Was ist Clickbait?

Tja, wo kategorisieren wir diesen Artikel mal ein? Klar, ich gebe jetzt gleich meinen Senf zu einem redaktionellen Online-Phänomen ab. Aber ist es Sprache? Ist es Blogs? Ist es A oder B oder C? Ich glaub, letztendlich ist es auch ein Stück weit Werbung und Marketing, denn dem „redaktionellen Online-Phänomen“ Clickbait muss man schon teilweise das Attribut redkationell aberkennen.

Online-Magazine haben ein Problem: Ihre User sind so gierig nach neuen Inhalten, da kommen die gar nicht mehr hinterher. Ihre User haben Smartphones, und damit spielen sie andauernd rum. Wann User auf ihrem Smartphone rumspielen:

  • Wenn der Wecker klingelt
  • Beim Zähneputzen
  • Beim Frühstück
  • Beim Frühstücksfernsehen
  • Beim Zappen
  • Beim Fernseherausmachen
  • Beim Weggehen vom Fernseher
  • Beim Abbiegen in den Korridor
Clickbait

Plakatives Bild mit leicht weit hergeholtem Bezug zum Beitrag – mein (c)

Also der moderne Internet-User – der sich in seinem Habitus als genau so modern und damit legitimiert versteht – schmiert andauernd auf seinem Smartphone herum, und das nicht selten, ohne sich die Hände zu waschen. Dafür legt er das Smartphone dann übrigens mal kurz weg.

Lesen Sie dazu den alarmierenden Weckruf: Bakterien auf dem Smartphone.

Bakterien auf dem Smartphone – ein Thema, dessen sich so manches Online-Magazin annehmen könnte. Nicht weil es sich Sorgen um die gut 40.000.000 deutschen Smartphone-Nutzer und ihre ungewaschenen Hände macht, sondern weil es sie als Besucher ihrer Websites akquirieren will.

Journalismus fürs Klo

Ob das der inhaltlichen Integrität des Magazins in seinem Ursprung (womöglich als Printmagazin) entspricht, also das Thema Bakterien auf dem Smartphone, interessiert jetzt nicht mehr. Jetzt, da jeder von uns im Verdauungsend-Prozess schnell mal Nachrichten lesen will. Für all diese anspruchsvollen Konsumenten reicht es nicht, über die belanglosen Probleme zu schreiben wie Flüchtlinge, NATO-Russland-Spannungen oder Brexit. Alles zu schwere Kost. Auf dem Pott wollen wir wissen, wie die Fingernägel von Kim K. aussehen, wie Atze Schröder sich über Vergewaltigungsopfer lustig macht oder wie viele Gründe es gibt, Cristiano Ronaldo zu hassen. Und das alles immer wieder neu aufgekocht, bei jedem Stuhlgang wieder.

2 Wege, um Clickbait zu entlarven

Und da haben wir ihn – DA!!! Das erste Symptom für Clickbait:

  1. Mehrfach-Verwursten von Inhalten
  2. Massive Themen-Erweiterung

Kennen Sie das, wenn Essen aussieht wie schon zweimal gegessen? So ungefähr ist schlechter Clickbait-Journalismus und wenn ich einen Text lese, der klingt wie schon zweimal gelesen.

Doch damit das nicht auch der letzte User irgendwann zum Kotzen findet, braucht das Clickbait-Magazin mehr Themen, sonst fällt es ja auf. Gutes Beispiel: Mein einstiges Lieblingsmagazin für Computerspiele, die Gamestar. Hier werden in letzter Zeit Stimmen laut, die den Clickbait im Magazin kritisieren. Es fiel halt zu sehr auf, wenn das neue Witcher 3 DLC 5 Artikel am selben Tag bekam. Also, was tun? Themen dazu nehmen wie Game of Thrones „Recaps“ *Vokabel-Dummdeutsch-würg*, Kinofilme oder zuletzt sogar den Brexit!!!

Gutes Beispiel für Clickbait Symptom 2: Vollkommen an den Haaren herbeigezogene Themenerweiterung um ein aktuelles Thema abzugreifen.

Das passt ungefähr so gut wie das von mir gewählte Beitragsbild, aber bei Gamestar hat man natürlich das Problem, thematisch arg eingegrenzt zu sein, und wenn man mal vom thematischen Pfad der inhaltlichen Tugend abweicht, fangen die Gamer und langjährigen Weggefährten (also ehemalige Abonnenten des Print-Magazins wie ich) sofort an zu meckern.

Clickbait – was tun?

Als User kann man nun eins machen: Einfach woanders lesen, wo es aber auch Clickbait gibt, sonst gäbe es jene Seite wohl nicht mehr lange. Oder einfach mehrere Magazine zu einem Thema heranziehen, dann fällt es vielleicht nicht mehr so auf, vielleicht aber auch gerade dann. Oh Gott, was sollen wir nur tun, wir armen, armen modernen Internet-User?!? Was ist das für eine Zeit, in der wir leben?!?

Als Produzent von Clickbait kann man versuchen, es weniger auffällig zu tun. Brexit auf einer Spielseite, naja… Bei Spiegel-Online macht man es besser, denn sie teilen die Themen tief auf, produzieren viele Detail-Artikel, die nett miteinander verlinkt sind. Und es fällt mir persönlich nicht so sehr auf. Beim Spiegel gibt es natürlich auch im Grunde keinerlei thematische Grenzen.

Fussball-Clickbait im Spiegel?

Nur bento – das haben sie eingesehen, dass das weg musste. Zum Glück. Aber sie haben sich in letzter Zeit zum Beispiel auch verstärkt auf die Fussball-Berichterstattung gestürzt, ist halt sehr populär, Fußball. Dort arbeiten sie mit Heat-Maps und pseudo-professionellem Taktik-Blabla. Aber erwarte ich das von SPON? Nein, eigentlich eher vom Kicker, aber der hat sich von mehreren anderen Playern längst den Ball abnehmen lassen – das Urgestein hat nicht die richtige Taktik für moderne Fussball-Berichterstattung.

Epilog

Meine Seite hat übrigens selbst schon mal Clickbait genommen. Ich glaube sie hat keinen Bock auf den Entzug 😉

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