Geschlechtergerechte Sprache – Was Frauen wollen

Neulich stolperte ich mal wieder über eine Gleichberechtigungsbeauftragte (es lebe das Kompositionalitätsprinzip). Sie wirkt in Düsseldorf und will erwirken, dass mehr Gleichberechtigung in der Sprache herrscht. Anscheinend herrscht in der Stadt Düsseldorf ein latenter Zorn über die sprachlichen Verhältnisse im Land, schließlich spricht die Stadt, spricht die Gleichberechtigungsbeauftragte der Stadt Düsseldorf „Klartext!„.

Männer sollen sich schämen, Frauen sich grämen

Die Arbeitshilfe für geschlechtergerechte Formulieren nennt Sprache einen Spiegel unseres Zusammenlebens und beginnt mit einem volkloristischen Zitat. Insgesamkt umfasst das Dokument stolze 6 Seiten, die wirken sollen; Männer sollen sich schämen, Frauen sich grämen.

In einen Punkt stimme ich sofort mit ein, nämlich den der Paarformulierung. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Studentinnen und Studenten, Wählerinnen und Wähler – Die Frauen wollen nicht nur mitgenannt, sondern auch erstgenannt werden. Na gut, wir sind ja alles Kavalliere und lassen ihnen den Vortritt 😉 Ich habe schon mal darüber gebloggt, wie teuer geschlechtergerechte Sprache für unsere Volkswirtschaft ist! Besonders toll finde ich, dass „Klartext!“ die Notation der Paarformulierung vollkommen freistellt, ob mit Konjunkten, Kommata oder gar Schrägstrichen.

Lasst der Sprache doch ihre Freiheit, liebe SprecherInnen

Doch diese wunderbare Freiheit gilt nicht für die grundsätzlich implizierte und auch explizit geäußerte Forderung hinter dem Klartext. Es geht um Gleichberechtigung, hier im Bereich Sprache, wie auch schon in vielen anderen Bereichen zuvor (Wahlrecht, Auto fahren, das TV-Programm  bestimmen). Völlig unabhängig davon, wie man den Wunsch der Frau (Genitiv-Artikel klingt irgendwie maskulin…) bewerten will, handelt es sich bei der sprachlichen Gleichberechtigung nicht um einen natürlichen Prozess der Sprachentwicklung.

Beispiel Kreolsprachen: Kreolsprachen sind Mischsprachen, geschaffen von zwei Sprechergruppen, die sich nicht in einer gemeinsam bekannten Sprache verständigen können. Aus dem Bedarf an einer Verständigung heraus, entwickeln sie gemeinsam eine neue Sprache. Diese Art der Sprachgenese ist höchstgradig dynamisch und vollzieht sich auf der lexikalischen, grammatikalischen oder auch lautlichen Ebene.

Schon immer hat sich Sprache so entwickelt, wie ihre Sprecher sie formten. Jeder Soziolekt zeigt, wie offen Sprache (ja, auch die Deutsche 🙂 ) gegenüber neuen Wegen ist. Zwang ist aber nicht der richtige Weg – Was die Gleichberechtigungsbeauftragt/Innen dieses Landes wollen, ist eine erzwungene Änderung, das wird so wenig klappen, wie die Einführung des Wortes „sitt“.

 

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