SEO Texte – Eine Analyse

Als Linguist muss ich es einfach mal tun: SEO Texte analysieren, denn sie sind eine der Textformen, die mir in meinem Job regelmäßig begegnen. Gleichermaßen sind sie aber auch eine Textart, wegen der ich mich immer wieder schütteln muss, denn viele SEO Texte sind einfach schlecht – grottenschlecht. Schon seit dem Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich stets Wert darauf gelegt, auch so genannte billige SEO Texte wenigstens mit einem gewissen Maß an Würde der Sprache gegenüber zu verfassen. Was ist mit Grammatik, was ist mit Sinn, was ist mit Textgenese? Ich fahre eine Pro-Text-Politik, doch es gibt eine Opposition, dass sehe ich regelmäßig, wenn ich mein best-frequentiertes Artikelverzeichnis ausmiste.

Im Deutschen unterscheidet man zwischen drei Wortbildungsklassen, der Komposition, der Flexion und der Derivation. Ausmisten, das Wort kann man der Wortklasse der Derivation zuordnen. Es bedeutet, in seine morphologischen Teile zerlegt, nichts weiter, als den Mist entfernen. Genau das mache ich in regelmäßigen Abständen in meinen Artikelverzeichnissen. Heute sind mir dabei Schätzchen über den Weg gelaufen, die als Paradebeispiele dafür gelten, wie sich manche „Texter“ ihre „Arbeit“ vorstellen.

Warum kommt es in SEO Texten immer wieder vor, dass man solche Sachen liest wie, „Bekleidung ist für Männer sehr wichtig“? „Wer [Keyword 1], der sollte [Keyword 2]“ oder „wer ein Frankfurt Hotel sucht, der…“?

Doch es geht noch schlimmer, hier Beispeil 1:

So gefunden und ge-screenshotted in meinem Artikelverzeichnis webartikel-abc.de. Interpunktion? Deutsche Orthografie? „Schinsrichter“?!? Was soll man dazu noch sagen? Nichts, einfach löschen und vergessen!

Nächstes Beispiel:

Wenn man mal davon absieht, dass dieses Beispiel das erste in Sachen Mangelhafitgkeit von Text-Quantität noch übertrifft, so entdeckt man etwas, das typisch für SEO Texte ist: Völlig an den Haaren herbeigezogene und schwachsinnige Aussagen. „Das Tennispielen wäre ohne einen Tennisball recht sicherlich nicht machbar“ – eieiei…Rein formal und logisch gesehen ist die Aussage immerhin gültig, wobei das „recht“ hier doch von einer gewissen Unsicherheit seitens des Autoren zeugt.

Ist es nicht wunderbar? Wer noch kann, hier ist das dritte Beispiel:

Da haben die schwedischen Männer wohl selbst Hand am Google-Übersetzer angelegt. Wahrscheinlich hatten Sie einfach keine Zeit, einen vernünftigen Text zu schreiben, da der Tiger ihnen bis nach Schweden gefolgt war, um seine Hosen wieder zu bekommen. Für die Masochisten unter meinen Lesern habe ich mal den ganzen Artikel zur Verfügung gestellt, vielleicht kann man ihn ja auf der nächsten Party mal seinen betrunkenen Freunden vorlesen 😉

Ich weiß ja auch, dass viele SEO Texte kein Mensch liest, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber bitte, wenigstens in meinen Artikelverzeichnissen…nicht? Na, dann – Die Artikel wurden entfernt, und zwar samt User. Trotzdem bin ich mir sicher, dass es bald wieder Stoff für neue traumhafte Diskurse geben wird. Als Linguist muss ich das wohl ertragen und bin irgendwie auch fasziniert von dem, was ich da geschaffen habe.

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