Promi Big Brother: Zeit fürs TV-Bestiarium

Es war letzten Donnerstag, da fuhr ich in Düsseldorf von der Autobahn ab. Ich stand im Stau auf dem Zubringer Mörsenbroich und wartete auf die über-über-über-nächste Grünphase, die die meine sein sollte. Als wäre es genau zu diesem Zweck dort aufgestellt, fand ein Werbeschild meine Aufmerksamkeit, darauf der Schriftzug, der die neue Staffel Promi Big Brother bewarb.
6 Stunden und zwei geschäftliche Termine später hatte ich das Schild und das Format schon wieder vergessen. Beim Darten mit zwei Kumpels kamen wir auf unsere TV-Vorlieben zu sprechen. Auf Unverständnis treffe ich regelmäßig, weil ich gerne #Frauentausch gucke – an diesem Donnerstag leider nicht, da ich spitze Pfeile in den Laminatboden meines Kumpels rammen musste.
Promi Big Brother jedenfalls, da waren wir uns einig, das ist ein Format von unterstem Format.

Früher hatte man die Wandermenagerie…

Der nächste Tag war Freitag. Am Abend kam es dann auch schon, das Format, zufällig entdeckte ich es im EPG, auf der Suche nach Berieselung während der Halbzeitpausen im DFB-Pokal. Genau so viel Zeit hatte Promi Big Brother also, um mich ein für alle Mal zu begeistern oder nicht.
Ich nenne nun drei Gründe, warum es nicht geklappt hat:

1. Als ich reinschaltete, zog mit Claudia Effenberg gerade die erste Prominente ein. Sie scheint dieses Attribut wirklich verdient zu haben, denn der Moderator wurde nicht müde zu erwähnen, dass 97% aller Deutschen sie kennen. Zum Vergleich: nur 25% aller Deutschen glauben an Gott! Die Lichtgestalt Claudia Effenberg jdf. betrat ihr neues TV-Domizil. Mich interessierte auch die Einrichtung, doch Claudia kommentierte jedes Accessoire, jedes Stuhlbein, jede Teppichfaser mit „Oukäääy“. Ich hasse Leute, die Oukäääy sagen. Weggeschaltet.

Ich verbrachte einige Minuten in der Trailer-Schleife von Sky Select. Dann wieder Fußball.

2. Nächste Chance für Promi-BB: Mittlerweile sind alle Bewohner im Haus. Ich stelle fest, dass ich zwar ebenfalls zu den 97% gehöre, aber insgesamt auch nur 3/10 Leuten in dem Haus kenne. Immerhin. Ich sehe einen Verhaltensgestörten, der, wie ich einige Tage später durch SPON herausfand, ein Restbestand der Neuen Deutschen Welle ist. Er wird von Ronald Schill zugequatscht, hat aber offenbar generell Schwierigkeiten, seinen Speichel hinter den Lippen zu behalten. Ich schalte wieder um.

…heute haben wir „P-BB“

3. Chance, gestern: Mittlerweile kennen sich auch die Kandidaten wohl gut genug, um sich zu hassen. Paul Jahnke – er will sich wohl einen Namen als Wanderpokal des Reality-TV machen. Nach dem Bachelor, der er war, und nach wahrscheinlich Tausenden weiteren peinlichen TV-Auftritten, die ich zum Glück alle nicht gesehen habe, ist er nunmehr ganz unten angekommen. Im wahrsten Sinne, denn der BB-„Container“ hat zwei Etagen, eine mit Luxus und eine ohne. Das bringt unheimlich viel Dynamik in dieses Format, einfach genial, liebe Produktionsfirma! Paul jedenfalls ist in der unteren Etage und zofft sich gerade mit einer Mitbewohnerin. Die aber hatte eigentlich gerade mit dem Wendler diskutiert, als Paul schroff dazwischengeht und voll loslegt. Er ist viel eloquenter als die Quoten-Pornodarstellerin und macht sie nieder. Und das, obwohl er gar nicht angesprochen war. Nachdem sich mein hysterischer Weinkrampf gelegt hat, entwickele ich zwei Theorien: 1. Paul ist ein Opportunist, der sich mit der Aktion beim wesentlich bekannteren und reicheren Wendler einschleimen will. „Toll Paul, bei meinem nächsten Konzert darfst du über meine Groopies herfallen.“ 2. Paul ist nach seinen Erfahrungen beim Bachelor desillusioniert und hasst nun Frauen.

Das war gestern. Seither habe ich PBB nie wieder gesehen. Wie seht Ihr das?

Dieser Beitrag wurde unter Der aktuelle Senf veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.