Verquer im Verkehr – Die Psyche der Autofahrer

Autofahren – Manchmal muss es sein, aber manches, was da passiert, müsste nicht sein. Wir Männer sind es, die den Straßenverkehr zum Stresser-Verkehr machen. Manchmal kommt es mir so vor, als sinke der männliche IQ um wenigstens 50 Punkte, wenn Mann sich hinters Steuer setzt. Aber auch die Damen der Schöpfung sorgen manchmal für Kopfschütteln. Aggression, Rücksichtslosigkeit oder sind sie einfach nur allein auf der Welt? Die verqueren Verhaltensweisen einiger Verkehrsteilnehmer sind ebenso unverständlich wie auch mittlerweile leider üblich und damit nur zu vorhersehbar. Einige Highlights…

Als Fahrradfahrer unter Autofahrern

Fangen wir mal mit zwei Rädern an. Als ich noch in Düsseldorf gewohnt und versucht habe, mich in der Stadt sportlich zu betätigen, habe ich es mit dem Fahrradfahren versucht. Da steht man mit einem Bein schon praktisch im Grab. Die Düsseldorfer Autofahrer haben in der Regel kein Auge für Radfahrer, so jedenfalls meine Erfahrung. Sie biegen rechts über Fahrradwege ab, ohne zu gucken, sie parken auf Radwegen, die schreien Fahrradfahrer an, obwohl sie sie gerade fast übern Haufen gefahren hätten.

Rücksichtslose Spurwechsel

Doch es stehen nicht nur Autos auf Radwegen, es stehen auch oft Lkw, Lieferwagen oder Paketzusteller auf rechten Spuren. Dann kommt es zu einem weiteren Phänomen, dem nahezu unangekündigten Spurwechsel. Habe ich ein Hindernis auf meiner Spur, darf ich diese wechseln, ganz egal, was gerade auf der Spur passiert, auf die ich wechsle. Mir kommt es so vor, als dächten viele genau so. Die meisten geben ziehen einfach rüber, egal ob eine Lücke frei ist oder nicht, viele ohne Blinken. Wenn sie den Platz, den sie für ihr waghalsiges Manöver erhalten ihnen nicht ausreichend respektvoll erscheint, bremst man denjenigen einfach eben noch aus, der einen gerade eben noch reingelassen hat.
Und wehe, einer schafft es nicht mehr über die Kreuzung und die anderen haben grün – Dann schwelt der blanke Hass!

Alpha-Männchen, natural born Linksfahrer

Fahren wir mal auf die Autobahn, oh, ganz großer Sport. Hier herrschen wieder ganz eigene Regeln. Die selbsternannten Herrscher sind mittlerweile die SUV-Fahrer. Bei ihnen fährt der Habitus mit, alle müssten sich in den Staub werfen, wenn sie angewalzt kommen. Aber auch hochmotorisierte Fahrzeuge anderer Art werden häufig von kernigen Alpha-Männchen gesteuert, die über die rechten Spuren oder auch so manche Verkehrsregel erhaben sind. Wer nicht gehorcht, wird genötigt, rechts überholt, ausgebremst, mit Handzeichen beleidigt.

Bräsige Mittelspur-Schleicher

Alledem würde man ja gerne ausweichen, aber manchmal muss man einfach die linke Spur benutzen, um die anderen Klassiker der Autobahn loszuwerden, die Mittelspur-Schleicher. Drei- oder gar vierspurige Autobahn, rechts ist über Kilometer alles frei, aber der Herr in seinem Kompakt-SUV muss mit 110 auf der mittleren Spur den Verkehrsfluss stören. Nichts anderes ist das, denn es gilt Rechtsfahrgebot. Wer sich also für die rechte Spur zu schade ist, denkt, diese sei nur den Lkw vorbehalten oder es einfach aus Unwissenheit tut: Mittelspur-Schleichen ist gegen die Regeln, liebe Herrschaften.

Rücksichtlos hat Recht

Während die Mittelspur-Schnarcher passiv den Verkehr stören, sind gerade Drängler, Raser und Nötiger diejenigen, die aktiv die Unfallstatistik mitgestalten, denn die meisten Verkehrsunfälle passieren genau so. Das Dumme sind aber nicht nur diese Fahrer, sondern es ist auch die Tatsache, dass sie sich auch noch im Recht fühlen. Wenn man sich die Schikane nicht gefallen lassen will, geht es schnell in die nächste Eskalationsstufe, weil die Herren meinen, ein bisschen Drängeln und Ausbremsen bei 130 km/h sei ein Kavaliersdelikt und ihr Verhalten ihr gutes Recht.

Umweltspuren – Neues Konfliktpotenzial

Das sehen manche auch darin, über die leergeräumten Umweltspuren zu fahren, die es jetzt in vielen Städten gibt. Die meisten stellen sich brav in der noch übrigen Spur an, was man auch mal hervorheben muss. Aber es gibt doch immer wieder welche, die meinen, dass wir alle nur für sie Platz machen. Da ist die Denke womöglich ähnlich wie bei denen, die durch Rettungsgassen fahren.

Merkwürdige Lichtblicke im Verkehr

Dabei gibt es auch Momente, in denen man den gesunden Menschenverstand irgendwie durchschimmern sieht. Zum Beispiel warnt man sich gern gegenseitig vor Blitzern, indem man den Gegenverkehr anblinkt. Wenn Leute aus einer Ausfahrt oder Seitenstraße kommen oder in selbige einbiegen möchte, findet sich schnell jemand, der sie reinlässt. Dann wird sich bedankt, gegrüßt und freudig geblinkt – Es geht ja auch anders, aber eben nur viel zu selten. Und eine Ecke weiter kann es dann auf dem Aldi-Parkplatz passieren, dass ich mit Kind und Einkäufen fast über’n Haufen gefahren werde. Ja, selbst Fußgänger und Fahrradfahrer, die sogenannten schwächeren Verkehrsteilnehmer, sind ja nicht vor dem Allmachtsverständnis mancher Autofahrer sicher.

Wo liegt das Problem? Rücksichtslosigkeit und Egoismus

Aber es sind auch noch andere Beweggründe, mit denen sich diese Abarten der menschlichen Autofahrer-Psyche erklären lassen könnten. Manche bewegen sich, als seien sie allein auf der Welt. Andere halten es für selbstverständlich, dass die anderen Verkehrsteilnehmer für sie mitaufpassen.
Und es herrscht mehr Aggression im Straßenverkehr. Das kann einfach am erhöhten Verkehrsaufkommen, gerade in den Städten, liegen. Viele Menschen sind wahrscheinlich aus verschiedenen Gründen gestresster und verhalten sich dementsprechend. Das wird wahrscheinlich ganz unterschiedliche Gründe haben.

Gelegenheit durch Anonymität, fast wie in sozialen Netzwerken

Früher haben mir Autofahren und auch Autobahnfahren Spaß gemacht. Heute versuche ich Autofahrten zu vermeiden. Der Stress, den andere ausstrahlen, ist ansteckend und damit kann praktisch jede Autofahrt anstrengend werden.

Die viel zitierte Verrohung der Gesellschaft zeigt sich auch im Auto, das ja auch zu einem gewissen Grad Anonymität erzeugt. Wir sind in unserem faradayschen Käfig, hier kommt erstmal keiner an uns ran, noch die Fenster abdunkeln und schon surfen wir anonymus – wenn nur das doofe Kennzeichen nicht wär‘.

Aber trotzdem muss schon eine Menge passieren, damit ich erkannt und für mein Vergehen belangt werde. Also lass ich die Sau raus, das ist nicht ganz so schlimm wie in sozialen Netzwerken, aber vom Ansatz her ähnlich. Ich bin jedenfalls noch nie im Supermarkt in der Form beschimpft worden, weil ich mit meinem Einkaufswagen auf der falschen Spur gefahren bin.

 

 

 

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