Warum sagen alle immer „Okeee“?

Chinesisch ist eine Tonsprache. Das heißt, im Chinesischen kann ein- und dasselbe Wort bei gleicher Schreibweise vollkommen unterschiedliche Bedeutungen haben. Deutsch ist nicht weit oben in der Hitliste der Tonsprachen, aber die Dynamik unserer Sprache ist Okeee.

OK als Sprachneurose

Sprachneurose Okeee

Plakatives Bild mit leicht weit hergeholtem Bezug zum Beitrag – mein (c)

Am Beispiel OK zeigt sich einmal mehr, wie sehr wir alle zu Sprachneurosen neigen. Da kommen einfach vor vielen Jahren so ein paar Business-People mit anderen Business-People aus dem englischsprachigen Raum in Kontakt und adaptieren einfach deren Ausdrucksweise. Neben diversen furchtbaren Anglizismen aus dem Business-„Deutsch“ assimilieren sie auch das Okeee. Sie bringen es mit nach Hause und zum Grillabend, und dann sagt es jeder.

Die Bedeutung von Okeee

Noch immer sind wir in der Vergangenheit, denn all das ist schon Jahre her. Irgendwann sagten alle Business-People Okeee, irgendwann sagten aus auch deren Frauen und Kinder, die heute vielleicht ihrerseits auch Business-People sind. Was aber bedeutet Okeee? Ethymologisch muss man wohl davon ausgehen, dass OK rein als Bestätigung für die Aufnahme einer Information oder auch einer Handlungsaufforderung gedacht war. Okeee hieß so etwas wie, ‚habe verstanden‘, ‚alles klar‘, ‚wird gemacht‘.

Was Okeee heute alles bedeutet

Das ist aber längst nicht mehr alles. Mit den Jahren hat Okeee aber – und jetzt sind wir in der Gegenwart – sich aber zu einem bedeutungsträchtigen sprachlichen Element entwickelt. Es gibt jetzt mehrere Okeees und jetzt wird Deutsch auch endlich zur Tonsprache:

Okeee ist jetzt auch Bewertung, etwa wenn beim Frauentausch die Tauschmütter ihr Zuhause für die nöchsten 10 Tage besichtigen: Katzenhaare auf dem Bett. Okeee.

Okeee ist aber auch sonst bewertend, wenn man etwa den Kleidungsstil oder die Aussage eines Menschen mit einem tendenziell negativen Urteil belegen möchte. Du trägst also nicht die H&M-Uniform, die in meiner Schule angesagt ist. Okeee.

Weitere Beispiele:

  1. Du trinkst nicht. Okeee
  2. Du bist religiös. Okeee
  3. Du liebst Deine Eltern. Okeee
  4. Deine Eltern lieben Dich. Okeee
  5. Du bist gesetzestreu. Okeee
  6. Du bist nicht bei Facebook. Okeee
  7. Du hat Persönlichkeit. Okeee

Okeee ist also ein eher abwertendes Urteil und hat mittlerweile in dieser Rolle Allgemeingültigkeit. Und je länger das eee artikuliert wird, desto Okeeer findet man das.

Auch Abwandlungen sind Okeee

Doch es gibt nicht mehr nur das Okeee mit dem langezogenen eee und dem unbetonten O. So kann auch ein langgezogenes Ooooo vor dem keeeee die Bewertung verdeutlichen. Je mehr O’s und E’s desto höher die Geringschätzung.

N’Okay – Als hat sich Okeee vom Volksmund emanzipiert und sich seine Okayness in der Busniness-Welt erhalten. Dort drückt man mit N’Okay zum Beispiel aus, dass man versteht, was der andere sagt und man ein kompetenter, eigentlich sogar deutlich überlegender Gesprächspartner ist. Meint man zumindest.

Denn eigentlich ist N’Okay meist ein Platzhalter für ‚Ich habe nicht den blassesten Schimmer, was Du sagst.‘ Souveränres Auftreten bei absoluter ahnungslosigkeit, das ist N’Okay.

Ockä

Ockä, mit nahezu nicht phonetisch wahrnehmbarem O wird dageegen eher von Chef-Seite verwendet, wenn der Untergebene berichtet. In einem nahezu unerträglihen Stakkato quittiert der Chef somit die Ausführungen des Angestellten nach gefühlt jeden halben Nebensatz mit Ockä, Ockä, Ockä.

Beispiel:

  1. Warum ist Dein Arbeitsergebnis so scheiße?
  2. Naja
  3. Ockä
  4. Meine Oma war ja krank
  5. Ockä
  6. Und deswegen
  7. Ockä
  8. konnte
  9. Ockä
  10. äh hatte ich enorme Schwierigkeiten
  11. Okeee
  12. mich auf den Task zu focussen
  13. Ockä, is Okeee

Diese Variante – ohne jetzt General-Dummheit zu attestieren – kommt mir auch sehr oft unter, wenn ich neuen Geschäftskontakten gegenüber über meine vielfältigen Tätigkeitsfelder referiere. Und schon beim ersten Ockä lässt meine dienstleisterische Verve deutlich nach. Und wehe, wenn einer Okeee sagt, dann leg‘ ich sofort auf!

Oggöö

Oggöö gehört auch zum guten Ton in deutschen Büros, so gehört bei einem, der mit einem anderen auf dem Flur stand und über seinen Urlaub erzählte. Bei jedem Oggöö klatschte der andere dem einen sein völliges Deinteresse ins Gesicht. Außer mir und dem anderen hat es aber keiner gewusst.

Nur [?oke:] ist OK

OK hat also mittlerweile eine Menge Abkömmlinge, bei denen allen aber eine gewisse abwertende Pragmatik mitschwingt. Entweder ‚es interessiert mich eigentlich n Scheiß‘ oder ‚Du bist Scheiß‘ oder ‚Deine Sachen sind Scheiß‘ oder ‚Dein ganzes Leben saugt sowas von.‘

Allein der Urvater all dieser gehässigen Kleinigkeiten ist noch OK. Das OK, das es mal war sagt immer noch ‚habe verstanden‘, ‚alles klar‘, ‚wird gemacht‘ – und für alle, die es richtig machen wollen, so wird es phonetisch realisiert: [?oke:]

Viel Spaß damit, OK?

 

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