Werbesprache – falle auf, wenn du noch darfst

Die Werbesprache wird immer einheitlicher. Jetzt ist sie nicht nur zu laut und zu aufdringlich, sondern auch noch augenscheinlich von ein und demselben Werbetexter. Wirklich? Eigentlich liegt der Werbehase in einem ganz anderen Pfeffer.

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Ja, so klingt mittlerweile fast jeder…ja, was ist es eigentlich? Kein Slogan, sondern eine Handlungsaufforderung, ein Call-to-Ation, C2A. Ist ja ganz toll, aber wohin geht das Tolle, wenn jeder dasselbe rausbrüllt, aus dem werbeüblich doppelt so laut schreienden Fernseher?

Soll Werbung nicht eigentlich mehr können als nur zum Kauf, zum Besuch oder meinetwegen zum Download anregen? Soll Werbung nicht auch ein ‚Aha‘ erzeugen? Wenigstens ein kleines? Oder ein ‚Oho‘?
Aktuell schafft das zum Beispiel die Werbung von Deezer oder die seltsam progressiven, avantgardistischen Baumarkt-Werbespots.

Hier passen Visual und Text einfach so zusammen, wie es sein sollte.

Solche Spots sind alleine deswegen im Gespräch, weil sie unangepasst sind, selbst wenn sie aus lauter Subtilität am Thema vorbeirutschen. Anders ist eben erfrischend.

Früher hat mal McDonalds mit Thomas Gottschalk geworben. Der bemerkte verwundert, dass zwar keine offiziell bei „Meckes“ esse, dort aber immer volles Haus sei:

Hier spielt McDonald’s sehr schön mit seinem eigenen Image. Heutige Werbung lässt vollkommen gesichtslose Unternehmen vermuten.

Die unerträgliche Seichtigkeit des Seins

Es ist ja heutzutage alles so angepasst wie möglich. Wir geben uns Mühe, so auszusehen wie alle, so zu reden wie alle, uns Musik anzuhören, die alle hören oder auch die Meinung aller zu vertreten. Ich dachte immer, die Werbung kann hier noch zeigen, dass hinter ihr Freigeister stecken.

Sind alle Werber angepasste Leisetreter?

Hab‘ ich mich getäuscht? Werde ich enttäuscht? Klar, wenn ich TV-Werbung höre – es ist gar nicht so sehr das Sehen -, werde ich genervt, penetriert, aber enttäuscht? Das war ich noch nie. Aber ich finde es schon widerlich, dass jetzt mittlerweile in jedem Werbespot die Rede davon ist, dass ich mir etwas sichern kann!

5€ für den Welten-Exodus

Da wird einem ein 5€-Gutschein für einen Online-Shop angepriesen wie ein Platz im letzten Raumschiff, das die Erde verlässt, bevor unser Planet von Gammastrahlen zersetzt wird: ‚Jetzt Preise vergleichen und Gutschein sichern‘. Oder so: ‚Jetzt bestellen und Proben sichern.‘

Werbesprache ist nahezu vollkommen austauschbar

Ein Großteil der Werbespots ist textlich vollkommen austauschbar. Das macht die Werbung noch nerviger. Und auch so seelenlos und selbstverräterisch irgendwie. Hauptsache irgendein Dubstep-Sound kracht im Hintergrund und der Mini-SUV rauscht an der Küste entlang. Ist ja egal ob bei der Produktion Tiere überfahren wurden oder der Text vollkommen hirn- und herzlos ist.

Die Kunden wollen es so

Doch eigentlich können die Werbetexter gar nix dafür, denn hier liegt der Werbehase im Pfeffer: Auch wenn die tüchtigen Werbetexter sich bewusst sind, dass ihre Abeit im Moment jeder Soziologie-Student erledigen könnte, der würfeln kann, so versuchen sie sicherlich immer wieder ihr Bestes. Sie legen waghalsige Formulierungen mit Stolzgeschwellter Brust vor, die aber die Kunden ablehnen!

So geht Werbung heute

Sie haben irgendwo gehört, dass es ein C2A gibt und dass das heute immer mit ‚Jetzt‘ anfängt und mit ’sichern‘ aufhört. Sie haben auch gehört, dass man im Slogan heute die Grammatik penetrieren muss, à la ‚So geht Bank‘, ‚Das kann Auto‘, ‚Wir sind Klopapier‘. Sie haben auch gehört, dass Firmennamen heute alle mit ‚O‘ aufhören müssen oder mit ‚do‘ oder gleich mit ‚mondo‘. Firmennamen mit dem Silbenwürfel eben.

Werbung fällt auf durch Unauffälligkeit

Die Kunden wollen lieber nicht auffallen, aus der Masse herausstechen, nicht mit ihrer Werbung. Aber womit denn dann? Ist ihr Produkt das Beste? Wenn sie es mir nicht mal in der Werbung sagen, woher soll ich’s dann wissen?

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