Online-Verfall der schreibenden Medien

Was ist bloß mit den großen Magazinen los? So wirklich die Alten sind Spiegel, Stern oder Focus, bzw. ihre Online-Pendants irgendwie nicht mehr. Mir fällt ein Prozess auf, besonders bei erst genanntem Spiegel und seinem Internet-Ableger Spiegel Online. Denn ich lese SPON, habe aber auch früher jahrelang die Spiegel-Printausgabe gelesen. Vieles ist Werbung, vieles ist gesponsert, scheint nicht so richtig gut zu sein (glaubt man den SPON-Foristen, den klügsten von allen) oder dem clickbaiting geschuldet. Aber was sollen sie machen?

Als Spiegel-Leser noch mehr wussten

Damals, 2008, ich saß in der Mensa, habe Spiegel gelesen und fühlte mich gut dabei. Erst Essen, dann Wissen. Jedoch war das Wissen deutlich besser, als das Essen.
Damals war für mich Spiegellesen etwas Besonderes. Jede Ausgabe ein im wahrsten Sinne vielseitiges Sammelsurium an Hintergründen, Neuigkeiten, Pikantem, Interessantem. Ich hatte wirklich ein Gefühl von Spiegelleser. Heute bin ich kein Spiegelleser mehr, heute bin ich SPON-Leser. Doch ich fühle mich nicht mehr, als wüsste ich mehr.

Scrollen besser als Blättern?

Ich bin ein Teil des Mehr, von einem Gros an SPON-Lesern, von denen viele wahrscheinlich niemals Spiegelleser werden. Aber was sollen Spiegel & Co. machen? Die Auflagen der Printausgaben schrumpfen, die Leser sind teilweise zu bequem, eine Seite umzublättern, geschweige denn, an den Kiosk zu gehen. Somit lesen wir jetzt alle das, was wir verdient haben.

Artikel oder teilweise auch ganze Rubriken der großen Online-Magazine beschäftigen sich mit dummen Schülerantworten, mit Youtube-Hits und deren Produzenten, mit Abnehm-Tipps oder knackenden Fingern. Sie verleiten und lassen sich gleichzeitig verleiten, vom Boulevard, von Nacktheit, Populismus.
Aber was sollen sie machen? Sie brauchen ja die Werbegelder. Sie müssen so langsam aber sicher online überleben und sich gegen die Konkurrenz durchsetzen, Print ist jedenfalls kein Bein, auf dem man noch sehr lange sicher stehen kann.

Ist Online-Journalismus noch Journalismus?

Nun ist es bei SPON ja noch so, dass man den altehrwürdigen Vorgänger noch gut wiedererkennen kann. Es gibt aber auch Beispiele, wo sich Magazine vom Studenten-Spiegel deutlich Richtung Online-Boulevard mit Suchmaschinenoptimierung entwickelt haben.

Und damit zum Faktor Online-Marketing. Schließen sich viel Qualität und mehr Klicks wohl gegenseitig aus? Es scheint fast so, als seien mit den wirklich wichtigen Themen aus Politik, Wirtschaft, Kunst oder auch Sport nicht genügend potentielle Klicker für die Werbebanner zu erreichen. Daher leidet die Klasse unter der Masse. Aber was sollen sie machen? Sie müssen ja irgendwie am Leben bleiben.

Hallo TAZ, ciao Rest

Tja, und ich? Was soll ich machen, ich muss ja irgendwie am Lesen bleiben. Dennoch bin ich mit SPON, den teilweise fragwürdigen Themen und den sich ewig beklagenden Foristen dort nicht zufrieden. Selbst beklagen kann ich mich nicht mehr, da ich als SPON-Forist Hausverbot habe.
Vielleicht doch wieder händisch umblättern? Zum Kiosk gehen? Zunächst einmal steige jetzt auf TAZ.de um, denn die sprechen mir aus der Seele und machen nicht ‚Online-Journalismus, sondern Journalismus online‘. Mal gucken, wie viel ich da „spenden“ muss 😉

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