Was zur Hölle heißt nachhaltig?!?

Nachhaltigkeit – sie ist eine dieser Sprach-Neurosen, sie wird mir auf vielen Unternehmenswebsites ins Gesicht geklatscht, und ihre Semantik wird bis zum Zerreißen gedehnt. Was zum Henker soll das heißen, wenn jemand nachhaltige Brötchen backt oder nachhaltig meinen Hund Gassi führt? Ich kann nur eins sagen: Was Nachhaltigkeit sprachlich wirklich heißt und dass sie mir auf die Nerven geht.

Sprachlicher Einheitsbrei

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Plakatives Bild mit leicht weit hergeholtem Bezug zum Beitrag – mein (c)

Es ist dasselbe Problem wie mit den unsäglichen „Lösungen„. Fresenius bietet wirklich Lösungen an. Lösungen, die Menschenleben retten können und die auch Lösungen im semantischen Sinne sind. Und es ist ja auch gut und im Sinne der Sprach-Dynamik, wenn Menschen mal Wortbedeutungen erweitern – selbst im Sinne der Werbung. Aber dass jetzt alles eine Lösung ist und das diese Lösungen dann auch noch alle ach so nachhaltig sind…nein!

Bissige Werber kriegen die Zähne gezogen

Wie auch im Artikel über die immer weiter voranschreitende Oberflächlichkeit der Werbesprache, steht bei der Thematik, nein bei der Problematik „Nachhaltigkeit“ ein besonders enervierender Aspekt im Mittelpunkt: Alle quatschen allen alles nach. Die unerträgliche Seichtigkeit des Seins, jetzt auch auf Wortebene!

Man kann sich nachhaltige Lösungen sichern – immer, überall, bei jedem Produkt. Toll, also sind Autos = Rasensamen = Tampons. Wo sind bloß die kreativen Werbeideen hin?!?

Nachhaltigkeit ist ein sematisches Sammelbecken

Nachhaltig, so könnte man sagen, ist die Werbesprache heute jedenfalls nicht, höhö! Nachhaltigkeit erscheint mir vor allem als Web-Phänomen, als so empfundenes unverzichtbares Element einer Unternehmenspräsentation. Dabei wird Nachhaltigkeit zu Ökologie, zu Beständigkeit, zu Sparsamkeit, zu Wiederverwertbarkeit. Aber dafür gibt es doch eigene Vokabeln!!! Warum alles in eine Mode-Vokabel stecken?

nachhaltig: was soll das heißen? Und heißt es das denn überhaupt?

Deutsch ist mehr als nachhaltig

Das ist doch das Tolle an unserer Sprache. Dem Deutschen. Die Sprache der Dichter und Denker segnet uns alle mit so vielen tollen Wörtern, die so schön auf das passen, was wir sagen wollen. Warum wollen wir dann also lieber das sagen, was alle uns vorquatschen, was wir irgendwo mal beim letzten Business-Stammtisch gehört haben oder was mutmaßlich mal aus den USA kam. Klar, „solutions“ und so…ich bezweifele aber, dass all die Nachhaltigen die Vokabel „sustainability“ kennen.

So macht Wording nachhaltigen Eindruck

Sagt ökologisch, beständig, sparsam oder wiederverwertbar oder ‚da haben auch noch Ihre Kinder ‚was von‘, aber nennt nicht alles nachhaltig. Wollt Ihr denn keinen nachhaltigen Eindruck mit Eurem Wording hinterlassen? Dann denkt Euch ‚was Besseres aus. Wenigstens 10 Minuten. Denn Nachhaltigkeit, Lösungen und mehr sind nichts weiter als Ergebnisse von Einfallslosigkeit. Und die könnte man sogar interpretieren als mangelnde Identifikation mit dem eigenen Produkt. Was für einen nachhaltig schlechten Eindruck das in der kritischen Betrachtung macht…

Amen, Bruder 😉

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