Wie schreibt man relevant?

So.

Edit:

Gut, ganz so kurz und knackig geht’s dann auch wieder nicht, hab‘ ich mir überlegt. Daher nun doch noch ein – für dieses Thema gefühlt endloser – Diskurs darüber, wie man eigentlich kurz und knackig schreibt, um dabei relevant zu bleiben. Es geht um Kuhkäffer, Dosenravioli und einen alten Bekannten aus der Linguistik.

Gerade in meiner Sparte kommt es oft vor, dass Kunden sich eine bestimmte Wortzahl wünschen. Die hat ihnen meistens ein Tool zur Suchmaschinenoptimierung ausgespuckt, eine Agentur hat sie in einem Mock-Up – WOW, ein Mock-Up, hier ist all mein Geld! – bestimmt oder man hat einfach mal davon gehört, dass mehr Text immer auch mehr Auffindbarkeit in den Suchergebnissen von Google bedeutet.

Und da ist es auch schon, das Korsett, in das sich viele Online Texter hineinzwängen müssen. Denn mal abgesehen davon, dass nicht nur die Anzahl der Wörter, sondern auch die konkrete Nennung bestimmter Therme und Phrasen (Keywords) vorgegeben wird, muss das eine oder andere Thema schier endlos breitgetreten werden.

Wie schreibt man 1000 Wörter über Much?

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Plakatives Bild mit leicht weit hergeholtem Bezug zum Beitrag – mein (c)

Der Trend zu immer längeren Texten auf Websites führt dazu, dass Online Texter wie ich sich teilweise unnötig viele Gedanken über unnötige Themen machen müssen. Das kann bedeuten, 300 Wörter über Handtuchhalter zu schreiben, sich über Wellblechdächer auszulassen oder zu überlegen, was an Flachfräsbohrern so toll ist.

Ein gutes Beispiel sind auch die so genannten Regio-Texte. Worum geht’s?

Konkrete Produktinformation –> kombiniert mit regionalem Bezug –> Suchanfragen in der Nähe einfangen –> Leads erzeugen –> Kunden gewinnen –> mehr Geld verdienen

So jedenfalls könnte man kurz und knackig und ohne die Relevanz zu verlieren beschreiben, was hinter solchen regionalen Textkampagnen steckt. Oder man schreibt 1.000 Wörter darüber, geht auch, das Thema würde es hergeben.
Was aber, wenn man 1.000 Wörter über ein Kaff mit einer Einwohnerzahl im unteren vierstelligen Bereich schreiben soll? Much? WTF???

Themen wie ein Blinddarm

Mit einigen Sätzen ist es da eigentlich getan, wenn man mal ganz ehrlich und vernünftig ist. Aber ach ja, da sollen ja 20 Keywords rein, die wichtigsten jeweils mindestens fünfmal gennant, und das würde keine richtig schönen Sätze ergeben:

Wer eine Ferienwohnung Berlin buchen will und nicht ein Berlin Hotel buchen möchte, der sollte bei uns online Ferienunterkunft buchen. Berlin wird immer beliebter, bei uns können Sie eine Ferienwohnungen Berlin suchen und in Berlin auf Zeit wohnen. Die Berlin Sehenswürdigkeiten von einer Ferienunterkunft in Berlin aus besuchen, ist ein Erlebnis. (@Suchbots: gerne auf noindex 😉 )

PS: Typisch SEO Text hier auch der kreativ-leblose Einstieg mit „Wer“. „Ob“ und „Ob nun“ sind auch gern genommen…

Ein schlimmer Text. Der Vater des Gedanken ist klar, und dieser Text hat noch viel hässlichere Geschwister im Internet, ich sehe sie fast täglich. Aber ich mache mich nicht über die armen Kreaturen lustig. Ich schweife ab – war das jetzt vielleicht schon nicht mehr relevant?

Kernideen und – wenn nötig – semantische Nachbarn

Soll der Text übermäßig lang werden, braucht der Texter mehr als nur eine Kernidee. Klar, bei Ferienwohnungen in Berlin geht es um Wohnungen, die man in den Ferien in der Hauptstadt buchen kann. Was aber, wenn man nach 250 Wörtern eigentlich alles gesagt hat, man aber 2.000 Wörter schreiben soll? Einfach alles wiederholen? Na, na, na!

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Plakatives Bild mit leicht weit hergeholtem Bezug zum Beitrag – mein (c)

Da gibt es eine Taktik: semantische Nachbarthemen erschließen. Wenn ich merke, dass ich mit dem Kernthema absolut nicht hinkomme, schreibe ich über benachbarte Themen. Im Fall Ferienwohnungen in Berlin etwa: Geschichte der Stadt, Sehenswürdigkeiten, Gastronomie, Kneipenszene, Kultureinrichtungen, Ausflugsmöglichkeiten, Verkehrsnetz, Nähe zu anderen Städten, Einrichtung der Wohnungen, Sonderausstattungen, Details über den Ablauf der Buchung, Infos zum Unternehmen – letztere Informationen können übrigens auch beim Breittreten helfen, wenn eine Stadt kleiner ist als Berlin und damit weniger Input liefert.

Anderes Beispiel: Produktbeschreibungen für Weine. Eigentlich, wenn man relevant schreibt, stellt man den Wein in der Farbe, im Bouquet und im Geschmack dar. Das kann aber nach 100 wörtern schon erledigt sein. Also genehmigen wir uns noch folgende semantische Nachbarthemen:

  • Einleitung
  • Winzer
  • Anbaugebiet
  • Boden- und Witterungsverhältnisse
  • das Land und seine Bekanntheit für Weine
  • das Sortiment im Online Shop
  • Kaufempfehlungen
  • wie gut der Wein zu welchem Essen passt
  • zu welchen Anlässen man ihn trinken kann
  • empfohlene Trinktemperatur
  • evtl. Sonderinfos, wie zum Beispiel Parker-Bewertung, Auszeichnungen, hoher Preis, besonderer Jahrgang o.ä.

Prost!

Zu lang? Egal, liest eh kein Schwein

Kurzfassen ist eine Kunst. Selektieren, was wichtig ist, was irrelevant. Wie informiert man auf den Punkt? Steaks braten stelle ich mir ähnlich vor…
Aber, wieso muss man sich auch mal kurzfassen können? Die Kehrseite der Medaille mit den SEO Texten ist nämlich, dass zwar die Suchmaschinen die vielen ach-so-tollen Worte gut finden – im wahrsten Sinne. Insgeheim weiß aber auch jeder: ‚Das liest eh kein Schwein.‘ Und warum lesen die meisten User SEO Texte nicht? Weil sie zu lang und voller unmotiviertem Blabla sind. Zudem leidet die Textqaulität unter den Budgetvorstellungen ihrer Auftraggeber, siehe Texte wie Dosenravioli.

Regeln für relevanten Diskurs

Wenn ich aber ohne ein Korsett an SEO-Richtlinien schreibe, auch solche Kunden gibt’s zum Glück, schreibe ich so viel es eben sein muss. Relevant schreiben heißt, sich auf die nötigen Informationen fokussieren zu können, die nötigen Kerninfos zu liefern, so sagte es auch Paul Grice – guter alter Philosoph und Sprachstratege – in seinen Konversationsmaximen.

Die dritte Konversationsmaxime, die Maxime der Relevanz, ist hier gemeint. Sie nämlich sagt:

„Sage nichts, was nicht zum Thema gehört, wechsle nicht das Thema.“

Maxime 1, die der Quantität, ist aber auch passend:

  • „Mache deinen Gesprächsbeitrag mindestens so informativ, wie es für den anerkannten Zweck des Gesprächs nötig ist.“
  • „Mache deinen Beitrag nicht informativer, als es für den anerkannten Zweck des Gesprächs nötig ist.“
Quelle: Wikipedia, aber ich hab' auch Fachbücher!

Schriftsteller, Blogger, Journalisten haben’s da einfacher. Sie müssen keine Mindestwortzahlen liefern und dabei auch aufpassen, dass bestimmte Keywords 2,714% des Contents ausmachen.

Klar ist: Die Text-Ästhetik bleibt bei diesen Text-Fladen auf der Strecke. Das ist allerdings nicht so, wenn ich SEO Texte schreibe, denn man kann den Spagat schaffen zwischen Quantität und Qualität.

jetzt texte buchen

Das waren jetzt gut 1.000 Wörter über Relevanz in Texten. Versuchen Sie mal, eine solche Textmenge über Much zu gebähren.

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