Texte wie Dosenravioli

Nicht alle Texte kommen von Textern. Man merkt es ihnen an, an den Felern, den den Text beinahe unleserlich machenden Satzkonstruktionen oder den völlig unpassend gewählten Vokabeln. Viele können schreiben, nur wenige können texten.

Woran erkennt man schlechte Texte?

Es ist eben kritisch zu sehen, wenn sich ein Unternehmen für seine Website Texte von Studenten, Hausfrauen oder anderen wenig qualifizierten Schreibern besorgt. Die Unternehmen sehen das aber gar nicht so kritisch – das fällt mir ja auch bei meinen eigenen Kunden durchaus hier und da mal auf, wenn ich die Trümmer meiner Vorgänger entsorge.

Viel Kritik fällt mir dann aber ein, wenn ich die Formulierungen zu Gesicht bekomme, die manche meiner Kunden vor mir auf ihren Websites hatten. Aber auch sonst findet sich im Internet viel Fragwürdiges, und ich verrate, wo sich der Laien-Texter entlarvt.

Einleitung mit unmotivierten Verallgemeinerungen

  • Immer mehr Menschen gehen zum Fitness.
  • Fitness wird immer beliebter.
  • Kunststoffe haben in den letzten Jahren die Welt erobert.

Vermutung: Mangelnde Kreativität für eine bessere, individuelle Einleitung.

Welche/s/r am Anfang von Relativsätzen anstatt das / dass

  • eine große Wahrscheinlichkeit für ein attraktives Einstiegsgehalt, welches im Laufe der Jahre noch steigen kann.
  • Ein Ingenieur kann durchaus mit einem Anfangsgehalt rechnen, welches zwischen 40.000 und 50.000 Euro liegt.

Vermutung hier übrigens: Die Unsicherheit, wann das oder dass verwendet werden müssen.

Besitzt statt hat

  • Das Pferd besitzt Hufe
  • Das Gartenhaus besitzt eine Veranda
  • Wichtig für jeden potenziellen angehenden Mathematiker ist, dass er ein ausgeprägtes naturwissenschaftliches Interesse besitzt.

Hier ist bestitzt einfach in eine vollkommen falsche Umgebung geraten. Ein Pferd oder ein Haus besitzen nichts und Interesse kann man auch nicht besitzen, sondern für alle Fälle wäre  das Verb „haben“ angebracht. Warum viele Texte diese Fehlbesetzung besitzen, dafür besitze ich kein Verständnis.

Der / die / das „eigene“

  • Die eigenen Gelenke sowie der Rücken und viele andere Körperteile werden es uns später im Alter übrigens ebenfalls danken
  • Die eigene Wohnung streichen
  • Den eigenen Garten möblieren

In vielen Fällen wird das Eigene besonders hervorgehoben. Dabei macht der Kontext es vollkommen redundant, denn darin wird in der Regel klar, dass sich jemand nur die eigenen Fußnägel schneidet. Das „Eigene“ kann daher getilgt werden, um den guten Stil zu bewahren.

Grausige Progressivformen

  • Wer schon einmal auf einer auf dem Boden liegenden Matratze gelegen hat, kennt den Unterschied genau.
  • Die den Garten gestaltenden Fachleute
  • Das kann Vorteile gegenüber der sich ebenfalls bewerbenden Konkurrenz mit sich bringen.

Vermutung: Hier soll der Attributsatz vermieden werden – vielleicht aus Unklarheit über die Interpunktionsregeln. Vielleicht meint der Autor aber auch, die eine Progressivform habenden Formulierungen könnten besonders progressiv erscheinen.

Redundante Konjunktionen

  • Wenn man etwa als Gewerbetreibender einmal für das Einkaufen im Großhandel zugelassen ist, so darf man auch seinen persönlichen Bedarf dort decken.
  • Wer sich für das Studium entscheidet, der sollte sich im Klaren darüber sein…
  • Wenn ich nach Hause komme, dann gehe ich direkt schlafen

Wenn ich einen Konjunktivsatz formuliere, in diesem Fall übrigens ein Konditionalsatz, muss ich den Nebensatz nicht durch eine Konjunktion einleiten.

Stilistisch fragwürdige Formulierungen:

  • sollte man / empfiehlt es sich – gehören zu den am weitesten verbreiteten Phrasen, in meinem Dafürhalten bestes Beispiel für ideenlose, oberflächliche und passiv-konstruierte Internet-Texte.
  • Wer… / Ob (nun)… – Viele, viele Texte und Absätze beginnen so. Sie sind ein Zeichen von Ideenlosigkeit. Der Text soll schnell irgendwie anfangen, der Cursor blinkt ja so unerbittlich auf und man hat einfach grad so gar keine Idee, wie ein geistreicher, individueller Text anfangen könnte.

Immer wieder lese ich zahlreiche Beispiele für die oben aufgezählten Merkmale billiger Texte. Sie sind eben Billigware. Und wie beim Gemüse aus der Dose, dem einlagigen Klopapier oder schnell entladenen Batterien merkt man ihnen ihr Billigsein eben an. Oben steht’s. Schauen Sie nach und merken Sie ‚was.

Texte, die ihren Preis wert sind, gibt’s bei mir 😉

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