Woran erkennt man gute Texte?

Ich bin jetzt noch nicht so lange wach, habe noch nicht einmal den ersten Kaffee abgeschlossen, und schon schreibe ich. Kann das gutgehen? Nicht die allerbesten Voraussetzungen für einen guten Text. Aber der Text wird sich bis zum Ende hin noch beschleunigen. Aber wie bekommen andere ihre Texte gut? Welche grundsätzlichen, allgemein anerkannten Parameter gibt es für gute Texte? Und was passiert nach dem zweiten Kaffee? Antworten, jetzt.

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Plakatives Bild mit leicht weit hergeholtem Bezug zum Beitrag – mein (c)

Kaffee und Ausgeschlafensein sind auch nur zwei Grundvoraussetzungen dafür, dass ich persönlich gute Texte schreiben kann. Andere können das unter anderen Umständen, oder auch unter gar keinen, siehe Texte wie Dosenravioli. Aber es gibt sozusagen Konventionen für gute Texte, Regeln, an denen man sich entlanghangeln kann.

Ich bin, was mich angeht, schon der Meinung, dass ich gute Texte schreiben kann. Vorausgesetzt, meine etwas spleenigen Voraussetzungen sind gegeben. Und ich bin außerdem der Meinung, dass ich sowohl meine, also auch die Werke anderer Autoren anhand bestimmter Parameter beurteilen kann. Und ich nin der Meinung, Karthago sollte dem Erdboden gleichgemacht werden.

Kriterien für einen guten Text

Dreileitung weniger Zweileitung = Einleitung.

Meine heutige Einleitung ist sicherlich etwas unkonventionell, aber hey, es ist ja auch nur mein Blog. Hier könnte ich auch Texte mit Nudeln vergleichen, wenn ich es in meinem noch Kaffee-entwöhnten Kopf so wollte.

Generell heißt die Einleitung den Leser des Texts willkommen. Es kommt zwar stark auf die Kontextart an, wie die Einleitung gestaltet wird, aber im Prinzip gibt sie einen sexy kleinen Überblick über den Inhalt des folgenden Fließtexts und schafft es (nur für mich?) idealerweise, mit den letzten Worten noch ein kleines Mysterium zu etablieren, dass der nun aufgeregte Leser im weiteren Kontext gelüftet sieht.

Fließe, Text, fließe! – Kohärenz zwischen Absätzen

Manchen schlechten Texten sieht man an, dass der Autor am Ende jedes Absatzes überlegen musste, ‚ja mei, wie mach‘ ich denn jetzt weiter?‘. Ein Text muss fließen, man muss ihm anmerken, dass der Autor Lust auf das Thema hatte, und dass er auch Ahnung davon hat. Er – also der Text – muss vor unaufdringlichem Sprachwitz sprühen und die Absätze gehen kohärent ineinander über.

(der erste Kaffee ist jetzt intus)

Sprachwitz in Packungsbeilagen?

Zu Risiken und zur schnellen Unterhaltung lesen Sie die Packungsbeilage, und…. nein, eher nicht. Leider sind Packungsbeilagen nicht lustig. Ich hatte in der Uni mal ein Pragmatik-Seminar, da ging es 6 Monate um nichts anderes. Was ich damit sagen will ist, dass die Güteklasse eines Texts manchmal durch die Kontextart schon vordefiniert ist. Bei Packungsbeilagen – und z.B. sicherlich auch bei Gebrauchsanweisungen – gibt es ein straffes Korsett aus nüchternem Zwang zur neutralen Information, aus dem sich der Autor einfach nicht befreien kann. Und nein, das ist nicht nur im technisch-korrekt-nüchternen Deutschland so. Auch Italiener lockern ihre Packungsbeilage für Kohletabletten in der Einleitung nicht auf, indem sie Witze über den Espresso-Konsum ihrer Kunden machen. Schade eigentlich.

Ohne Ausschweife

So, das war jetzt auch ein Beispiel dafür, woran man gute Texte erkennt, aber ein eher negatives. Toll, jetzt war es grad so witzig, mit den Kohletabletten und so, aber gute Texte ziehen ihre Linie durch. Niemals das Thema vergessen, dass die Überschrift verspricht.

Wie bleibt man beim Thema?

  • Vorab das Thema genau definieren…
  • …und eben auch Themen, die nicht mehr dazugehören (hier: Packungsbeilagen)
  • Journalisten stellen die berühmten W-Fragen…
  • …je nach vorgegebener Textlänge kann man mehr oder weniger W-Fragen im Text beantworten

Der thematische Fokus ist wie ein Baumkronenschnitt: Alle unnötigen Auswüchse werden gekappt.

Meinung in Texten

Ich persönlich bin der Meinung, dass eine Meinung im Text immer interessant ist und zur Diskussion anregen kann. Aber Meinungen sind eben längst nicht in jedem Kontext angemessen:

  • Nachrichten
  • Berichte / Reportagen
  • Dokumentation
  • Technische Dokumentation
  • Todesanzeige
  • und, ja: Packungsbeilage

Anders ist das in Textgattungen wie…

  • Interview
  • Tagebuch
  • Essay
  • Kommentar
  • Kolumne

Letztere geben dem Autoren (und natürlich der Autorin, Verzeihung) die Gelegenheit, neben all der Information auch Meinung einfließen zu lassen. Dass das manchmal in der Polemik oder gar im Populismus endet, liegt in der Natur der Sache und obliegt letztendlich der Aufsichtspflicht eines Chefredakteurs, sofern vorhanden.

Sprachwitz in Texten

Mit Sprachwitz verhält es sich ganz ähnlich, denn auch er ist nicht in jeder Todesanzeige angebracht, außer vielleicht der eines verstorbenen Komikers. Generell muss es ja nicht um Witze per se gehen, sondern vielmehr um pfiffige rhetorische Kunststückchen, die einfach die Text-Intelligenz ein bisschen hervorheben, denn Witz ist Zeichen von Intelligenz. Auch Direktheit oder gar Provokation kann einen Text witzig machen, Hauptsache, die Leserschaft weiß, dass sowas auf sie zukommen kann. Ein neues Publikum muss erstmal auf seinen Humor hin abgeklopft werden.

Braucht ein guter Text ein Fazit?

(Achtung: thematischer Rahmen:) Ich bin jetzt schon etwas länger wach, habe den zweiten Kaffee intus, und speziell für meine Textgenese sind das zwei gute Voraussetzungen. Das Endergebnis ist eines, dass ich gerne selbst lese und es dann auch so in die Unvergesslichkeit des Internets übergebe. Ein Eindruck, mit dem ich Texte auch guten Gewissens an meine Kunden weitergeben würde. Letztlich ist es der Anspruch des Autoren, der auch die Güteklasse eines Texts bestimmt.

Vor allem viele Internet-Texte, die nicht die definierten Rahmenbedingungen haben, wie zum Beispiel Packungsbeilagen oder Zeitungsartikel, sind noch immer oft von niederer Qualität – Texte wie Dosenravioli eben. Ich plädiere dafür, dass sich jeder selbstgemachte Nudeln wünschen darf. Ich kenne nicht nur die Zutaten, ich verkaufe sie auch. Läuft Ihnen schon das Wasser im Mund zusammen?

Und jetzt ein Element eines guten Marketing-Texts, das Call-to-Action-Element:

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