohn) und ich zum Nachbarn, um Gemüse zu kaufen. Bei diesem Nachbarn handelte es sich aber nicht um ein normales Nachbarhaus, sondern um eine Ranch. Hier besorgten wir haufenweise super-frisches Gemüse, Lammrippchen und Truthahnfleisch – Ein echter Koch weiß eben, wo es die guten Sachen gibt:

Nach vielem, was ich bisher auf meinem USA-Trip gesehen und gegessen habe, war das wirklich eine Überraschung. Alles richtig frisch, selbst geerntet und gefangen, und dann auch noch alles zubereitet von einem gelernten Koch. Super!
Als wir dann zurückfuhren, wurden gerade die Pferde auf die Weide geführt. Das eine war darüber so erbost, dass es lauthals wiehernd neben unserem Auto herlief, um dann laut furzend davon zu galoppieren. Das sorgte bei allen drei Fahrzeuginsassen für große Erheiterung 🙂 Aufgrund dieses erquickenden Erlebnisses beschlossen wir am späten Abend, dass wir Tshirts mit der Aufschrift „Farting Horse Farm Lopez Island“ gestalten lassen werden. Es geht doch nichts über schöne Souvenirs!

Vorbestellungen können direkt bei mir vorgenommen werden 😉

Das wurde dann übrigens aus dem frischen Fleisch und unserem Tagesfang, yummi:

Wild am Morgen, Schalentiere am Abend

Nach der zweiten Nacht in meinem beleuchteten und voll digitalisierten Zelt begrüßte mich am Morgen, beim ersten Blick hinaus ein Reh, das gerade unbemerkt über unsere Lichtung huschen wollte:

Nach einem zünftigen Frühstück (nein, wir haben nicht das Reh geschlachtet) ging es auch heute wieder zum Strand, Spencer Spit, um genau zu sein. Dort konnten die Kiddies im Sand spielen und ich auf Erkundungstour gehen:

Nachdem wir uns auch hier wieder alle gut hatten anbraten lassen, ließen wir im einzigen Dorf der Insel Essen für uns anbraten. Im Gegensatz zu Dave’s of Milton hatte ich hier jetzt gute Fish ’n‘ Chips. Anschließend gab’s für alle ein Eis und es ging noch einmal kurz an einen weiteren Strand.
Und als wir dann schließlich wieder daheim bei Justin waren, nahm ich eine schöne eiskalte Dusche und war bereit für einen lauschigen, ruhigen Lagerfeuerabend. Justin aber noch nicht. Er Justin meinte, wir müssten ja noch die Krabben aus dem Sound holen. Also ging’s um 18:30h nochmal in den rüstigen, alten Dieseltruck und auf zum Odlin County Park, wo ja die Fallen noch auf dem Meeresgrund lagen.

Krabben fischen ist echt harte Arbeit

Ich hatte es angefangen, ich wollte es auch zuende bringen. Justin freute sich „nen Ast“, dass jemand mit ihm rausfuhr und so richtig bei der Sache war. Also ruderten wir die 100 Meter aufs Meer hinaus und packten uns die erste Boje. Ich „durfte“ das Seil aus dem Wasser ziehen (es war sehr anstrengend), während Justin es hinter mir im Boot aufrollte. Am Ende des Seils kam der sicherlich 25 Kilogramm schwere Käfig, den ich tags zuvor noch so leicht über Bord geworfen hatte. Den mussten wir jetzt ins kleine Boot ziehen und dabei möglichst nicht ins Wasser fallen – hat geklappt! Zum Glück war das der große, schwere Käfig, sodass wir nun nur noch den kleineren vor uns hatten. Der war umso leichter, da hier nur eine, sehr kleine Krabbe drinsaß – die durfte aufgrund ihrer Jugend wieder zurück ins Wasserchen. Insgesamt hatten wir wieder fünf Krabben gefangen. Eine magere Ausbeute eigentlich, doch ich fand das Fischen sehr cool und es war ein perfekter Abschluss für das lange Wochenende, am letzten Abend noch einmal in der Abendsonne rauszufahren und Krabben zu fischen.

Und wieder heißt es: Zurück in der Zivilisation

Ein ereignisreicher Tag endete abermals am Lagerfeuer, in das man entweder andächtig hineinstarrt oder an dem man sich über die guten alten Zeiten unterhält. Zu denen zählt mittlerweile auch unser wunderbarer Inseltrip nach Lopez Island. Wir sind mittlerweile wieder zurück in Milton. Ich genieße mein großzügiges Boxspringbett, auf dem ich gerade schreibe, die Klimaanlage, die mein Zimmer kühlt, aber Rehe am Morgen und Krabben am Abend waren doch auch toll – auf jeden Fall eine weitere wunderbare Etappe meiner Reise, die ich nicht vergessen werde 🙂

Dieser Beitrag wurde unter USA Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Mein USA Blog – Teil 9: Reif für die Insel

  1. Paul sagt:

    Es wird bestimmt schwer für dich in D wieder Fuß zu fassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.