Soziale Medien im TV – Revolution von unten

Facebook und Twitter haben das Fernsehen erobert. In fast jeder Sendung gibt es mindestens Hinweise auf angeschlossene Profile oder auch die Möglichkeit zum Mitdiskutieren. Ist das gut für den Zuschauer? Fördert das das interaktive TV-Erlebnis? Und hebt das die Qualität des Fernsehens?

Das Fernsehen wird alt

Ja, es ist mal wieder Zeit für einen Generationswechsel in den Medien. Erst die Bibel, dann die Gutenberg-Bibel, dann Zeitung, dann Radio, dann Fernsehen, jetzt Social Media. Neue Technik, neue Kanäle und vor allem neue Inhalt-Schaffende. Denn anders als bisher, sind es die Konsumenten, die sich ihre eigenen Inhalte schaffen. Das Fernsehen war bis in die Mitte des letzten Jahrzehnts der Platzhirsch, voller bräsiger Selbstherrlichkeit. Doch jetzt heißt es Platzmachen für die, die da aus diesem „Netz“ kommen.

Alle haben Revolution im Programm

Leicht fällt es den Fernsehmachern bestimmt nicht, aber sie geben Macht ab und üben den Kniefall vor den sozialen Medien. Es ist eine „Revolution von unten„, die von den Zuschauern selbst geführt wird. Sie sind die „Netzgemeinde“ und wollen mitmachen, sich mitteilen und mit anderen teilen. Wer da nicht mitmacht, verliert ggf. Zuschauer.
Das Ergebnis: Wo man auch hinschaut, überall im TV Twitter und Facebook – das wagen zwar noch längst nicht alle Formate, aber gut, ganz so progressiv sind die guten alten Flimmerkisten-Intendanten dann auch wieder nicht.

Versuch einer Medien-Chimäre

Die aktuellen Versuche, TV und die neue Mediengeneration miteinander zu verbinden sehen so aus:

  • Sendungen mit jungen Menschen, die ein iPad an die Hand geklebt bekommen
  • Moderatoren oder „Sidekicks“, die Facebook-Nachrichten und Tweets vorlesen
  • Das fast schon obligatorische Twitter-Laufband
  • Der heutzutage schon fast atavistisch anmutende Chat während / nach der Sendung

Was will das Fernsehen damit erreichen?

  • Das Programm-Niveau heben? Was hier gehoben wird, ist das Image der sozialen Medien. Sie sind lediglich ein Modul in der Sendeplanung, das aber im Wesentlichen nicht zu deren Qualitätssteigerung beiträgt, sondern sich selbst vermarktet.
  • Mehr Interaktivität vorgaukeln? Wirklich interaktiv sind eigentlich nur die TV-Hashtags. Bei großen TV-Ereignissen ist auf Twitter wirklich viel los, da sitzt man sozusagen mit Hunderten Menschen gemeinsam vor dem TV. Es geht dabei aber meistens weniger um den Respekt vor dem Format, als um die Freude an den lustigen Kommentaren aus der Netzgemeinde.
  • Sich modern zeigen? Kommt drauf an, wem man es zeigt. Ich finde es teilweise nicht selten krampfhaft umgesetzt, die Jugendlichen, die man ja eigentlich erreichen will, sehen eh schon lange in eine andere Medien-Zukunft.

Zielgruppe ‚Jugend‘ guckt schon lange weg

Trotz aller Anbiederung – die jungen Zuschauer sind fürs TV schon längst verloren an, ja, die jungen Zuschauer. Die nämlich gehören einer neuen Generation von Mediennutzern an. Sie nutzen das Internet nicht nur, sie gestalten es auch mit. Bekannteste Beispiele sind die Stars von Youtube und auch das Videoportal selbst, wo junge Leute viel lieber zuschauen, als bei den Volksverdummungs-Formaten, die die heutige TV-Programmgestaltung beherrschen.

Auch ich, mit meinen Mitte 30 kann da schon lange nicht mehr hinsehen. Tja, TV, wenn’s weiter so geht, schaust Du bald in die Röhre.

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