Werbesprache: jetzt sichern

Wenn Werbung kommt, mache ich gerne den Ton aus. Warum? Werbesprache ist rein akustisch nervig, zu laut, zu anbiedernd und auch einfach zu repetetiv. Letzteres fällt vor allem dadurch auf, das alle dieselben Wörter, speziell Verben benutzen. Immer nur entdecken hier, sichern da. Kann man nicht mal mit anderen Verben werben?

Die Häresie von Einheitsbrei

Die Texte in der Werbung sind ja eigentlich schon immer ein wenig das gewesen, wo noch Spielraum für Kreativität und Avantgarde offen war. Manche Werbungen nutzen das auch noch, spielen mit der Sprache und gewinnen dabei Aufmerksamkeit. Aber auf diesen Gewinn sind viele offenbar gar nicht mehr so scharf, und so stumpft die Werbesprache mehr und mehr ab zu einer Häresie des Einheitsbreis und unerträglichem Blabla.

Jetzt entdecken und sichern

Aktuelle Werbespots liefern nichts weiter als Getöse von Musik und anbiedernden Werbesprechern und garnieren das Ganze dann auch noch mit kopierten Texthülsen wie „jetzt [Produkt] entdecken“ und „jetzt [Belohnung/incentive] sichern“ – immer alles jetzt, immer alles entdecken, immer alles sichern. Warum nur?

  • Zum Thema entdecken: Da ist ein Kaugummi – was soll man da entdecken?
  • Zum Thema sichern: Da ist ein 5€ Gutschein – inwiefern muss ich mir den sichern? Einen Platz auf einem Raumschiff beim Exodus der Menschheit von der Erde muss ich mir sichern.
  • Zum Thema jetzt: Klar, das Produkt soll neu wirken, wenn es nicht „jetzt“ wäre, wäre es womöglich schon zwei Wochen auf dem Markt, aber zum Zeitpunkt wenn der Spot On-Air geht, stimmt das ja auch.

Warum so mutlos, Werbetexter?

Da fragt man sich als Texter, nein, auch einfach als umworbener Kunde mit Verstand, was der Schmu soll. Warum haben alle dieselben Werbetexte? Ist es ökonomischer? Ist es dann nicht auch konsequent, wenn alle auch dieselbe Musik in ihren Spots nehmen, dieselben Sprecher? Warum nicht? Passt doch.

Angepasst, passt

Heutzutage ist man eben gerne angepasst. Man zieht sich an wie alle, man spricht wie alle, auch bei den Statussymbolen gleicht man sich einvernehmlich an. Aber die Werbung? Sie war doch immer eine Bastion der Neuentdeckung, der Innovation. Jetzt entdecken: die neue Werbung. Jetzt werben wie alle und Unauffälligkeit sichern. Hilft das dem Produkt?

Warum Werbesprache so angepasst ist

Werbung wirbt aktuell nicht gerade für sich selbst. Das ist aber wohl so – soviel weiß ich noch aus meiner eigenen Zeit als Werbetexter – weil Werbung nur so viel darf, wie der Kunde zulässt. Anscheinend sind die Leinen gerade ziemlich kurz und die Halsbänder haben spitze Stacheln. Außer bei den Baumärkten, da toben glückliche Werber sich noch aus. Aber sonst. Der aktuelle Betway-Werbespot ist einer, bei dem ich immer hektisch zur Verbedienung greifen muss. Mute-Taste, Mute-Taste, schnell…

Gar nicht mein Fall, auch nicht die erweiterte Version – die dann auch mit „sichere Dir jetzt“- aber typisch für einen braven, angepassten Werbetext nach Schablone. Und immer schön die ganzen Endgeräte betonen. Smartphone, Tablet, Laptop. Ja fein. Aber nicht für mich fein. So werde ich mein Geld garantiert nicht für Glücksspiel ausgeben.

So ist doch schön:

Analog dazu, vielleicht auch interessant: Firmennamen mit dem Silbenwürfel.

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