So schön rauscht das Wissensgefälle

Auch diesen Blogbeitrag muss ich mal wieder mit einer Entschuldigung an den Blog beginnen: Sorry, Du wirst einfach echt stiefmütterlich behandelt, obwohl ich weiß – und dies auch meinen Kunden (oh, und natürlich auch den Kundinnen!!!) predige -, dass regelmäßiges Bloggen wichtig ist und das Google da total drauf steht. Weil das Tell-Tale Heart immer stärker pocht, quäle ich mich nun an die Blogger-Tastatur.

Ja, und was habe ich mir den Kopf zermartert, worüber ich eigentlich bloggen soll. Der Blog (das geht übrigens auch als Genus für Blog) ist ja mittlerweile umgezogen, bzw. und besser gesagt von der Stammseite wieder abgerissen worden. Warum? Weil hier einfach zu viel vom Games Redakteur drinsteht und weil das Google von der richtigen Bewertung meiner Website ablenkt. Will sagen: Wenn ich als Texter erfolgreich sein will, geht das wohl eben nicht, wenn auf derselben Seite auch Informationen darüber vorkommen, wie man in Fallout 4 Klebstoff herstellt.

Helge, was ist das?

Wann ich endlich zu dem Thema komme, das im Titel angekündigt wird? Vielleicht jetzt. Es ist nur einfach zu schön zu sehen, wie man abschweifen kann, wenn man was zu sagen hat. Der Appetit kommt also anscheinend nicht nur beim Essen. Jedenfalls geht es jetzt dann schlussendlich hier doch noch um das Thema Wissensgefälle. „Was ist denn das, was ist denn das, Helge, was ist das?“

Wenn der Autor sich nicht auf den Leser einlassen kann

Also wenn Sie das Wort Wissensgefälle nicht kennen besteht zwischen Ihnen und mir per se schon eines. Reicht nicht als Erklärung? Ein Wissensgefälle besteht zwischen einem Emittenten – ich sag jetzt mal eines Textes – und dem Rezipienten, der nur Bahnhof versteht. Der Verfasser eines Textes ist also viel, viel schlauer als der, der den Text schließlich lesen muss. Die Schnittstelle zwischen beiden, Verfasser und Leser, der Text, sollte dieses Wissensgefälle aber idealerweise überbrücken können. Und da kommt durchaus ein guter Texter ins Spiel.

Italienische Packungsbeilagen lassen grüßen

In der Uni hatte ich mal ein Proseminar zum Thema italienische Packungsbeilagen – ja, es war genau so ein Thrill, wie es sich anhört. Darin ging es auch wochenlang über das Wissensgefälle und wie man es überbrücken könnte.
Manche meiner Kunden haben genau dieses Wissensgefälle vor sich, wollen aber immerhin, dass es zum Glück ihrer Kunden überwunden wird.

Boulevard-Redakteure schaffen das ja auch

Bewundernswert finde ich es übrigens, wie es Boulevard-Redakteure täglich bei ihrer Arbeit schaffen, beim Schreiben, sagen wir mal, an ihre Leserschaft zu denken. Dem wohnt durchaus eine Kunst inne, ein Masochismus schon fast, dessen Erzeugnisse ich zwar nicht selbst ertragen, die man aber durchaus bewundern kann.

Warum ist Wissensgefälle schlecht?

Aber warum interessiert es den Schreiber eigentlich einen feuchten Kehricht, wie und überhaupt ob seine geistigen Ergüsse beim Leser ankommen?

  1. Der ach so schlaue Emittent wirkt überheblich
  2. Der ach so doofe Leser fühlt sich womöglich auch doof (zurecht?) und versteht auch nicht, was der Überhebliche ihm da sagen will. Es macht sich Frustration breit. Der schwierigen Lektüre droht ein Ende im Müll

Bridge over troubled wordings

Dem Verfasser solch aufwühlender Texte muss natürlich erstmal bewusst sein, was er da anrichten kann, aber dann kann er einen Texter beauftragen, der als Brücke zwischen ihm und seinen Lesern fungiert. Der Texter schlägt diese Brücke, indem er das erklärungsbedürftige Thema in sich aufnimmt, seinen genialen Geist damit füttert, um alles dann in sprachlich mundgerechten Häppchen wiederzugeben. So versteht dann auch der einfachere Leser, wo z.B. der Unterschied zwischen radialer und femoraler Koronarangiographie liegt. Ja, diese Brücke habe ich schon geschlagen.

Zielgruppenansprache richtig, das ist richtig wichtig

Wichtig ist, dem Leser mit der richtigen Zielgruppenansprache zu begegnen. Sätze müssen womöglich verkürzt, Fremdwörter ersetzt oder (auch ganz beliebt, vor allem in Packungsbeilagen oder Beamtendeutsch) Substantivierungen und Passiv-Konstruktionen einfach um 80% reduziert werden.

Wenn auch Sie Inhalt haben, von dem Sie sicher sind, dass Ihre Leser ihn nicht verstehen können, können Sie mich gern haben, also als Texter für Ihr Wissensgefälle. Hoffentlich stehen Sie oben 😉

So, Blog, dann bis März – Frohes, Fest, guten Rutsch, Helau!!! 😀

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